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Apple erneut wegen iPhone-Drosselung verklagt

Apple muss sich erneut mit Schadenersatzforderungen aufgrund der „heimlichen“ Leistungsdrosselung von iPhones auseinandersetzen. Der Verbraucherschützer Justin Gutman hat den iPhone-Hersteller in Großbritannien auf 750 Millionen Pfund Schadenersatz verklagt. Das Unternehmen soll die softwareseitige Leistungsdrosselung eingeführt haben, um Nutzer zu täuschen und sich die Kosten für einen Produktrückruf zu ersparen.

Der auf als Batterygate bezeichnete Vorfall kam 2017 ans Licht. Mit dem Update auf die iOS-Version 10.2.1 führte Apple eine nicht dokumentierte Funktion ein, die die Leistung der CPU drosselt, um Geräteabstürze aufgrund abnehmender Akkukapazität zu vermeiden. Betroffen waren vor allem die Modelle iPhone 6, 6s und SE. Später wurde die Funktion auch auf die Modelle iPhone 7, 7 Plus, 8, 8 Plus und X ausgeweitet.

Gutman wirft Apple nun in seiner Klage vor, die Drosselungsfunktion nur eingeführt zu haben, um zu vertuschen, dass die iPhone-Akkus nicht für den tatsächlichen benötigten Leistungsbedarf ausgelegt waren. „Anstatt den Kunden gegenüber ehrlich und korrekt zu handeln und ihnen einen kostenlosen Ersatz, einen Reparaturservice oder eine Entschädigung anzubieten, führte Apple die Menschen in die Irre, indem es ein Tool in Software-Updates versteckte, das die Geräte um bis zu 58 Prozent verlangsamte“, sagte Gutman im Gespräch mit The Guardian. „Ich erhebe Klage, damit Millionen von iPhone-Nutzern im Vereinigten Königreich für den Schaden, der ihnen durch das Vorgehen von Apple entstanden ist, entschädigt werden.“

Apple weist Anschuldigungen zurück

Als Reaktion auf den „Skandal“ führte Apple 2018 ein vergünstigtes Austauschprogramm für Akkus aus. Die Kosten für den Tausch wurden auf 29 Dollar reduziert. In dem Jahr machten rund 11 Millionen Kunden von dem Angebot Gebrauch – üblich waren bis dahin ein bis zwei Millionen getauschte Akkus pro Jahr. Der Ansturm auf das Programm veranlasste Apple sogar, im Januar 2019 eine Gewinnwarnung auszusprechen, die erste des Unternehmens seit 2002.

„Wir haben nie – und würden nie – etwas tun, um die Lebensdauer eines Apple-Produkts absichtlich zu verkürzen oder die Benutzererfahrung zu verschlechtern, um Kunden-Upgrades zu fördern”, sagte Apple in einer Erklärung am Donnerstag. “Unser Ziel war es immer, Produkte zu entwickeln, die unsere Kunden lieben, und die möglichst lange Lebensdauer von iPhones ist ein wichtiger Teil davon“, teilte Apple Ende vergangener Woche mit.

In Großbritannien sind bis zu 25 Millionen Nutzer von der iPhone-Drosselung betroffen. Eine ähnliche Klage legte Apple in den USA im März 2020 gegen Zahlung einer Entschädigung von 25 Dollar je iPhone bei, mit einer maximalen Schadensumme von 310 Millionen Dollar.

Stefan Beiersmann

Stefan unterstützt seit 2006 als Freier Mitarbeiter die Redaktionen von Silicon.de und ZDNet.de. Wenn andere noch schlafen, sichtet er bereits die Nachrichtenlage, sodass die ersten News des Tages meistens von ihm stammen.

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