Digitalisierung erfordert Modernisierung der Rechenzentren

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Wenn Unternehmen die Digitalisierung ihrer Geschäftsbereiche voranbringen möchten, sollten Sie in jedem Fall ihr Rechenzentrum hinsichtlich Effizienz und Flexibilität prüfen. Eine aktuelle Studie von IDC hat zum Ergebnis gebracht, dass bei vielen Unternehmen erheblicher Modernisierungsbedarf der IT-Infrastruktur besteht.

Experten und IT-Berater sind sich darin einig, dass eine moderne IT-Infrastruktur eine der wichtigsten Voraussetzungen für die digitale Transformation von Unternehmen ist. Und das erfordert auch eine Neupositionierung des Rechenzentrums in der Service Delivery von Unternehmen. Mithilfe von Technologien wie Software Defined Infrastructure (SDI), hyperkonvergente Lösungsansätze und Cloud-Plattformen lassen sich Rechenzentren fit machen für die Digitalisierung.

Das Beratungshaus IDC hat in der aktuellen Studie “Next Generation Data Center in Deutschland 2018“ untersucht, welche Chancen und Herausforderungen sich durch ganzheitliche Lösungen im Rechenzentrum ergeben. Hierfür wurden im Oktober 2017 205 IT-Entscheider aus Unternehmen und Organisationen mit mehr als 500 Mitarbeitern befragt.

Matthias Zacher, Manager Research und Consulting bei IDC. (Bild: IDC)
“IT-Verantwortliche müssen jetzt dringend damit beginnen, ihre starren IT-Ressourcen zu flexibilisieren. Tun sie dies nicht, können sie schon bald die Businessanforderungen nach einem sicheren und reibungslosem IT-Betrieb in zunehmend offenen und heterogenen geschäftlichen Ökosystemen nicht mehr gewährleisten”, sagt Matthias Zacher, Manager Research und Consulting bei IDC. (Bild: IDC)

Eine Mehrheit von 73 Prozent der befragten Unternehmen sieht die Notwendigkeit, eine Modernisierung ihrer Rechenzentren einzuleiten. Obwohl in den letzten Jahren hohe Investitionen in die Rechenzentren erfolgten, sind die Berater von IDC überzeugt, dass die Time-to-Market für die Bereitstellung von IT-Ressourcen nach wie vor zu lang sei und die Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle m Rahmen der digitalen Transformation ausbremse.

Unternehmen seien daher jetzt gefordert, ihre IT-Infrastruktur und IT-Architektur grundlegend zu überarbeiten. Als Ziel wird der Aufbau eines Rechenzentrums der nächsten Generation genannt. Hierzu zählen die vollständige Virtualisierung von Servern, Storage und Netzwerk, die Nutzung von Software Defined Infrastructure, Container, konvergente und hyperkonvergente Lösungen sowie zukünftig Composable IT. Außerdem ermöglicht ein Next Generation Datacenter die Verknüpfung interner IT-Umgebungen und externer IT- und Business-Ressourcen, zu denen Cloud-Plattformen, Multi Clouds, Colocation Services und Business-Netzwerke zählen, zu einer einheitlichen Business-Delivery-Plattform.

IT-Infrastruktur der Unternehmen häufig ineffizient, teuer und unsicher

Die Steigerung von Effizienz und Effektivität der IT-Ressourcen steht für 37 Prozent der befragten Unternehmen ganz oben auf der Agenda. Damit erkennen die IT-Entscheider, dass der Erfolg einer Digitalisierungsstrategie insbesondere von der Leistungsfähigkeit der IT-Infrastruktur abhängt. Da der Betrieb eines Rechenzentrums häufig zu teuer ist, möchten 34 Prozent der Befragten Kosteneinsparungen umsetzen. Zunächst sind zwar hohe Investitionen in ein Next Generation Datacenter erforderlich, mittelfristig reduzieren sich durch die Automatisierung der Wartungsaufwand und manuelle Tätigkeiten.

Unternehmen wünschen sich vor allem einen effizienten, kostengünstigen und sicheren Rechenzentrumsbetrieb. (Grafik: IDC)
Unternehmen wünschen sich vor allem einen effizienten, kostengünstigen und sicheren Rechenzentrumsbetrieb. (Grafik: IDC)

Durch die Nutzung von Multi-Cloud-Umgebungen http://www.silicon.de/blog/zukunft-der-rechenzentren-die-multi-clouds-kommen/ und Colocation Services ergibt sich ein weiterer Vorteil: die Ausgaben verlagern sich allmählich von CAPEX zu OPEX. Zugleich wird der IT-Betrieb dank der modernen Infrastruktur und der automatisierten Prozesse sicherer und weniger störanfällig. Wie wichtig diese Aspekte sind, zeigt sich daran, dass sich bei 78 Prozent der befragten Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten Ausfälle oder Einschränkungen bei der Bereitstellung von Services verzeichneten, verursacht durch Technologieausfall, Fehlentscheidungen oder Hackerangriffe.

Matthias Zacher, Manager Research und Consulting bei IDC und Projektleiter der Studie, ist überzeugt davon, dass Software-Defined-Infrastrukturen, hyperkonvergente Lösungen und zukünftig auch Composable IT die Rechenzentren revolutionieren werden. “IT-Verantwortliche müssen jetzt dringend damit beginnen, ihre starren IT-Ressourcen zu flexibilisieren. Tun sie dies nicht, können sie schon bald die Businessanforderungen nach einem sicheren und reibungslosen IT-Betrieb in zunehmend offenen und heterogenen geschäftlichen Ökosystemen nicht mehr gewährleisten. Damit setzen sie in letzter Konsequenz die erfolgreiche digitale Transformation und damit die Zukunft des Unternehmens aufs Spiel”, so die Einschätzung von Zacher.

Software Defined Infrastructure ermöglicht flexiblere IT-Infrastruktur

Auch die Berater von IDC wissen, dass es einen Königsweg zum Next Generation Datacenter nicht gibt. Sie empfehlen vielmehr die schrittweise Umsetzung mehrerer Lösungsansätze, die auf die Virtualisierung der Infrastruktur folgen sollten: Software Defined Compute, Software Defined Storage, Software Defined Networking sowie die Orchestrierung und Automatisierung über verschiedene Systeme und Domains.

Neben zahlreichen Vorteilen bringen die neuen Technologien aber auch einige Herausforderungen mit sich, wie die Befragung ergeben hat. So erklärten 31 Prozent der befragten Unternehmen, dass die große Komplexität ein Hindernis darstellt, 26 Prozent verfügen nicht über ein ausreichendes Wissen zu SDI und 22 Prozent betrachten die aktuelle Technologie als unreif. Nach Einschätzung von IDC müssen Anbieter in diesem Bereich nachbessern und mit Anwendungsfällen überzeugen.

Hyperkonvergente Lösungen bieten Anwendern beim IT-Betrieb eine Vielzahl von Vorteilen. (Grafik: IDC)
Hyperkonvergente Lösungen bieten Anwendern beim IT-Betrieb eine Vielzahl von Vorteilen. (Grafik: IDC)

Die Einführung hyperkonvergenter Lösungen wird erst durch Software-Defined-Technologie ermöglicht, denn sie liefert Funktionalitäten wie die dynamische Bereitstellung von IT-Infrastruktur, Flexibilität und Skalierbarkeit, einfaches Management sowie Ressourcen und Kostenoptimierung, die für eine Modernisierung des Rechenzentrum benötigt werden. Von einer hyperkonvergenten IT-Umgebung erwarten 44 Prozent der Befragten eine bessere Auslastung der IT-Ressourcen, vorausgesetzt die Lösungen sind auf die geschäftlichen Anforderungen zugeschnitten.

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27 Prozent der IT-Abteilungen wollen ihre Server-Infrastruktur künftig durch eine hyperkonvergente Infrastruktur abzulösen und 26 Prozent das vorhandene SAN durch eine hyperkonvergente Infrastruktur ersetzen. Diese Technologien versprechen also die Entkopplung von Hardware und Software. Die Befragung brachte allerdings auch zutage, dass viele Unternehmen keine eindeutige Vorstellung von konvergenten und hyperkonvergenten Systeme haben. IDC sieht eine Ursache in den unterschiedlichen Ansätzen und Begrifflichkeiten der Hersteller, was es den Anwender nicht leicht macht, den Überblick zu behalten.

Multi-Cloud-Infrastruktur als künftiges Cloud-Deployment-Modell

Es verwundert nicht, dass IDC Cloud Computing und Provider Services “als maßgebliche Bestandteile des Next Gen Datacenter” einstuft. So verfolgen 88 Prozent der befragten Unternehmen eine Cloud-Strategie. Multi-Cloud-Umgebungen entwickeln sich dabei immer stärker zu einem neuen Cloud-Deployment-Modell. Zunächst von Cloud- und Rechenzentrums-Providern umgesetzt, nutzen jetzt auch immer mehr Anwender die Vorteile einer Multi Cloud, allerdings in unterschiedlichen Konzepten.

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37 Prozent der Befragten betrachten in der Multi Cloud die Zusammenarbeit mit einem oder zwei strategischen Cloud-Providern, um den Managementaufwand zu reduzieren und hybride Clouds weiterzuentwickeln. 23 Prozent entscheiden sich hingegen für ein Broker-Modell, bei dem der Provider neben der Connectivity Monitoring-Tools für die wichtigen Cloud Services bereitstellt.

Für die Berater von IDC befindet sich das Multi-Cloud-Modell in Deutschland noch in einer frühen Reifephase. Allerdings wollen die Unternehmen nach eigenen Angaben in den nächsten 36 Monaten verstärkt in Lösungen für Monitoring, Modellierung, Analyse, Systemstabilität, Sicherheit, die Überwachung von Performance- und Wartungs-SLAs sowie in Systeme zur Automatisierung und Orchestrierung investieren.

“Composable IT” als zukünftig vorherrschende Architektur

Die Berater von IDC sehen in Composable-Infrastrukturen den nächsten Schritt in der Weiterentwicklung der Technologie im Rechenzentrum. Bei der Befragung erklärten 80 Prozent, den Begriff zu kennen, jedoch mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen über dessen Bedeutung. IDC definiert Composable IT als “einen Lösungsansatz für die steigenden Anforderungen an Agilität und Flexibilität, der es den IT-Abteilungen ermöglicht, Anwendungen und Infrastruktur schneller zu provisionieren und zu skalieren und somit die Transformation von statischen und unflexiblen Infrastrukturen hin zu einer Umgebung zu vollziehen, die besser ausgelastet, agil und automatisiert und damit fit für die Digitalisierung ist.” Wenngleich in produktiven Umgebungen derzeit noch keine Composable-Infrastrukturen zu finden sind, liegt nach Einschätzung von IDC hier ein großes Potenzial für Anbieter.

Beim Begriff "Composable IT" besteht bei den Anwendern noch große Unsicherheit. (Grafik: IDC)
Beim Begriff “Composable IT” besteht bei den Anwendern noch große Unsicherheit. (Grafik: IDC)

Die Ergebnisse der Studie zeigen eindeutig, dass Unternehmen ihre IT-Infrastruktur umfassend modernisieren müssen, um die digitale Transformation erfolgreich durchführen zu können. Für IDC stimmen auch die Rahmenbedingungen: So hätten die Anbieter innovative Technologien zu Lösungen entwickelt, die zahlreiche Anforderungen der Unternehmen abdecken würden. Außerdem würden veränderte und neue Prozess- und Wertschöpfungsketten in der Nutzung von IT und Daten diese Entwicklung zusätzlich antreiben. Allerdings würden die Anwender bei der Umsetzung noch zu sehr zögern.

Modernisierung der Rechenzentren noch ganz am Anfang

IDC kommt zu dem Schluss, dass die Modernisierung der Rechenzentren hin zu einem Datacenter der nächsten Generation hierzulande gerade erst begonnen habe und die IT- und Fachabteilungen in den nächsten drei bis fünf Jahren umfassend beschäftigen werde. Wie die Befragung zeigt, fahren die meisten Unternehmen derzeitig mehrgleisig. Auf der einen Seite führen sie moderne Technologien wie konvergente und hyperkonvergente Lösungen, Software Defined Infrastructures und Container ein und öffnen sich auch zukünftigen Lösungen wie Composable IT.

Im Rechenzentrum der nächsten Generation kommen laut IDC sechs Technologien zum Einsatz. (Grafik: IDC)
Im Rechenzentrum der nächsten Generation kommen laut IDC sechs Technologien zum Einsatz. (Grafik: IDC)

Auf der anderen Seite entscheiden sich Unternehmen immer häufiger für Cloud Services und Provider-Dienste. Für IDC zeigt sich daran, dass sich Cloud Computing im Rechenzentrum immer stärker zum dominierenden Deployment-Modell entwickelt hat. Wenngleich es nicht der Zielsetzung der IT-Verantwortlichen entspricht, bleibt die Komplexität im Rechenzentrum hoch. Nicht zu übersehen ist auch das große Potenzial der Automatisierung durch moderne Technologien.

Die Berater von IDC empfehlen daher IT-Verantwortlichen, jetzt zu prüfen, wie sich die Lösungskonzepte ihrer Infrastruktur-Anbieter sowie Cloud- und Rechenzentrums-Provider für die nächsten drei Jahre darstellen, um die Service-Delivery hinsichtlich der Herausforderungen durch die digitale Transformation optimal aufstellen zu können.

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