SAP verpflichtet sich öffentlich, sämtliche Cloud-Rechenzentren des Unternehmens künftig mit grünem Strom zu betreiben. Noch in diesem Jahr soll die Umstellung vollzogen werden. Für viele Unternehmen wird die Reduzierung von CO2-Ausstoß zu einem wichtigen Thema. SAP, das mit Carbon Impact onDemand seit einigen Jahren auch ein entsprechendes Monitoring-Angebot im Portfolio hat, versucht auch in diesem Bereich als Unternehmen Akzente zu setzen.

In den Jahren seit 2010 ist der Ausstoß von Treibhausgasen bei der SAP angestiegen. Grund dafür ist die Bereitstellung von Software über die Cloud, heißt es von SAP. Jetzt soll der Cloud-Betrieb bis Jahresende zu 100 Prozent auf Öko-Strom umgestellt werden. Quelle: SAP


Im integrierten Bericht für das Geschäftsjahr 2013 heißt es von SAP, dass der Treihausgas-Ausstoß von 30,0 g pro Euro Gesamtumsatz im Jahr 2012 auf 32,4 Gramm im Jahr 2013 gestiegen ist. Um satte 12 Prozent hat sich demnach der CO2-Ausstoß im Jahr 2013 erhöht (von 485 tk 2012 auf 545 kt 2013). SAP erklärt diesen Anstieg in einer Mitteilung damit, dass Kunden vermehrt Cloud-Dienste von SAP beziehen. Dadurch muss SAP mehr Ressourcen vorhalten, was sich in erhöhten Stromverbrauch niederschlägt. So steigt der Stromverbrauch in SAP-Rechenzentren von 160 GWh in 2012 auf 173 GWh im Jahr 2014. Im gleichen Zeitraum fällt der Anteil von erneuerbaren Energien um 16 Prozent von 51 Prozent auf 43 Prozent im Jahr 2013.

Nun soll die Umstellung auf 100 Prozent grünen Strom für SAP die Öko-Bilanz wieder verbessern. Strategisches Ziel dieser Umstellung ist, bis zum Jahr 2020 den Ausstoß an umweltschädlichen Gasen wieder auf das Niveau des Jahres 2000 zu bringen. Das sind, gemessen an SAPs Wachstum der vergangenen Jahre, ehrgeizige Ziele.

Doch SAP will hier offenbar weit mehr als sich nur ein grünes Image zu verpassen. Denn so kann SAP ein weiteres Verkaufsargument für Cloud-Lösungen schaffen. Anwender, die bislang durch den Betrieb von SAP innerhalb der eigenen Infrastruktur, ihre Klima-Bilanz belasteten, können somit diesen Posten neutralisieren. Auch sollen dadurch die Auswirkungen des Cloud-Computing auf die Umwelt minimiert werden.

“Die Selbstverpflichtung der SAP, ihre Rechenzentren und Gebäude mit Strom zu betreiben, der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen stammt, ergibt sich als logische Konsequenz aus der Verlagerung unseres Geschäftsmodells in die Cloud”, kommentiert Peter Graf, Chief Sustainability Officer der SAP. “Indem wir unsere Cloud-Lösungen auf umweltfreundliche Art und Weise bereitstellen, stärken wir unsere Wettbewerbsfähigkeit im Markt für Cloud Software und bauen unsere Vorreiterrolle im Bereich Nachhaltigkeit weiter aus.” Für Graf illustriere das, dass SAP das Thema Nachhaltigkeit fest in die Wertschöpfung integriert habe. Wie SAP dieses Ziel im Detail erreichen will, lässt das Unternehmen offen.

Neben der Optimierung von Gebäuden und in verschiedenen weltweiten Niederlassungen hat SAP zur Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen auch Anfang 2014 eine Initiative mit 60 Elektrofahrzeugen angestoßen. Über die SAP App TwoGo will die SAP im eigenen Haus aber auch bei anderen Unternehmen die Bildung von Fahrgemeinschaften fördern. Zudem investiert SAP Drei Millionen Euro in den Livelihoods Fund, eine Klimaschutz-Organisation, die bereits mehr als 100 Millionen Bäume in Lateinamerika, Asien und Afrika gepflanzt hat.

Am Freitag den 11. April 2014 um 16.00 lädt SAP zudem unter #SustyBiz zur Twitter-Diskussion “Herausforderungen nachhaltigen Unternehmenswachstums”. An dieser Diskussion wird auch Peter Graf beteiligt sein.

Martin Schindler

Martin Schindler schreibt nicht nur über die SAPs und IBMs dieser Welt, sondern hat auch eine Schwäche für ungewöhnliche und unterhaltsame Themen aus der Welt der IT.

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  • Klingt ja vielversprechend. Allerdings wäre es, wenn es dann mit der Umstellung soweit ist, natürlich interessant zu erfahren, von wem tatsächlich der Strom bezogen wird. Von echten Ökostromanbietern wie EWS? Oder doch lieber schön billig aus irgendwelchen RECS-Strom und Greenwashing-Angeboten? Nur wenn der Strom aus neu erschlossenen regenerativen Quellen bezogen wird, trägt das zur Energiewende bei. Sich den Anteil alter Wasserkraftanlagen aus dem Portfolio von Kernkraft- und Braunkohle-Konzernen heraus rechnen zu lassen und als Ökostrom zu akzeptieren, ist bestenfalls ein Marketing-Gag und bringt uns keinen Schritt voran.
    Hoffen wir, dass das mehr wird als eine Image-Kampagne. Groß genug wäre SAP, um wirklich etwas zu bewirken.

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