Das belege eine aktuelle Studie der GfK im Auftrag des Hightech-Verbands und des Informationskreises Aufnahmemedien (IM). Mit den geforderten Abgaben soll das legale Kopieren von Musik, Videos und anderen urheberrechtlich geschützten Dateien vergütet werden. Den Herstellern zufolge werden aber nicht einmal drei Prozent der externen Festplatten für vergütungsrelevante Privatkopien genutzt. “Für diese durchschnittlich drei Prozent des Speicherplatzes externer Festplatten sollen nun sieben beziehungsweise neun Euro Abgaben pro Stück erhoben werden”, kritisiert Kempf.

Laut GfK-Studie besitzt nahezu jeder dritte Deutsche (32 Prozent) mindestens eine externe Festplatte. Die durchschnittliche Speicherkapazität beträgt 607 GByte. 55 Prozent davon sind ungenutzter freier Speicherplatz. Durchschnittlich ein Viertel (24 Prozent) der Kapazität wird durch Sicherungskopien belegt. Acht Prozent werden für berufliche Zwecke genutzt, rund sieben Prozent entfallen auf selbst oder von Freunden erstellte Dateien wie Fotos, Heimvideos oder Briefe, für die auch keine Abgaben erhoben werden dürfen.

Damit bleiben nur etwa sechs Prozent Speicherplatz für Privat-Dateien wie Musikalben oder Videofilme. Etwas mehr als die Hälfte davon hält die Industrie für nicht vergütungspflichtig, da es sich beispielsweise um bereits lizenzierte Kopien von Musik-Downloads handelt. Die andere Hälfte, also weniger als drei Prozent einer durchschnittlichen Festplatte, werden nach Auffassung des Branchenverbands für vergütungsrelevante Privatkopien genutzt.

Die Unverhältnismäßigkeit zwischen den Forderungen der Verwertungsgesellschaften und der tatsächlichen Nutzung zeigt sich laut Bitkom auch in anderen Bereichen. So verlange die Zentralstelle für private Überspielungsrechte (ZPÜ) seit kurzem bis zu 36 Euro pro verkauftem Mobiltelefon und seit 1. Juli um bis zu 1550 Prozent beziehungsweise 1850 Prozent angehobene Tarife für USB-Sticks und Speicherkarten. Das könne zahlreiche Produkte um bis zu zwei Euro verteuern.

In Bezug auf die Abgaben für externe Festplatten sagte Rainald Ludewig, Vorsitzender des IM: “Die ZPÜ setzt ihre Praxis überhöhter Forderungen fort. Daher gehört, wie in anderen europäischen Ländern, das System der Pauschalabgaben insgesamt auf den Prüfstand.”

Im November 2011 hatte die ZPÜ, die deutsche Verwertungsgesellschaften wie GEMA, VG WORT oder VG Bild-Kunst vertritt, rückwirkend zum 1. Januar 2008 neue Tarife für externe Festplatten veröffentlicht. Für Datenträger mit einer Speicherkapazität von unter einem Terabyte fordern sie sieben Euro an urheberrechtlichen Abgaben, für größere Modelle neun Euro.

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Sibylle Gaßner

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  • Ich respektiere voll Kopierschutz und die Anrechte von Künstlern und Artisten. Aber ich habe das Gefühl, hier wird mehr und mehr jeder Winkel auf unserer Erde abgesucht, damit man den Verwaltungsapparat und die Kontrolletti der GEMA & Co. vergrössern kann.
    Beispielsweise wenn ein Weltladen in einer kleinen Stadt in meiner Region Musik im Hintergrund laufen lässt, dann sind Kontrollettis innerhalb von weniger als 1/2 Stunde da. Wieviele Kontrollettis gibt es denn in Deutschland für diesen Zweck? Und wieviel der GEMA-Einnahmen in % macht das aus?
    Es fehlt nur noch, dass man für jedes geborene Kind eine Gebühr von 20000€ an die GEMA abführen muss, für alle im Leben des Kindes auswengig wiedergegebenen Lieder, Gedichte und Texte. Wer erhält dann die Lizenzen für das Aufsagen von beispielsweise Schillers Glocke?

    • Ich persönlich empfinde die Gema seit Jahren als widerwärtige Krake und Krebsgeschwür, das sich mit Hilfe der Politik und der Gerichte immer mehr in alle Aspekte unseres Lebens hinein ausbreitet. Als ich vor Jahren auf einer Messe einen selbstgedrehten Film ohne Musik und nur mit Hintergrundgeschepper von leeren Konservengläsern auf einer Maschinen-Messe aufführte, folgte umgehend eine Rechnung wegen unangemeldeter Aufführung von urhebergeschützten Werken.
      Erst mein äußerst beleidigendes Schreiben mit Aufforderung zum Nachweis, wer die Urheberrechte auf Glasgeschepper hält, und man mich doch verklagen sollte, setzte diesem widerlichen Spuk ein Ende.
      Die Zeit, die diese Leute mit solcher Art Belästigungen einen kosten, die bezahlt einem keiner!

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