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Mainframe-Experten-Lücke: Wettlauf mit dem Ruhestand

Der Bedarf nach Mainframe-Spezialisten aufgrund von Systemablösungen sinktnur langsam. Die Anzahl der verfügbaren Experten nimmt dagegen weit schneller ab. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einige Experten gehen in den Vorruhestand und stehen nicht mehr zur Verfügung. Andere reduzieren ihre Verfügbarkeit und gehen in Altersteilzeit. Durchschnittlich beträgt das tatsächliche statistische Renteneintrittsalter 61,8 Jahre.

Durchschnittlich betrachtet räumen also gerade die letzten Experten des Jahrgangs 1955 ihre Schreibtische aus. Gleichzeitig geben die ersten Experten des Jahrgangs 1952 ihre Zugangskarten ab, da sie das gesetzliche Rentenalter erreicht haben.

Umfrage zeigt rapide Abnahme an Spezialisten

Den Ergebnissen einer im September und Oktober 2017 von TEAM 4M durchgeführten Umfrage sind die Jahrgänge 1951 bis 1962 die am stärksten vertretenen unter deutschsprachigen Mainframe-Spezialisten. Auf diese Jahrgänge entfallen insgesamt 70 Prozent der gesamten Spezialisten. Durchschnittlich betrachtet erreichen mit diesen Jahrgängen jeweils fast 6 Prozent der Experten das Rentenalter.

Gemäß den Umfragewerten und den Renten-Durchschnittswerten der Deutschen Rentenversicherung sind heute bereits zwischen 21 bis 38 Prozent der Mainframe-Experten nicht mehr verfügbar. Diese Zahl erhöht sich bis Ende 2023 auf 51 bis 78 Prozent. Für den unteren Wert wurde dabei die Erreichung des jeweiligen gesetzlichen Rentenalters zugrunde gelegt, bei dem höheren Wert das durchschnittliche Renteneintrittsalter von 61,8 Jahren.

Absehbarer Engpass besonders kritisch bei schlechter Dokumentationslage

Da die meisten der Mainframe-Systeme noch weit über zehn Jahre in Betrieb sein werden, ist ein kritischer Engpass an Experten für Mainframe-Anwendungssoftware abzusehen. Viele Code- und Dokumentationsschwächen werden heute durch In-house-Experten abgedeckt. Aufgrund der oben dargestellten Entwicklungen wird dies in den nächsten Jahren aber zunehmend schwieriger werden.

Muss ein System angepasst werden, ergibt sich abhängig von der Dokumentationsqualität der Systeme und der Verfügbarkeit an Ressourcen diese Risiko- und Kostenmatrix. (Grafik: TEAM 4M GMBH)

Eine kritische Situation ergibt sich, wenn die internen Experten das Unternehmen verlassen. Teilweise kann auf diese noch punktuell zugegriffen werden. Aber sie sind nicht immer verfügbar und auch nicht auf Dauer. Sehr oft werden also externe Experten eingesetzt werden müssen.

Die nächsten Jahre nutzen, um die “Lücken” zu schließen

Es verbleiben nur noch wenige Jahre, in denen genügend Experten zur Verfügung stehen, die sich gut mit Mainframe-Anwendungssoftware auskennen. Dieser Zeitraum kann von vorausschauenden Unternehmen genutzt werden, um das Risikoprofil ihrer Systeme für die Zeit danach zu optimieren.

Weil es wesentlich weniger Experten als nachfragende Unternehmen geben wird, werden Unternehmen, die dann Ressourcen für ihre Mainframe-Systeme benötigen, schon in wenigen Jahren feststellen müssen, dass sie diese Experten

  • länger suchen müssen
  • diesen einen höheren Stundensatz zahlen müssen
  • Abstriche bezüglich der Qualifikationen der Experten in Kauf nehmen müssen.

Besonders kritisch wird es, wenn auf Systemfehlfunktionen, Systemausfälle oder ähnlich extreme Situationen reagiert werden muss.

Über den Autor

Wolfgang Boos ist Geschäftsführender Gesellschafter der TEAM 4M GMBH. Das Unternehmen bietet die Übernahme der Maintenance von Mainframe-Anwendungssoftware auf Festpreisbasis an. Dabei greift es ausschließlich auf deutschsprachige Experten zurück. Die im Beitrag besprochene Umfrage wurde an 285 freiberufliche Experten für Mainframe-Anwendungssoftware versendet. 89 Antworten gingen ein. Dies entspricht ca. 7 Prozent der gesamtem auf freelance.de bzw. Xing gelisteten Freelancer in dem Bereich.

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Peter Marwan

Peter Marwan ist Chefredakteur von silicon.de und immer auf der Suche nach Möglichkeiten, wie Firmen den rasanten Fortschritt in der IT-Branche in der Praxis nutzen können. Dabei geht es nicht nur darum, Vorhandenes zu optimieren, sondern vor allem auch um Ansätze und Strategien, mit denen sich neue, durch die IT unterstützte Geschäftsmodellle entwickeln lassen.

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