Viele ERP-Programme genügen GoBD nicht

Der bei der UNO registrierte Think Tank Diplomatic Cloucil sieht am Markt zahlreiche ERP-Lösungen, die nicht den GoBD-Anforderungen des Bundesfinanzministeriums entsprechen. Die neuen GoBD-Grundsätze sind schon auf das Veranlagungsjahr 2015 anzuwenden, so das IT Forum des Diplomatic Council (DC). So hätten Finanzbehörden bereits begonnen, Spezialisten einzusetzen, die bei Betriebsprüfungen die auch die eingesetzte Software gezielt auf Schwachstellen abklopfen sollten.

Werden diese Experten fündig, dann können Finanzämter die Bilanzen für das 2015 ablehnen. Schlimmstenfalls werde dann eine Steuerschätzung vorgenommen, so das IT Forum des DC weiter.

Brisant sei das Thema, weil das BMF im November vergangenen Jahres die “Grundsätze zur ordnungsgemäßen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff” (GoBD) festgelegt hatten. Daher würden die meisten ERP-Programme noch nicht den neuen Anforderungen entsprechen.

Neben ERP-Systemen aber, so die DC-Experten, seien auch Programme für das Rechnungswesen, sowie die vor- und nebengelagerten IT-Systeme wie beispielsweise PC-Kassen-, Warenwirtschafts-, Fakturierungs-, Messwaagen-, Kostenrechnungs-, Zeiterfassungs- und Dokumentationsmanagementsysteme.

Grundsätzlich stellt das BMF mit GoBD den elektronischen Beleg mit dem Papie

Auch der Aktenordner hat in Zeiten von GoBD noch nicht ausgedient. (Bild: Shutterstock)

rbeleg gleich. Doch ergeben sich daraus natürlich auch für die Unternehmen neue Vorgaben. So müssen jetzt Belege, etwa für die Reisekostenabrechnung bereits nach etwa 10 Tagen gebucht werden.

Auch bei Unternehmen in denen es keine durchgängige integrierte Lösung gibt, kann es hier zu Zeitverzögerungen kommen. Auch stellt die neue Verordnung besondere Anforderungen an die Archivierung von Belegen, seien Papier- oder elektornische Belege. Zudem muss das Finanzamt auf alle steuerrechtlich relevanten Belege stets Zugriff haben.

Die Rechtslage für die Unternehmen erläutert, Klaus-Michael Burger, Wirtschaftsprüfer und Bevollmächtigter des DC: “Die Anwender sind selbst verantwortlich für die Einhaltung der GoBD und damit für die Ordnungsmäßigkeit der zur Buchführung eingesetzten Softwareprodukte, nicht etwa die Hersteller.” Ob dann die Hersteller regresspflichtig werden, den Kunden eine nicht mehr gesetzeskonforme Software angeboten wird, werde von den Gerichten aber frühestens 2016 entschieden.

Das Diplomatic Council habe daher ein Prüfungs- und Testierungsverfahren für Software nach GoBD entwickelt. Die Zertifizierung erfolge durch einen Sachverständigen, der von einer deutschen Industrie- und Handelskammer (IHK) öffentlich bestellte und vereidigt wurde.

Weitere Informationen zum Thema GoBD lesen sie im silicon.de-Blog von Thomas Scholtis, CFO von Sage Deutschland.
Der Zertifizierungs­prozess umfasst die Bestandsaufnahme der Software und der Entwicklungs­umgebung, die Prüfung der Verarbeitungsfunktionen und Verarbeitungsregeln, der Software­sicherheit, der Dokumentation und der Funktionsfähigkeit sowie die Ergebnis­dokumentation mit Testat.

“Den Anwendern garantiert das unabhängige Testat für die Abschlussprüfung Sicherheit gemäß der vom Bundesfinanz­ministerium zwingend geforderten Erfüllung der neuen GoBD-Anforderungen. Zudem spart das Zertifikat Prüfungskosten, weil die Ergebnisse der Softwareprüfung als Teil der Risikobeurteilung des Abschlussprüfers gelten”, so Burger weiter.

Martin Schindler

Martin Schindler schreibt nicht nur über die SAPs und IBMs dieser Welt, sondern hat auch eine Schwäche für ungewöhnliche und unterhaltsame Themen aus der Welt der IT.

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  • Es mag stimmen, dass manche ERP-Anbieter es verpasst haben, ihre Lösungen auf die Anforderungen von GoBD auszurichten. Wenn dem so ist, dann bedeutet es das Gegenteil von Kundenservice – schließlich haftet der steuerpflichtige Kunde und übernimmt am Ende die Verantwortung.

    Ich möchte mich aber gegen die Verallgemeinerung wehren: Es gibt durchaus ERP-Anbieter, die sehr schnell auf Änderungen in den Vorgaben reagieren bzw. deren Produkte durchaus regel-konform sind. Wir bei proALPHA bieten unseren Kunden mit einem Geschäftsprozess-Designer ein ideales Werkzeug zur Verfahrensdokumentation. Zudem ermöglichen wir mit einem integrierten revisionssicheren DMS sämtliche vom Gesetzgeber geforderten digitalen Zugriffsmöglichkeiten sowie die Möglichkeit, sämtliche Änderungen von Stamm- und Bewegungsdaten festzuhalten.

    Darüber hinaus haben wir einen Leitfaden zur Thematik der Verfahrensdokumentation erstellt. In einem Whitepaper erklären wir die Hintergründe von GoBD. Grundsätzlich ist es unser wichtigstes Ziel, immer besten Service zu leisten: Wir stellen nicht nur die notwendigen Produkte zur Verfügung, sondern bieten unseren Kunden auch Informationen zu den aktuellen Anforderungen des Gesetzgebers an und geben ihnen Tipps zum Umgang mit rechtlichen Vorgaben.

    proALPHA nimmt die Herausforderungen des Gesetzgebers an und stellt sich der Verantwortung. Selbstverständlich erfüllt unser ERP-System die rechtlichen Vorgaben der deutschen Finanzverwaltung! Das Finanzwesen von proALPHA wurde durch Audicon in diesem Jahr erfolgreich GoBD zertifiziert. Damit sind wir, aber vor allem auch unsere Kunden auf der sicheren Seite.

    Wilhelm Baumeister, Produktmanager Rechnungswesen beim ERP-Hersteller proALPHA Business Solutions GmbH

    Zum Whitepaper: http://www.proalpha.de/de/aktuelles/fachinformationen/fachinformationen-detailansicht/news/proalpha-informiert-verfahrensdokumentation-nach-den-gobd.html

    Zur Zertifizierung: http://www.proalpha.de/de/aktuelles/pressemitteilungen/single-news/news/zertifizierte-gobd-compliance.html

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