Manager müssen den ‘Linus’ in sich wecken

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Mehr Mut zum Risiko, weniger Meetings und einen guten Schuss Management à la Linus Torvalds – das empfiehlt Internet-Theoretiker Clay Shirky Managern auf den Weg ins Web-2.0.-Zeitalter.

silicon.de: Dank des Social Web ist es leicht wie nie, Aktionsgemeinschaften zu bilden. Was müssen CIOs über Collaboration-Tools lernen, wenn sie mit ihren Mitarbeitern auf Augenhöhe bleiben wollen?

Shirky: Das Beste was man tun kann, ist herauszufinden, was die Belegschaft bereits nutzt. Das ist der anerkannte Weg, wie wirklich neue Fähigkeiten ins Unternehmen kommen – Mitarbeiter schleppen sie von außen ein. So haben Unternehmen Blogs und Wikis eingeführt, aber genauso Instant Messenger, E-Mail und selbst PCs.

Eine (nicht maßregelnde) Umfrage, welche Tools die Mitarbeiter bereits nutzen, ist die beste Methode, um zu verstehen, welche Kollaborations-Software die Angestellten nützlich finden und es kostet sehr wenig, sich einen derartigen Überblick zu verschaffen.

silicon.de: Mit welchem Web-2.0-Tool müssen sich Manager auf alle Fälle beschäftigen?

Shirky: E-Mail. Tatsächlich verstehe ich nicht, was mit dem Begriff Web 2.0 genau gemeint ist. Wikis, eine anerkannte Web-2.0.-Applikation, wurden 1996 eingeführt, noch bevor das meiste von dem, was nominal das Web 1.0 ausmacht, existierte. In der Folge ist es kaum möglich, eine klare Web-2.0.-Linie zwischen alt und neu zu ziehen. Und ich denke die aktuellen Veränderungen sind evolutionärer als das Web-2.0.-Label suggeriert.

Anstatt über Tools nachzudenken, macht es mehr Sinn über soziale Muster nachzudenken, und das soziale Muster von E-Mail ist, einer Ad-hoc-Gruppe bekannter Personen zu ermöglichen, sich über Unternehmensgrenzen hinweg zu unterhalten und Dokumente auszutauschen.

Das klingt vielleicht nicht nach einer großen Sache, aber obwohl in den vergangenen 15 Jahren Billionen von Euro ausgegeben wurden, um ‘Collaboration-Tools’ einzuführen, ist E-Mail das Mittel der Wahl geblieben, nicht weil es das beste Tool ist, das es gibt, sondern einfach weil es eher so funktioniert, wie die Mitarbeiter wollen (sprich: flexibel, einfach zu konfigurieren, funktioniert auf beiden Seiten der Firewall), als wie das Management es will (sprich: abgesperrt, kontrolliert von der IT, funktioniert nur innerhalb der Firewall).

Der anhaltende langfristige Wert von E-Mail als Kollaborationsplattform, 35 Jahre nach der Einführung, sollte uns von dem Glauben abbringen, dass neu gleichbedeutend ist mit besser. Wenn man also sagt, es ist Aufgabe Nummer eins E-Mail zu verstehen, heißt das auch “verstehe, was Deine Mitarbeiter von einem Tool wollen, bevor Du versuchst herauszufinden, welches Tool Du Deinen Mitarbeitern gibst.”

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