Software AG: Warnung vor dem Shai-Agassi-Syndrom

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Der Aufsichtsrat der Software AG hat die Einrichtung eines neuen Leitungsgremiums beschlossen, des ‘Group Executive Board’. Der bisherige Produktvorstand Dr. Peter Kürpick wird von Dr. Wolfram Jost beerbt. Forrester-Analyst Stefan Ried sieht in dem Wandel eine Chance und warnt zugleich vor dem Shai-Agassi-Syndrom.

Im Group Executive Board übernehme nun Jost die Produktverantwortung von Kürpick – und damit die Verantwortung für einen Quartalsumsatz von weit über 100 Millionen Euro. Das sei eine große Herausforderung für Jost, habe dieser im ersten Quartal 2009 doch lediglich für 17 Millionen Euro ARIS-Umsätze verantwortlich gezeichnet.

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Die neue Leitungsstruktur sei eine wichtige Änderung der Unternehmensstrategie und mit Risiken verbunden, so Ried. Die Software AG setze damit auf ein Wachstum, das mit Kontinuität ausbalanciert sei. Jost agiere im neuen Vorstand mit Streibich, Zinnhardt und Broadbent – das mache es zu seiner Aufgabe, WebMethods, ARIS und das Mainframe-Geschäft im Sinne einer konsistenten Produktstrategie zu positionieren.

Laut Ried verfolgt die Software AG mit Übernahmen das Ziel, integrierte Technologien anzubieten. Dieses Ziel unterscheide sich davon, nur das Produkt-Portfolio auszuweiten. Kürpick und sein Team hätten in Sachen Produktintegration einen guten Job gemacht. Damit hätten sie Messlatte für andere Anbieter höher gelegt, darunter Progress Software. Große Kunden und System-Integratoren würden die ARIS-Integration in den kommenden Monaten in dieser Hinsicht aufmerksam verfolgen.

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Mit den Mainframe-Produkten mache die Software AG 45 Prozent des Produktumsatzes, während der Umsatz mit den WebMethods- und ARIS-Produkten schneller wachse, als der Umsatz mit den Mainframe-Produkten. Forrester glaube, dass ein aufgemöbeltes Mainframe-Geschäft der Software AG das größte Potenzial für ein organisches Wachstum biete. Auch hier seien die Erwartungen der Kunden und der Analysten an Jost hoch.

Wenn Jost scheitere, brauche die Software AG schnell eine neue starke Person mit Produktideen, sagt Ried. “Wir alle haben gesehen, wie SAP in den vergangenen Jahren gekämpft hat, nachdem Shai Agassi den Vorstand verlassen hatte. Das Unternehmen brauchte Jahre, um eine stabile Management-Konstellation herzustellen und Vertrauen im Markt zurückzugewinnen.”

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