Bilanz: Das erste Jahr Linux-Client in München

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Andreas Harpf, der Kommunikationskoordinator der LiMux-Projektleitung und Leiter des stadtweiten Kommunikations-Teams, sprach mit silicon.de über die bisherigen Erfahrungen mit dem Linux-Client in München.

silicon.de: Wie sieht das Feedback der Mitarbeiter aus?

Harpf: Akzeptanz ist nicht nur bei den Anwendern, sondern auch bei den IT-Schaffenden, den Administratoren also, und in der Politik beziehungsweise in der Führungsebene der Stadt notwendig. Generell ist die Annahme gut. Dort wo Kritik geübt wird, ist diese in der Regel konstruktiv. Das haben wir durch eine sehr intensive Informationspolitik mittels Intranet und Newslettern, Veranstaltungen und vielfältigen Schulungsmaßnahmen erreicht. Dies sind alles Maßnahmen, um Mitarbeiter regelmäßig zu informieren, ihnen die Angst vor dem ‘Neuen’ zu nehmen und sie zu motivieren, sich an der Umsetzung der Projektergebnisse aktiv zu beteiligen. Dennoch ist derzeit erst ein kleinerer Teil direkt von der Umstellung betroffen, so dass die Akzeptanz immer wieder aufs Neue erarbeitet werden muss.

silicon.de: Wie wird die LiMux-Lernwelt angenommen?

Harpf: Für so ein neues elektronisches Lern- und Kommunikationsmedium sehr gut. Wir wissen, dass es Zeit braucht, bis diese Kultur bei den Anwenderinnen und Anwendern in Fleisch und Blut übergeht, aber das Interesse ist groß und das Lob auch. Die E-Learning-Lösung gefällt einerseits den Anwendern, aber auch Externen so gut, dass es den europäischen E-Learning Preis, den “eurelea” gewonnen hat.

silicon.de: Was ist bezüglich der Weiterentwicklung des Basis-Clients geplant?

Harpf: Das Softwareverteilungswerkzeug FAI (Fully Automatic Installation) und das freie Tool GOsa (Gonicus System Administration) stellen die einfache webbasierte Verwaltbarkeit von Client-Installationen sicher. Ein Major Release und ein bis zwei Minor Releases sind für das kommende Jahr geplant. Die einzelnen Referate rollen diese in eigener Zuständigkeit aus. Des Weiteren sollen Bugs beseitigt und Fachverfahren und Features integriert werden. Es wird Updates geben, wie zum Beispiel die Umstellung der Betriebssystembasis von Debian Sarge auf Debian Etch, ein Update des Internetbrowsers Firefox, ein Update des E-Mail-Programms Thunderbird und ein Update von OpenOffice.org.

silicon.de: Welche Bereiche der Landeshauptstadt München sind für die nächsten Umstellungen vorgesehen?

Harpf: Das Kulturreferat und das Direktorium werden diesen Winter fertig.

silicon.de: Bis zum Jahresende sollen noch 2000 Arbeitsplätze umgestellt werden. Ist das Ihrer Meinung nach zu erfüllen?

Harpf: Ja, daran arbeiten wir. Allerdings sind wir mit der Einführung von freier Software, zum Beispiel Mozilla und OpenOffice unter Windows schneller, da haben wir schon die 5000 erreicht.

silicon.de: Wie zufrieden sind Sie persönlich mit der Entwicklung des Projektes?
 
Harpf: Sehr zufrieden. Der Einsatz, mit dem alle Projektbeteiligten sich der freien Software verschrieben haben, ist bewundernswert. Da ist die tägliche Arbeit entscheidend und nicht die Zahlen, wie viele Umsteller man hat. Wenn am Ende viele Herausforderungen gelöst sind, läuft nur wieder die IT. Aber was dahinter steht, wird kaum einer begreifen, der nicht an der Migration zu LiMux beteiligt war.

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