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Ein Prozent aller Berliner arbeitet bei Start-ups

Berlin ist nicht nur Deutschlands Hauptstadt, sondern wird auch gerne als “Start-up-Hauptstadt” apostrophiert. Der Studie “Booming Berlin” vom Institut für Strategieentwicklung (IFSE) zufolge waren 2015 exakt 620 als Start-ups definierte Firmen in der Hauptstadt aktiv. 2012 waren es noch 270 Firmen. Als Start-up im Sinne der Untersuchung gelten Unternehmen, deren Gründung weniger als fünf Jahre zurückliegt, die ein skalierbares Geschäftsmodell haben und die ohne Internet nicht bestehen könnten.

Das sind auf den ersten Blick durchaus beeindruckende Zahlen. Sie verdienen aber einen zweiten Blick. In derartigen Firmen waren 2015 insgesamt 13.200 Personen beschäftigt, im Durchschnitt also 21,9 Menschen. Der Wert entspricht in etwa dem vom Bundesverband Deutsche Startups e.V. für 2014 im Rahmen des “Deutschen Startup Monitor” ermittelten. Demnach beschäftigte ein deutsches Start-up damals im Durchschnitt 17 Mitarbeiter. In Hamburg und Berlin waren es 24 beziehungsweise 23, in der Rhein-Ruhr-Region und München durchschnittlich nur 11 Mitarbeiter.

Seit 2012 hat sich der IFSE-Studie “Booming Berlin” zufolge die Gesamtzahl der Angestellten in Start-ups in Berlin von damals 6700 auf jetzt 13.200 fast verdoppelt. Damit trägt der Bereich zwar deutlich zur Schaffung neuer Arbeitsplätze bei, ist allerdings immer noch eine zwar feien, aber kleine Nische. Der offiziellen Beschäftigtenstatistik für Berlin zufolge gab es am Stichtag am 30.6.2015 in Berlin 1.311.079 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Demnach war im vergangenen Jahr jeder Hundertste Beschäftigte in Berlin in einem Start-up angestellt.

Dem Deutschen Startup Monitor zufolge ist die durchschnittliche Anzahl an Beschäftigten in Start-ups in Hamburg und Berlin am höchsten (Grafik: DSM).

Ein Teil der in Berlin neu hinzugekommene Start-ups mag auch durch Umzüge bedingt sein. Einer Erhebung des Bitkom aus dem vergangenen Jahr zufolge sind Berlin, Hamburg und München als Standorte bei Gründern besonders beliebt. Allerdings werden Start-ups häufig auch aus persönlichen Gründen anderswo gegründet. “Wenn das Start-up wächst und beginnt sich erfolgreich am Markt zu etablieren, spielen Kriterien wie Zugang zu Investoren, qualifiziertem Personal, Kunden und Absatzmärkten eine größere Rolle – da hilft dann häufig nur ein Umzug”, erklärte Bitkom-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp in einer Pressemitteilung zur Vorstellung der Umfragergebnisse.

Das Portal Gehalt.de hat kürzlich die durchschnittlichen Gehälter von Start-up-Mitarbeitern in elf Berufsgruppen untersucht (Grafik: Gehalt.de).

Der Erhebung zufolge ist in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg die Bereitschaft zu einem Standortwechsel am größten. 36 Prozent respektive 35 Prozent der dort angesiedelten Gründungen denken über einen Umzug nach. In den drei Start-up-Großstädten ist der Umzugswunsch hingegen deutlich geringer. In München denken 16 Prozent der Start-ups über eine Verlagerung des Geschäfts in eine andere Stadt nach, in Berlin sind es 15 Prozent und in Hamburg lediglich 8 Prozent.

“Während Start-ups innerhalb von Deutschland häufig an einen Umzug in einer der großen Städte Berlin, München und Hamburg denken, steht bei den Start-ups in diesen Städten eher eine Verlagerung ins Ausland zur Debatte”, so Bitkom-Funktionär Veltkamp.

Einer kürzlich vorgelegten Vergütungsanalyse des Hamburger Vergleichsportals Gehalt.de auf Basis von 599 Vergütungsdaten aus Start-ups mit bis zu 20 Mitarbeitern geht zudem hervor, dass in der Münchner Gründerszene Fachkräfte im Schnitt 28 Prozent mehr verdienen als in Berlin. Beispielsweise kann ein Grafiker in einem Münchner Start-up mit einem Jahresgehalt rund 36.700 Euro und damit knapp 10.000 Euro mehr als ein Kollege in der Hauptstadt rechnen. Die Gehaltsdifferenz zwischen einem Mitarbeiter im Business Developer in Berlin (39.661 Euro) und München (52.112 Euro) beträgt sogar rund 12.000 Euro.

Allerdings weicht die Differenz nicht vom sonst üblichen Gehaltsgefälle zwischen den beiden Städten ab. Dem Marktforschungsunternehmens GfK zufolge konnten Beschäftigte 2014 in München im Schnitt fast 10.000 Euro mehr verdienen als in Berlin. Das durchschnittliche Einkommen eines Hauptstadtbewohners lag den GfK-Analysten damals bei 19.423 Euro, Münchner erhielten im Durchschnitt 28.920 Euro.

Der höhere Lohn relativiert sich, wenn man die Lebenshaltungskosten berücksichtigt allerdings wieder. So lag der Verbraucherpreisindex in München in den vergangenen Jahren rund 27 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, in Berlin lediglich zwischen 2,5 und 3 Prozent darüber. Unterm Strich muss man also den Betrag, den man in Start-ups in München mehr verdient, wieder für Wohnung, Essen und andere Lebenshaltungskosten ausgeben.

Redaktion

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