Realtime Business Intelligence – Groschengrab oder Wundermittel?

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Business Intelligence (BI) muss immer schneller werden. Das moderne Unternehmen braucht alle Informationen und Antworten bei Anfrage sofort. Doch kann sich der Aufbau von echtem Realtime BI als Kostenfalle erweisen.

Der Anbieter SAS differenziere beispielsweise seit Jahren zwischen den Begriffen Realtime BI und operativer Business Intelligence (BI). “Realtime BI definiert sich durch die Bereitstellung von Daten aus den Geschäftprozessen im Data Warehouse und über das Berichtswesen in Echtzeit. Viele Kunden sehen allerdings sehr schnell, dass ein solches Vorgehen nur wenig Nutzen bringt,  der die entsprechend großen Hardware-Aufwände nicht  rechtfertigt”, lautete Petzholds Erfahrung.
 
Grundsätzlich sei mit der BI-Plattform von SAS ein solches Realtime BI möglich. Als Stärken nannte er die Datenintegration: 3,87 Terabyte pro Stunde an Daten in das Data Warehouse zu schieben, sei kein Problem.

Näher ran an die konkreten Bedürfnisse

“Beim operativen BI dagegen geht es darum, Ergebnisse durch die BI-Infrastruktur bereits während des laufenden Geschäftsprozesses bereit zu stellen, beispielsweise aus der Datenanalyse heraus”, erklärte er. In der Praxis habe der Anbieter dies bereits bei vielen Kunden realisiert. Beispielsweise habe SAS bei einem deutschen Handelsunternehmen eine Lösung eingerichtet, mit deren Hilfe keine weiteren manuellen Freigaben mehr nötig sind. Die Lösung greift bereits während der Onlinebestellung im Web-Shop ein und liefert Scoring-Ergebnisse für den Kunden. Dieses Ergebnis entscheidet dann darüber, ob eine Bestellung ohne Einschränkungen durchgeführt wird. 

Echtes Realtime-BI ist das allerdings nicht, gab er zu. Er sieht nur geringen Bedarf hierfür. “Es gibt nur wenige Kunden in Deutschland, die sich mit echter Realtime-BI beschäftigen. Europaweit sieht das nicht viel anders aus – vor allem deshalb, weil der Hardware-Aufwand und der Nutzen nicht im Verhältnis zueinander stehen. Deshalb findet Realtime-BI zurzeit keine breite Anwendung”, sagte Petzhold.
 
Ganz anders sehe es dagegen bei so genannter kaufmännischer Realtime aus, also wenn es darum geht, die richtigen Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar zu machen. So müssen beispielsweise viele Callcenter-Mitarbeiter noch während des Kundenanrufs Scorings, Prognosen und Potenzialanalysen bekommen, die bereits Daten berücksichtigen, die erst wenige Augenblicke zuvor eingegeben wurden. “Das ist zwar auch kein Realtime BI im technischen Sinne, im Ergebnis jedoch schon. Und dies ist für unsere Kunden in der Tat relevant.” Deshalb begrüßt er die Möglichkeit, dass bei den eigenen Lösungen die Möglichkeit eingeplant ist, innerhalb einer Datenbank – sprich: ohne den Umweg über ein Data Warehouse – Analysen durchzuführen.
 
Doch es gibt sie, die echten Realtime-BI-Anwender – auch in Deutschland. Petzhold nennt sie “ausgesuchte Anwendungsfälle, bei denen Realtime-BI sehr sinnvoll ist”. Beispielsweise bei der Prävention von Kreditkartenbetrug sei das eine Notwendigkeit. Für die Entwicklung einer solchen Speziallösung habe sich SAS den Partner HSBC gesucht. Die Lösung soll es Banken ermöglichen, Kreditkartenbetrug in Echtzeit zu identifizieren.