Categories: Gastbeitrag

Resilientere IT – Wenn Mensch und Maschine Hand in Hand arbeiten

Eine Studie der Allianz Versicherung von Januar 2022 zeigt: Nach Ansicht von Risikomanagern auf der ganzen Welt sind Cybervorfälle und Betriebsunterbrechungen die größten Geschäftsrisiken für Unternehmen. So verliert knapp die Hälfte der europäischen kleinen und mittelständischen Unternehmen durch IT-Ausfallzeiten mindestens 7 Arbeitsstunden pro Monat und Mitarbeiter.

Viele Firmen setzen nach wie vor auf rein technische Lösungen, um Betriebsunterbrechungen zu vermeiden. Dazu gehören beispielsweise verteilte Systeme mit redundanten Hard- und Software-Modulen. Dabei übernehmen im Falle eines Ausfalls die redundanten Komponenten die Aufgabe der ausgefallenen Einheit. So ist die Business Continuity gewährleistet und es kommt zu keinen größeren „Down-Times“.

Technologie ist kein Allheilmittel

Aber was tun, wenn die redundanten Systeme ihre Aufgaben nicht erfüllen oder es einen Ausfall einer Komponente gibt, für die keine Redundanzen eingeplant wurden? In solchen Fällen hilft es, wenn die Unternehmensführung daran gedacht hat, Mitarbeitende ebenso zu befähigen. Eine Möglichkeit, dies zu bewerkstelligen, sind sogenannte „Citizen Development“-Programme, wie sie beispielsweise von PMI (Project Management Institute) angeboten werden. Diese basieren auf Low- oder No-Code-Lösungen, die es mithilfe einfacher Drag-and-Drop- beziehungsweise WYSIWYG-Editoren (What you see is what you get) erlauben, dass tatsächlich jeder entsprechend ausgebildete Mitarbeiter selbst maßgeschneiderte Programme erstellen kann, um spontan auftretende Herausforderungen zu meistern. Im Rahmen der entsprechenden Programme werden Unternehmen dabei begleitet, Citizen Development einzuführen und es wird ihnen erklärt, worauf sie bei der Einführung und Umsetzung achten müssen.

Dabei setzen immer mehr Unternehmen auf Citizen Developer. Laut den Analysten von Gartner soll bereits 2023 die Zahl der Laienentwickler die der professionellen Software-Entwickler um den Faktor 4 übertreffen. Gleichzeitig gibt es bereits heute einen weltweiten Mangel an rund 1,4 Millionen Softwareentwicklern – bis 2025 soll diese Zahl auf 4 Millionen steigen. Allerdings müssen die Verantwortlichen, sofern ein Unternehmen wirklich voll auf Citizen Development setzt, sehr darauf bedacht sein, dass keine unreglementierte Schatten-IT entsteht.

Projektmanagement als Schmiermittel für reibungslose Abläufe

Ideal geeignet, um dies sicherzustellen, sind ProjektmanagerInnen, die stets vollen Überblick darüber haben, welche Software-Lösungen gerade benötigt werden und welche Mitarbeitenden woran aktuell arbeiten. Dabei bieten sich innovative Vorgehensweisen wie von PMI entwickelte Wicked Problem Solving (WPS) an, um möglichst effizient auf wechselnde Herausforderungen einzugehen und entsprechende Citizen-Development-Maßnahmen schnell und effektiv umzusetzen.

Bei WPS handelt es sich um eine universelle Methode, die sich in unterschiedlichste Projektmanagementansätze nahtlos integrieren lässt. Daher ist WPS optimal dafür geeignet, nicht nur abteilungs-, sondern sogar organisationsübergreifende Projekte umzusetzen und zu managen. Dabei sind die Projektverantwortlichen nicht, wie bei anderen Methoden, darauf angewiesen, eine Herangehensweise zu finden, die für alle Parteien funktioniert. Sie können für jede beteiligte Gruppierung den jeweils besten Ansatz nutzen, um zu einem Ergebnis zu gelangen – es lassen sich sogar Ansätze miteinander mischen.

Die drei wichtigsten Grundsätze, auf denen WPS aufbaut, sind das Stellen der richtigen Fragen, das Visualisieren von Ideen und das vorwärts gerichtete Handeln. Mit Hilfe dieser Prinzipien lassen sich durch Kombination innerhalb der sogenannten „Playsets“ – also verschiedener unterschiedlicher Fragestellungen – sowohl einfache als auch extrem komplexe und sogar scheinbar unlösbare Problemstellungen lösen.

Teamwork ist alles

Egal wie umfangreich und elaboriert es auch sein mag, ein Citizen-Developer-Programm allein reicht natürlich nicht aus, um eine Unternehmens-IT vollkommen resilient zu gestalten – genauso wenig wie ein redundanter Systemaufbau ausreicht. Nur ein echtes Hand-in-Hand sorgt dafür, dass Firmen wirklich jeder Herausforderung trotzen können. Außerdem ist es wichtig, dass EntscheiderInnen auf das Fachwissen von ProjektmanagerInnen vertrauen, um sämtliche Methoden und Vorgehensweisen miteinander zu koordinieren sowie dafür zu sorgen, dass sich neue Sicherheitsmaßnahmen nahtlos in bestehende Konzepte einfügen. Nur so lässt sich tatsächlich nachhaltige Resilienz erreichen. Denn die funktioniert nur mit Teamwork.

Bodo Giegel

ist Business Head Europe, Project Management Institute.

Roger Homrich

Recent Posts

Excel als Rückgrat deutscher Lieferkettenplanung

Lieferkettenplanung in Deutschland auf Basis von Excel bei 37 Prozent der befragten Unternehmen im Einsatz.

15 Stunden ago

Siemens automatisiert Analyse von OT-Schwachstellen

Bedienpersonal von Fertigungsanalagen soll mögliche Risiken auch ohne Cybersecurity-Fachwissen erkennen und minimieren können.

2 Tagen ago

Cyberabwehr mit KI und passivem Netzwerk-Monitoring

Schiffl IT: Anomalien im Netzwerkverkehr und in den Systemen in Echtzeit identifizieren.

4 Tagen ago

Zero Trust bei Kranich Solar

Absicherung der IT-Infrastruktur erfolgt über die Zero Trust Exchange-Plattform von Zscaler.

4 Tagen ago

KI in der Medizin: Mit Ursache und Wirkung rechnen

Maschinen können mit neuen Verfahren lernen, nicht nur Vorhersagen zu treffen, sondern auch mit kausalen…

5 Tagen ago

Sicherheit für vernetzte, medizinische Geräte

Medizingeräte Hersteller Tuttnauer schützt Gerätesoftware mit IoT-Sicherheitslösung.

5 Tagen ago