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Internetblockade gegen Russland: ICANN weist Forderung der Ukraine zurück

Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) hat Forderungen der Ukraine nach Sanktionen gegen Russland zurückgewiesen. Die Ukraine wollte unter anderem erreichen, dass die russischen Top-Level-Domains wie .ru und .su sowie die russischen Secure-Socket-Layer-Zertifikate (SSL) zurückgezogen werden.

In einem Brief an die ukrainischen ICANN-Vertreter Andrii Nabok sowie Myhkailo Fedorov, Minister für digitale Transformation in der Ukraine, betonte ICANN-CEO Göran Marby jedoch seine Unterstützung für die Ukraine. “Die ICANN ist bereit, weiterhin die ukrainische und globale Sicherheit, Stabilität und Widerstandsfähigkeit des Internets zu unterstützen.”

Darüber hinaus bat Fedorov die für Europe, den Mittleren Osten und Teile Asiens zuständige Internet Registry RIPE NCC, Russland das Recht zur Nutzung von zugeordneten IPv4- und IPv6-Adressblöcken abzusprechen und somit die DNS-Root-Server des Landes zu blockieren. Allerdings fiel auch die Antwort der RIPE NCC negativ aus. Dessen Executive Board erklärte, dass “Mittel zur Kommunikation nicht durch lokale politische Streitigkeiten, internationale Konflikte oder Kriege eingeschränkt” werden sollten.

Schon zuvor hatten verschiedene Internet-Organisationen klargestellt, dass sie selbst keine Sperren gegen Russland fordern werden. Unter anderem warnte Andrew Sullivan, President und CEO der Internet Society vor einer Aufspaltung des Internets entlang geografischer, politischer, wirtschaftlicher oder technologischer Grenzen. Eine Fragmentierung habe massive negative Folgen und schaffe einen gefährlichen Präzedenzfall. “Die Forderungen, Russland vom Internet abzuschneiden, sind eine riskante Angelegenheit, denn das “Splinternet” ist das Gegenteil dessen, wie das Internet konzipiert wurde und funktionieren soll. Wir müssen diesen Aufrufen widerstehen, egal wie verlockend sie auch sein mögen.”

Unterstützung erhält die Ukraine jedoch von zahlreichen Technikfirmen, die Dienste und Produktlieferungen nach Russland einschränken oder gar einstellen. Microsoft bot der Ukraine Hilfe beim Kampf gegen Cyberangriffe an. Auch inoffizielle Organisationen wie Anonymous stellt sich auf die Seite der Ukraine. Das Hackerkollektiv hat nach eigenen Angaben mehrere russische Websites lahmgelegt, darunter die Seiten des Energiekonzerns Gazprom und der staatlichen Nachrichtenagentur Russia Today.

Stefan Beiersmann

Stefan unterstützt seit 2006 als Freier Mitarbeiter die Redaktionen von Silicon.de und ZDNet.de. Wenn andere noch schlafen, sichtet er bereits die Nachrichtenlage, sodass die ersten News des Tages meistens von ihm stammen.

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