Harry Treter und der Halbblutprinz

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Es ist Zeit, Abschied zu nehmen. sillycom vorbei, WM-Träume angebrutzelt, dreistufige Client-Server-Technik überkommen. Wenn morgen auch noch das mit dem Triple von Bayern nix wird, garantier ich für nix mehr!

Aktuell gehen uns in der IT aber etwas die Archetypen aus. Der ewige Rebell Scott McNealy ist weg vom Fenster, eigentlich ist er damals, nach der Verbrüderung mit Ballmer, eher dadurch hinausgefallen. Jonathan Schwarz konnte trotz Pferdeschwanz nie wirklich seinen Platz einnehmen. Dafür war er zu weich, sein wir ehrlich. Zuuu Skywalker-mäßig. Der andere Rebell Larry Ellison oszilliert immer zwischen dunklem Prinz, Han Solo und Kaiser Barbarossa. Wenn’s blöd läuft, haben wir den noch so lange schlafend unterm Kyffhäuser am Hals, bis “das Reich ihn wieder braucht”. Brrr. Besser ma’ nich. In der Zwischenzeit sollten sich jedenfalls Google und Marc Zuckerberg überlegen, ob sie nun der dunklen oder hellen Seite der Macht angehören wollen. Von Steve Jobs ganz zu schweigen.

Besonders betrauern müssen wir den Tod der Archetypen aber in Deutschland, wo Siegfried Klinsmann durch seinen Stift, ein schwäbelnder Yoda, ersetzt wurde. Auch in der IT steht es in dieser Beziehung nicht zum Besten: Mit Kagermann ist der “mad scientist” bzw. Druide am Amboss unserer größten Softwareschmiede ausgeschieden. Fährt jetzt elektrisch. Die neue Doppelspitze, eingangs des Artikels bereits verhöhnt, entstammt bestenfalls der Hilfiger-Werbung, aber nicht der Mythologie, gleich welchen Ursprungs. Dabei hatten sie schon den Apotheker wegen Mythenuntaugleichkeit rausgehauen. Außerdem hatte er was von Jabba der Hutte. Da war Shai Agassi ein anderer Kaliber, das hätte was werden können, aber nachdem sich Gottvater Hasso seine schützende Hand verstaucht hatte, hat der kleine Rebell sich einen Better Place gesucht. Kann aber noch werden…

So, gut is. Jetzt setzen wir uns alle vor den Fernseher und warten auf das Finale der Champions League morgen Abend. Denn hier sehen wir die echten Archetypen in Vollendung – Kampf der Titanen: Lehrmeister van Gaal gegen seinen Schüler Mourinho. Da schau her, Microsoft! So kommt man wieder ins Gerede! Das ist ganz großes Kino.

Wenn das übrigens mit dem Triple von Bayern nix wird (und damit mit der Heraufstufung Deutschlands in der Fünf-Jahres-Wertung, aber wem sage ich das), widme ich den nächsten Wochenrückblick ausschließlich der italienischen IT. Um mit Prinz Boateng zu sprechen: Isch schwörr! Wird aber ein sehr kurzer Artikel. Scusi, nix könne mache.

Und wenn wir schon beim Sorry-Sagen sind: Ich entschuldige mich hiermit bei allen PR-Verantwortlichen, denen ich gerade oder diese Woche auf den Schlips getreten bin, namentlich bei Ulrike, Aimie, Martin und dem Herrn Moosmann. Sorry Leute, ihr seid klasse – ich mach meinerseits nur meinen Job. Beim nächsten Mal bekommt die Konkurrenz auf die Socken. Nennt mich Prinz Kevin! Für den gibt es übrigens kein Pardon.

Dietmar Müller

Der Autor ist seit 2007 Chefredakteur von silicon.de. Zuvor war er viele Jahre u.a. bei ZDNet.de, der Computerwoche sowie für die Springer-Presse tätig. Beschimpfungen bitte an dietmar.mueller@cbs.com oder unten in die Kommentar-Funktion.

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