EU-Taxonomie: Erst jedes 5. Unternehmen nutzt Standardprozesse für Datenlieferung

Seit Anfang 2022 müssen zur nichtfinanziellen Berichterstattung verpflichtete Unternehmen erstmals auch Angaben zur sogenannten EU-Taxonomie machen, also “grüne” Kennzahlen veröffentlichen. Dazu zählen “grüne” Umsätze sowie Investitions- und Betriebsausgaben. Außerdem werden diese Kennzahlen ab 2024 voraussichtlich nicht nur berichts-, sondern auch prüfungspflichtig – und es werden weitere Berichtsthemen hinzukommen. Unternehmen müssen also davon ausgehen, dass der Aufwand für die Berichterstattung gemäß der EU-Taxonomie weiter steigen wird.

PwC Deutschland wollte wissen, wie die Unternehmen die Implementierung der EU-Taxonomie gemeistert haben, und hat dazu insgesamt 170 Unternehmen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden sowie neun Großbanken aus acht europäischen Ländern befragt. Denn auch für die Banken gewinnt die nichtfinanzielle Berichterstattung an Relevanz: Sie haben eine wichtige Funktion, um den “Green Deal” der Europäischen Union umzusetzen und müssen unter anderem die “Green Asset Ratio” angeben, also den Anteil “grüner” Kredite bzw. Investments in ihrem Portfolio.

Zusätzlicher Personalbedarf für Konformitätsberichterstattung

Ein zentrales Ergebnis: Knapp die Hälfte der Unternehmen hat mit der Konformitätsberichterstattung zur EU-Taxonomie begonnen. 46 Prozent gehen davon aus, dass sie für die Berichterstattung zusätzliches Personal einsetzen müssen. Und sechs von zehn Befragten mussten bereits auf externe Unterstützung zurückgreifen, um ihren Berichtspflichten nachzukommen. “Unsere Ergebnisse zeigen, dass viele Unternehmen den Umsetzungsaufwand für die EU-Taxonomie häufig noch unterschätzen, zum Teil massiv. Zusätzliche Berichtsthemen und die Konformitätsprüfung werden ihn weiter erhöhen”, sagt Nadja Picard von PwC: “Unternehmen sollten die erforderlichen Ressourcen unbedingt zügig freigeben oder beschaffen, um späteren Zusatzaufwand zu vermeiden.”

Häufig noch kein Standardprozess zur Datenlieferung

Überraschend ist, dass zwei Drittel der befragten Unternehmen noch keinen standardisierten Prozess zur Lieferung der taxonomierelevanten Daten entwickelt haben. Nadja Picard betont: “An standardisierten Prozessen führt kein Weg vorbei, damit die berichteten Daten verlässlich sind und künftig eine zuverlässige Steuerung des Unternehmens ermöglichen.” Dazu gehöre es insbesondere, Prozesse und Verantwortlichkeiten klar zu definieren. “Nur so lassen sich mittelfristig viele der erforderlichen Reportingprozesse automatisieren. Das ist erforderlich, um den Aufwand für die Berichterstattung trotz steigender Anforderungen stabil zu halten”, erläutert Picard.

Nur ein Drittel nutzt dezidierte Tools für das Nachhaltigkeitsreporting

Für automatisierte Prozesse sind dezidierte Nachhaltigkeitsreportingtools essenziell. Solche Tools nutzt allerdings erst etwa jedes dritte Unternehmen (31 Prozent) – und spezielle Tools für die Berichterstattung zur EU-Taxonomie nutzen sogar nur neun Prozent. Immerhin: 41 Prozent der befragten Unternehmen wollen künftig spezielle Tools einsetzen. Derzeit nutzen knapp drei Viertel der befragten Unternehmen Excel für die EU-Taxonomie-Berichterstattung, etwa jedes vierte Unternehmen setzt auf Word und rund jedes fünfte nutzt E-Mails.

Nadja Picard kommentiert: “Excel- oder Word-Dateien sind aus unserer Sicht für die Berichterstattung zur EU-Taxonomie nicht geeignet, weil diese Dateiformate nicht über Zugriffskontrollen und nur bedingt über eine Änderungsverfolgung verfügen. Somit erlauben sie keine prüfsichere Dokumentation.”

Roger Homrich

Recent Posts

Transport Betz automatisiert Geschäftsprozesse

Rückgrat des Digitalisierungsprogramms ist das ERP-System GUS-OS Suite, das der Logistikdienstleister seit 15 Jahren im…

9 Stunden ago

Cyberversicherung auf dem Weg zum Standard

Studie: Mehr als die Hälfte der DACH-Unternehmen haben mittlerweile eine Police. Gesamtosten rund um Cyberversicherungen…

18 Stunden ago

Komplexität reduzieren und mit vorhandenen Ressourcen sicherer werden

"Unternehmen sollten Security-Investitionen neu bewerten, entscheiden, wo sie konsolidieren können und mit ähnlichem Geld sich…

5 Tagen ago

Chemiekonzern Kemira archiviert seine SAP-Daten und Dokumente in der Cloud

Kemira hat sich von langjähriger Archivierungslösung getrennt und vertraut nun der Archivierung in der Cloud…

6 Tagen ago

Use-Case: KI-Integration im deutschen Mittelstand

Auch im deutschen Mittelstand setzen mehr und mehr Unternehmen auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz.…

7 Tagen ago

Intelligente Dateninfrastruktur für Porsche Motorsport

Ganzheitliche Datenlösungen von NetApp soll Performance auf der Rennstrecke steigern.

7 Tagen ago