Was können Open-Source-Anwendungen heute?

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Open Source Software hält Einzug in immer mehr Unternehmen. Vor allem die fehlenden Lizenzkosten machen sie attraktiv. Das ist jedoch längst nicht alles. So sind inzwischen – vor allem für große Firmen – andere Faktoren bei weitem wichtiger. Ein Interview mit Lutz Seeger, Geschäftsführer bei Optaros.

Seeger: Das ist auf jeden Fall der Bereich Web-Entwicklung. Im Web wird viel ausprobiert. Die Anwender wollen neue Möglichkeiten. Das ist ein sehr dynamisches Feld, ganz besonders im Frontend. Natürlich gibt es große Projekte die weiterhin Microsofts oder Adobes Lösungen verwenden. Aber es sind ja nicht nur die.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von neuen und etablierten Entwicklungen wie OpenLaszlo, Ruby on Rails und sehr leistungsfähigen Frameworks wie etwa Hibernate, Spring und Seam für Java, Symfony für PHP. Darüber hinaus steht beispielsweise mit Drupal ein einfaches und starkes WCM- System (Web Content Management) zur Verfügung mit tollen Community Tools, Funktionen für Blogs, RSS und so weiter. Unsere eigene Seite ist auch Drupal-basiert.

Darüber hinaus werden häufig Komponenten verwendet, die vielleicht gar keinen Namen haben und die nur noch unsere Entwickler kennen. Hier sehe ich die absolute Stärke. In anderen Bereichen wie der Produktion gibt es feste Prozesse. Da gibt es nicht so viel Wandel. Bei der Web-Entwicklung ist das ganz anders, und da ist auch die Bereitschaft etwas Neues auszuprobieren viel größer.

silicon.de: Gibt es also Bereiche, in denen sich Open Source härter tut?

Seeger: Ich sehe im ERP-Bereich wenig Open Source. Es gibt zum Beispiel OpenBravo, aber die werden kommerzielle ERP Lösungen auch in kleineren Firmen mittelfristig nicht vom Markt verdrängen, denke ich.

silicon.de: Open Source ist vor allem bei Betriebssystemen, Web- und Application-Servern, Entwicklerwerkzeugen, Datenbanken sehr stark. Je weiter man in Richtung Geschäftsanwendung geht, desto dünner wird die Luft. Wie kommt das?

Seeger: Die Entwickler, die zu Open-Source-Projekten beitragen, haben eben meistens genau mit solchen Infrastruktur-nahen Problemen zu tun. Über die tauscht man sich mit anderen aus. Da liegt sozusagen der Ursprung dieses Modells. Und da ist natürlich der Antrieb ein ganz anderer als bei einer Geschäftsanwendung. Denn da muss man sich auch mit dem Business auskennen. Auch die Ziele der Projekte und kommerziellen Open-Source-Firmen sind wie der Name schon sagt andere.

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