Nokia-CEO: Netzneutralität ist langfristig schlecht für Verbraucher

Auf dem Mobile World Congress warnt Nokia-CEO Rajeev Suri, dass die Netzneutralität auf lange Sicht sich nachteilig für Verbraucher auswirken könnte. “Es gibt einige Dienste, die eine andere Anbindungsstufe erfordern.” Seiner Ansicht nach lassen sich manche Anwendungen nicht “in einem Netzwerk der bestmöglichen Bemühungen” realisieren. Als Beispiele führte er selbstlenkende Autos und medizinische Kommunikation in Krankenhäusern oder zwischen Patienten und Ärzten an.

Nach dem Verkauf des Smartphone-Geschäfts an Microsoft kümmert sich Suri um die Neupositionierung des eigenen Unternehmens. Dank der Kartendienstsparte Here befinde es sich im Bereich der Fahrzeugautomatisierung aber “in erster Reihe”. Zahlreiche Autohersteller setzen die Karten von Here bereits ein.

Selbstlenkende Autos benötigen Suri zufolge schnelle Kommunikation über Drahtlosnetze, um in Sekundenbruchteilen Entscheidungen treffen zu können. “Sie können keine Zusammenstöße verhindern, wenn die dafür benötigten Daten gerade noch das Netzwerk durchlaufen.” Aus diesem Grund trete Nokia auch für die Möglichkeit von fast augenblicklicher Kommunikation über Netzwerke ein.

Nokia-CEO Rajeev Suri. (Bild: Nokia)

Was ist Netzneutralität?

Im vergangenen Monat hatte die US-Regierung Netzneutralität zum Gesetz erhoben. In der EU läuft die Diskussion noch. Suri sagte dazu: “Wir sollten die langfristige Perspektive einnehmen.”

Die Netzneutralität umfasst das Prinzip der Gleichbehandlung aller Internet-Inhalte und -Sender. Eine Bevorzugung zahlender Anbieter stärke die bestehende Hierarchie, argumentieren ihre Befürworter. Auf diese Weise hätten kleine Unternehmen und Start-ups einen massiven Nachteil gegenüber großen Firmen. Sie wollen zudem verhindern, dass Zugangsanbieter über zusätzliche Gebühren Einfluss darauf nehmen können, welche Inhalte über ihre Netze verbreitet werden.

Netzneutralität auf Dauer schlecht

Netzneutralität erscheine nämlich “kurzfristig gut für die Verbraucher, aber nicht langfristig.” Wenn man wichtige Dienste etwa für selbstlenkende Autos nicht priorisiere, “erhält man nicht den Service, den man braucht, und das wird langfristig auch für Verbraucher nicht gut sein.”

Auch Tim Hoettges, Chef der Deutschen Telekom, fordert Spielraum für intelligente Autos oder Smart Meter. “Wir sind für die Netzneutralität, aber wir müssen die Möglichkeit haben, Qualitätsklassen einführen zu können, um neue Dienste für das Internet der Dinge zu ermöglichen”, sagte er auf dem MWC.

Er forderte zudem von der Politik, dass Internetkonzerne wie Facebook und Google, genauso reguliert werden, wie Telekommunikationsanbieter. Immerhin böten sie ebenfalls Kommunikationsdienste an.

[mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de]

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Lesen Sie auch : FCC kippt Netzneutralität
Andre Borbe

Andre ist Jahrgang 1983 und unterstützte von September 2013 bis September 2015 die Redaktion von silicon.de als Volontär. Erste Erfahrungen sammelte er als Werkstudent in den Redaktionen von GMX und web.de. Anschließend absolvierte er ein redaktionelles Praktikum bei Weka Media Publishing. Andre hat erfolgreich ein Studium in politischen Wissenschaften an der Hochschule für Politik in München abgeschlossen. Privat interessiert er sich für Sport, Filme und Computerspiele. Aber die größte Leidenschaft ist die Fotografie.

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  • Kann man Nokia überhaupt noch ernst nehmen? Das hört sich so richtig nach Lobbyismus an...

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