Der Unterschied zwischen guten und sehr guten Künstlern

EnterpriseÖffentlicher SektorOpen SourceProjekteSoftwareSoftware-Hersteller

Es gibt nicht nur Tage, an denen man besser gleich im Bett bleiben sollte, weil sie nichts Gutes bringen: Zoff, Rechnungen, Stress im Job, schlechte Nachrichten, die Texte gehen auch nicht so von der Hand… Es gibt noch massivere Gründe. So einen bot der letzte Montag, es war der 26. April: Es war – ja, so etwas gibt es – der “Tag des geistigen Eigentums”.

Naja, Microsoft hat seinen geschäftlichen Erfolg der Strategie zu verdanken, jahrelang nichts gegen Kopien von DOS, Windows und Office getan zu haben. Auf jedem 2- oder 386er lief das Zeug damals, und so gut wie niemand hatte eine Lizenz. Aber prompt wollte jeder dasselbe Zeug auf seinem Firmen-PC haben. Das haben die Firmen mitgemacht, auch weil es Schulungskosten sparte. Über deren Lizenzen ist Microsoft reich geworden. Nicht durch Maßnahmen, das eigene Urheberrecht zu schützen. Krokodilstränen vergießt Microsoft heute.

Diese schräge Lobby, die sich da bei der Justizministerin einfand, wollte nur das machen, was Lobby eben macht: Stimmung. Ihr Anliegen sind nicht die “Raubkopien”. Raub ist eine Straftat, bei der Gewalt angewendet wird. Allenfalls kann von illegalem Kopieren die Rede sein. Hier wird genauso vernebelt wie bei den Forderungen der Lobbyisten, das europäische Patentsystem zu optimieren und internationale Standards für Innovationen zu schaffen.

Die Lobbyarbeit daran läuft längst, und zwar unter dem Titel ACTA, “Anti- Counterfeiting Trade Agreement”. Der erste Entwurf kam passenderweise kurz vor dem “Tag des geistigen Eigentums” heraus. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ich habe diese Vorlage hier schon in Kürze analysiert. Es ist ein elementaren demokratischen Prinzipien widersprechendes Dokument. ACTA schmeißt alles in einen Topf: Urheberrecht, Patente, Markenrechte und was es sonst noch gibt. Wer was auch immer verletzt oder Verletzungen verbreitet (Internet-Provider) erhält drakonische Strafen, wobei im Verfahren einige rechtstaatliche Prinzipien abgeschafft oder auf den Kopf gestellt werden. Eine durch niemanden kontrollierbare ACTA-Monsterbehörde diktiert den Regierungen, was Rechtsverletzungen sind.

ACTA wird nur einem zweifelhaften Business helfen, den Patent-Trollen, die möglichst vage formulierte Patente kaufen, um andere Unternehmen zu erpressen. Untereinander sind die großen Konzerne in einer Art Waffenstillstand. Wie der funktioniert, hat der ehemalige Sun-Chef Jonathan Schwartz in seinem Blog lustig beschrieben. Er bekam von Steve Jobs, Bill Gates und Steve Ballmer heftige Vorwürfe, seine Firma würde Patente verletzen. Schwartz verwies gelassen auf Suns Patentportfolio, und augenblicklich waren die Herren ruhig. Der Titel des Blog-Eintrags: “Good Artists Copy, Great Artists Steal”.

silicons sillycom” besteht aus den bekannten IT-Journalisten Kriemhilde Klippstätter, Hermann Gfaller, Ludger Schmitz und Bernd Seidel. Jeweils freitags lassen sie die vergangene Woche Revue passieren oder kümmern sich um die ganz grundlegenden Dinge der IT.

Lesen Sie auch :