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Alles aus der Cloud – auch das Netzwerk

In der Zeit zwischen Jahreswechsel und den ersten Messen wird traditionell tief in die Kristallkugel geblickt und prognostiziert, was das Zeug hält. Interessant wäre zu wissen, ob die Mehrheit der “Wahrsager” dafür noch ihre hauseigene Kristallkugel einsetzt oder ob diese inzwischen ganz im Trend der Zeit as-a-Service von Anfang Dezember bis Ende Januar gebucht wurde.

Unwahrscheinlich wäre es in der Tat nicht, denn die Cloud ist ohne Frage allgegenwärtig geworden. SaaS, PaaS und IaaS – also Software-, Platform- oder Infrastructe-as-a-Service – nennen sich die am meisten verbreitetsten Cloud-Services, die es Unternehmen und Privatnutzern erlauben, Anwendungen und Inhalte zu virtualisieren und aus den Rechenzentren der Cloud-Anbieter zu beziehen. Getragen vom Mobilitätstrend wird es auch 2014 so weitergehen und wir werden die Ausbreitung des Buzzwords XaaS, kurz für Anything-as-a-Service, beobachten können.

Die Telco-Cloud kommt

Damit ist auch der Pfad für Dienstleistungen in der Telekommunikation klar vorgegeben: Sie werden virtualisiert und als Service aus der Cloud kommen. Doch wie geht das vonstatten? Die Service-Provider setzen eine Vielzahl von Anwendungen wie beispielsweise Load Balancer, Deep Packet Inspection oder Broadband Access Gateways in ihren Netzwerken ein. Jede ist verantwortlich für eine bestimmte Netzwerkfunktion wie etwa WLAN, Breitbandinternet oder VPN-Services. Einige davon sind auf Geschäftskunden, andere auf Privatkunden ausgerichtet. Als Folge dessen ergeben sich sehr unterschiedliche Nutzungszeiträume im Verlauf eines Tages: manche Services werden sehr stark tagsüber genutzt, dafür nachts überhaupt nicht und andersherum. Momentan müssen die Netzwerkbetreiber ausreichend Kapazität für jeden Anwendungstyp, jeden Silo-Service und in jeder Metro Area bereitstellen und zwar orientiert an lokalen Spitzennachfragen. Das verursacht hohe Betriebskosten und ist wirtschaftlich reichlich ineffizient.

Als Antwort darauf gilt das sogenannte Network Functions Virtualisation (NFV). NFV ermöglicht die Virtualisierung von Kontrolle und Ausführung dieser Netzwerkanwendungen und eine entsprechende Skalierung entlang des Bedarfs. So erlangen die Netzbetreiber die gleiche Agilität, Effizienz und operativen Vorteile, die eine Unternehmens-IT schon heute durch Cloud-Computing erhalten hat.

SDN wird Erfolgsfaktor

War Software Defined Networking (SDN) im letzten Jahr noch ein Trendthema, dass viel diskutiert aber in der Praxis primär in Forschungslaboren und Feldversuchen stattgefunden hat, werden in diesem Jahr die Schritte folgen, die notwendig sind, damit in den nächsten zwei bis drei Jahren die Marktreife erzielt wird. Denn erst mit einer erfolgreich eingesetzten SDN können die Service-Versprechen, die mit NFV einhergehen, auch in die Tat umgesetzt werden. Die Open Network Foundation (ONF) wird einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, indem sie die Entwicklung des OpenFlow-Standards vorantreiben wird – beispielsweise mit der Unterstützung von optischem Transport.

Getrieben durch steigenden finanziellen Druck und dem Verlangen nach höheren Renditen, werden SDN und NFV auch Eingang in geschäftliche Anfragen wie RFIs und RFPs halten. Die entstehenden SDN-Umgebungen werden es Unternehmen ermöglichen, ihre Netzwerkstrukturen zu vereinfachen und so die Effizienz des eingesetzten Kapitals zu verbessern und somit auf lange Sicht die Betriebskosten zu senken. Die Unterstützung von offenen SDN-Strukturen sowie die Planung eines effektiven Einsatzes dieser Strukturen wird ein substantieller Bestandteil für den Unternehmenserfolg sein.

Martin Schindler

Martin Schindler schreibt nicht nur über die SAPs und IBMs dieser Welt, sondern hat auch eine Schwäche für ungewöhnliche und unterhaltsame Themen aus der Welt der IT.

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