Open Graph: Die Spinne im Netz

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Die Ankündigung von Facebooks neuem Webspielzeug ‘Open Graph’ hat vergangene Woche auf der “F8-Konferenz” in San Francisco für Aufregung und nachhaltige Diskussionen gesorgt. Es scheint, dass sich Facebook immer mehr in die Privatsphäre der Nutzer drängen will. Doch was steckt genau hinter Open Graph und welche Auswirkungen hat das Projekt auf Privatanwender und Unternehmen.

Die mehr als 400 Millionen Mitglieder des Online-Netzwerkes sollen künftig nicht nur auf der Facebook-Plattform Informationen austauschen können, sondern auch auf verschiedenen Webseiten überall im Netz. Facebook sammelt alle Informationen, speichert und zeigt sie dann im Profil seiner Nutzer. Das Netzwerk kennt somit noch besser die Vorlieben seiner Mitglieder. Vielleicht sogar besser als “echte” Freunde und Angehörige. Facebook stellt die Informationen auch den beteiligten Webseiten-Betreibern zur Verfügung. So können zum Beispiel Internet-Shops Surfern, die das erste Mal ihre Webseite besuchen, bereits personalisierte Angebote unterbreiten.

Ein Schritt mit dem sich Facebook zum ständigen Begleiter, Beobachter oder gar zum Spion wandelt. Facebook-Gründer Zuckerberg sieht das alles positiv, denn mit der neuen Initiative werde nicht nur der Informationsfluss erhöht, sondern das Internet insgesamt verändert. So soll der eingeloggte Nutzer das Gefühl bekommen, dass das ganze Internet eine große Facebook-Gemeinde sei.

Das wird wohl nicht jeder so sehen, vor allem Datenschützer schlagen die Hände über den Kopf zusammen. Denn das ‘Web 3.0’, wie Zuckerberg es nennt, könnte kaum noch zu kontrollieren sein. Für die Inhalte-Lieferanten im Internet würden sich ganz neue Tore zur Vernetzung öffnen. Wann immer eine Webseite, die mit den Social-Plug-ins ausgerüstet ist, von einem eingeloggten Facebook-Nutzer besucht wird, findet automatisch eine Anfrage nach den Social-Graph-Daten des Nutzers bei Facebook statt.

Für den Nutzer bedeutet das Facebook-Projekt, dass er sich noch einen Schritt weiter hin zum einem personalisierten Web bewegen würde und noch ein Stück mehr von seiner Privatsphäre opfern würde. Doch letztendlich liegt hier alles wieder beim Nutzer, denn dieser entscheidet, ob er den Facebook-Eroberungsversuch des Internets unterstützen möchte oder nicht.

Wenn sich die Social-Plug-ins durchsetzen, könnte es für Facebook-Konkurrenten eng werden. Denn, wenn sich die neue Informationsschleife zwischen den Inhalte-Lieferanten und Facebook erst einmal etabliert hat, werden andere soziale Netzwerke sprichwörtlich in die Röhre schauen. Sie wären quasi raus aus dem Rennen. Der Gewinner im Social-Network-Wettbewerb würde dann Facebook heißen.

Auch CIOs wären vor dieser verstärkten Personalisierung im Web nicht gefeit. Wie jedoch die silicon.de CIO-Jury
gezeigt hat, wird die soziale Plattform in Unternehmen nur wenig genutzt. Einige haben einen Facebook-Account, aber pflegen diesen nur sporadisch. Viele CIOs halten Facebook für ein reines Spielzeug für die private Kontaktpflege und den Austausch von Informationen.

Nach Aussage verschiedener Analysten wird die vermeintliche “Gefahr”, die von Facebook ausgeht, maßlos übertrieben. Dan Olds, Analyst der Gabriel Consulting Group sagt: “Facebook wird das Web nicht übernehmen, auch wenn sie es mit allen Mitteln versuchen.” Dem stimmt auch Rob Enderle, Analyst der Enderle Group zu: “Facebook will sich mit diesem Schritt am Markt eine Führungsposition verschaffen und nur versuchen das Netz sozialer zu machen. Am Ende steht für das Unternehmen der eigene Profit im Vordergrund.”

Zuckerberg hatte bereits Ende 2008 mit ‘Facebook Connect’ das Social-Graph-Rennen eröffnet. Der erste Versuch von Facebook das komplette Web zu einem sozialen Netzwerk zu machen – das Unternehmen sollte dabei die zentrale Rolle einnehmen und als Schaltzentrale fungieren. Wie sich bis heute gezeigt hat, konnte sich auch diese Schnittstelle nicht flächendeckend durchsetzen. Fest steht, dass Facebook zwar das Web verändern wird, aber auch andere Internetgrößen werden ihre Füße nicht still halten.

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