Fachkräfte, Innovationen und Business Resilience

Die digitale Transformation läuft in Deutschland eher schleppend. Dies bestätigen internationale Vergleiche wie das Digital Competitiveness Ranking der IMD Business School in Lausanne oder das Hamburger ifo Institut. Die Frage drängt sich auf: Sind Manager in Deutschland Technologieverweigerer? Ein klares Nein, die Bereitschaft zum Wandel ist in den Chefetagen vorhanden. Jedoch mangelt es oftmals an grundlegenden Dingen wie einer klaren Umsetzungsstrategie oder Fachkräften. Zwei Faktoren könnten die digitale Transformation in einer Post-Covid-19-Wirtschaft beschleunigen: eine gestärkte Business Resilience sowie die Fähigkeit, Mitarbeiter dauerhaft an die eigene Organisation zu binden.

Daten steigern die Resilienz

Die Business Resilience beschreibt die Fähigkeit von Organisationen, auf Veränderungen von Märkten reagieren zu können sowie Risiken wirtschaftlich zu antizipieren und zu beherrschen. Nur auf Basis von aktuellen Daten, beispielsweise zu Lagerbeständen, Lieferzeiten von Rohstoffen oder veränderten Kundenwünschen, lassen sich die richtigen strategischen Entscheidungen treffen. Eine Organisation benötigt dafür eine Kultur der Datennutzung und muss sich ein Vertrauen in die eigenen Daten erarbeiten. Hier helfen zum Beispiel cloud-basierte Systeme dabei, den Mitarbeitern standortübergreifend die benötigten Analysen in Echtzeit zu liefern. So werden Daten zu einem zentralen Faktor für den Unternehmenserfolg.

Kampf um die Fachkräfte

In Deutschland ist der Kampf um Talente in vielen HR-Abteilungen ein zentrales Thema. Um Top-Experten zu gewinnen, sollten Unternehmen die Employee Experience ausbauen. Damit sind Themen wie Interaktionen, Eindrücke und Emotionen am Arbeitsplatz gemeint, egal ob im Büro oder im Homeoffice. Dies beginnt beispielsweise schon mit dem Auspacken eines Arbeits-Laptops zu Hause und der weiteren Konfiguration der benötigten Business-Software bis hin zur virtuellen Interaktion mit den Kollegen weltweit.

Ebenfalls wichtig sind flexible Arbeitsmodelle wie Jobsharing und moderne Organisationsformen wie die agile Entwicklung für beschleunigte Entwicklungsprozesse. Über allem sollte der erklärte Wille der Unternehmensführung stehen, vorhandene Strukturen zu erneuern, Silos aufzubrechen und in durchgängig digitalisierte Prozessketten zu investieren.

Das „Workplace Experience Center“ von Wipro in München versteht sich als ein Labor für Kunden, um neue Business-Umgebungen und Technologien für zukünftige Arbeitsplätze zu testen.
Labor für Test von smarten Workspaces

Insbesondere die Investition in die Digitalisierung stellt viele Unternehmen vor eine Herausforderung, da sie nicht die Ressourcen haben, um High-Tech-Labore zu betreiben und Mitarbeiter für die Evaluation neuer Technologien abzustellen. Wipro hat darauf reagiert und wird im Jahr 2022 ein „Workplace Experience Center“ in München eröffnen. Es wird Unternehmen in ganz Europa den Zugang zu ausgewählten Technologien geben, um damit die Möglichkeiten der digitalen Transformation von Arbeitsplätzen zu evaluieren. Schwerpunkte bilden Lösungen für Mitarbeiter-Engagement und virtueller Kunden-Support. Das Labor wird es Unternehmen ermöglichen, 5G-basierende Smart Workspaces zu testen und das Potenzial von künstlicher Intelligenz, Analytics, maschinellem Lernen und virtueller Realität zu erforschen. Die kreative Arbeitsumgebung des Büros soll bei der Lösung komplexer Geschäftsprobleme auf Basis eines designorientierten Ansatzes unterstützen.

Fühlen sich Mitarbeiter wohl, erhöht dies die Produktivität und Motivation. Außerdem steigt die Chance, dass Mitarbeiter weitere Fachkräfte davon überzeugen, im eigenen Unternehmen zu starten. Denn: Die Suche nach Experten darf keine alleinige HR-Aufgabe mehr sein. Vielmehr sollte jeder Mitarbeiter zu einem Brand Ambassador werden. Nur so wird es möglich, ausreichend neue Experten zu finden, die für eine erfolgreiche digitale Transformation benötigt werden.

Innovationen richtig nutzen

Die Post-Covid19-Wirtschaft zeichnet sich durch eine beschleunigte digitale Transformation aus. Dies sehen wir auch bei unseren Gesprächen mit Kunden, die eine Vielzahl neuer Digitalprojekte planen. Jetzt kommt es für Unternehmen darauf an, die für die Geschäftsziele benötigten Technologien zielgerichtet einzusetzen. Viele Unternehmen in Deutschland arbeiten daran, ihre Prozessketten durchgängig, also Ende-zu-Ende, zu digitalisieren und möchten hierbei innovative Technologien integrieren. Die Cloud hat sich dabei als ein verlässliches Werkzeug erwiesen, um mit Hilfe externer IT-Ressourcen schnell und effizient die digitale Transformation voranzutreiben. Daher bin ich persönlich davon überzeugt, dass sich Deutschland in künftigen Digitalisierungs-Rankings weiter oben finden wird.

Michael Seiger
leitet seit 2020 als Geschäftsführer die Aktivitäten von Wipro in Deutschland und Österreich. Zuvor war er über 10 Jahre für Atos in führenden Positionen tätig.

Roger Homrich

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