Bester Ort der Welt mit Hilfe künstlicher Intelligenz ermittelt

Laut einer Studie der Unternehmensberatung Mercer ist Zürich die Stadt mit der weltweit höchsten Lebensqualität. Dazu wurden 215 Städte untersucht. Es gibt Untersuchungen zur teuersten, lebenswertesten, oder kreativsten Stadt oder zur besten europäischen Stadt für Start-ups und digitales Leben. Andere Berater mit anderen Maßstäben sehen in Deutschland Wolfsburg, Ingolstadt und Würzburg an der Spitze – wenn es um Immobilenanlagen geht. Doch all diesen Untersuchungen und Listen haftet der Verdacht an, sie seien mit einem gewissen Interesse im Hinterkopf erstellt worden – und sei es nur das, dort seine Immobilie teurer zu verkaufen.

Dem Analytics-Spezialisten SAS kann zumindest das nicht vorgeworfen werden. Das von ihm initiierte Projekt Paradiese Found sollte einfach aufzeigen, was moderne, von künstlicher Intelligenz unterstützet Analytics-Lösungen und der Zugriff auf eine Vielzahl von Datenquellen heute zu leisten im Stande sind: “Machine Learning und Analytics statt starrer Kriterien und Statistik” war das Motto bei seiner Suche nach “dem besten Ort der Welt”.

Das Ergebnis basiert auf der Auswertung von 5 Millionen Datenpunkten aus über 1100 Datenquellen zu 150.000 Orten. Ausgewertete wurden strukturierte und unstrukturierte Daten, eingebunden wurden Open-Source-Quellen und Open-Data-Quellen wie die oben angeführten Städte-Studien, Social Media Services wie TripAdvisor und Twitter sowie Daten von Organisationen wie der Weltbank, der UNESCO und der EU bereitgestellt sowie aus Geo-Datenservices wie Google Places und OpenStreetMap. Mittels Machine-Learning-Algorithmen – vorrangig nicht überwachten Lernverfahren – wurden daraus schließlich acht Variablen-Cluster ermittelte: Bildung und Karriere, Familie, Kultur, Natur, Sicherheit und Infrastruktur, Lebenshaltungskosten, Restaurants und Shopping sowie Gesundheit.

West Perth in Australien ist der Auswertung zahlloser Datenquellen durch künstliche Intelligenz zufolge der “beste Ort der Welt”. (Bild: SAS)

Der Auswertung – zweifelsohne der bislang umfangreichsten in dem Bereich – zufolge ist West Perth in Australien der beste Ort der Welt. Besonders gut schnitt die Stadt bei “Restaurants und Shopping”, “Kultur” sowie “Sicherheit und Infrastruktur” ab. Weitere, durch die Analyse ermittelte positive Attribute sind der kostenlose öffentliche Nahverkehr und die Grünfläche pro Einwohner. In Perth steht statistisch gesehen jedem Bewohner die Fläche von fünf Tennisplätzen zur Verfügung. Und wirtschaftlich läuft´s auch: In der Stadt leben die meisten Self-Made-Millionäre pro Einwohner.

Im anerkannten Ranking der lebenswertesten Städte der Welt durch die Unternehemnsberatung Mercer rangiert Perth auf Rang 22. (Grafik: Mercer)

“Paradise Found ist nicht irgendein weiteres Ranking, sondern ein rein analytisches. Wir machen damit greifbar, wie Machine Learning heute bei Entscheidungen helfen kann“, erklärt Andreas Becks, Manager Business Analytics bei SAS. „Herkömmliche Methoden definieren einen Kriterienkatalog, anhand dessen die Daten für diesen definierten Zweck erhoben und statistisch ausgewertet werden. Für Paradise Found haben wir dagegen alle verfügbaren Daten verarbeitet – und Machine-Learning-Algorithmen entscheiden lassen, welche Kriterien wirklich wichtig sind. So kann kein Blickwinkel übersehen werden, weil niemand danach gesucht hat. Hier sprechen die Daten und nicht eine Modellannahme.”

Becks weiß aber auch: “Den besten Ort der Welt zu kennen, ist vielleicht nur ein Nice to Have – entscheidend wird diese analytische Herangehensweise jedoch in der Wirtschaft, wo sich ganz neue Geschäftsmöglichkeiten und -modelle auftun.”

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Peter Marwan

Peter Marwan ist Chefredakteur von silicon.de und immer auf der Suche nach Möglichkeiten, wie Firmen den rasanten Fortschritt in der IT-Branche in der Praxis nutzen können. Dabei geht es nicht nur darum, Vorhandenes zu optimieren, sondern vor allem auch um Ansätze und Strategien, mit denen sich neue, durch die IT unterstützte Geschäftsmodellle entwickeln lassen.

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