Dachser setzt auf No-Code-Plattform für digitale Transformation

Die Citizen Developer bei Dachser entwickeln Applikationen mit Hilfe der No-Code-Plattform von smapOne selbst und tragen maßgeblich dazu bei, analoge Prozesse selbstständig, schnell und einfach zu digitalisieren. Thomas Schwarz, CTO von smapOne, und Jeanne Merswolken, Consultant Digital Plattform Products bei Dachser SE über die Vorteile von No Code für die digitale Transformation des Logistikunternehmens.

Herr Schwarz, der IT-Fachkräftemangel führt zu einem Entwicklungsstau in vielen IT-Abteilungen. Welche Rolle spielt Citizen Development bei der Bewältigung des Entwicklermangels?

Thomas Schwarz: In der Logistikbranche kann der Mangel an IT-Fachkräften zu Verzögerungen bei der Implementierung digitaler Technologien und Anwendungen führen. An dieser Stelle bietet der Citizen-Development-Ansatz eine praktische Lösung. Durch No-Code-Plattformen wie smapOne können Mitarbeitende, die keine tiefgreifenden IT-Kenntnisse haben, eigenständig Apps entwickeln. So wird jeder Mitarbeitende befähigt, digitale Projekte aus eigener Kraft umzusetzen und seine eigenen Prozesse oder die seines Teams effizienter zu gestalten. Dabei liegt das größte Potenzial von No Code und Citizen Development in der Digitalisierung von manuell durchgeführten Routineaufgaben, die nicht selten noch mit Stift und Papier abgewickelt werden.

Welche konkreten Maßnahmen hat Dachser ergriffen, um die Mitarbeitenden durch Citizen Development zu befähigen, Digitalisierung selbst in die Hand zu nehmen?

Jeanne Merswolken: Seit der Einführung der No-Code-Plattform bei Dachser im Jahr 2017 kann sich jeder Mitarbeitende einen Kreatoren-Account anfordern. Dieser Account befähigt die Mitarbeitenden, eigenständig Apps zu erstellen. Unser Ziel ist es, dass alle Mitarbeitenden, insbesondere die Fachexperten, schnell und effizient mithilfe von Citizen Development Digitalisierungspotenziale aufdecken und unabhängig von IT-Ressourcen lösen können. Wir sind besonders stolz darauf, dass wir viele Mitarbeitende in den Niederlassungen für No-Code begeistern konnten und dadurch einen großen Innovationshebel für Dachser gefunden haben.

“In der Logistikbranche kann der Mangel an IT-Fachkräften zu Verzögerungen bei der Implementierung digitaler Technologien und Anwendungen führen. An dieser Stelle bietet der Citizen-Development-Ansatz eine praktische Lösung”, sagt Thomas Schwarz, CTO von smapOne.

Welche Herausforderungen haben Sie bei der Implementierung von smapOne und der Schulung der Mitarbeitenden beobachtet und wie wurden diese gemeistert?

Jeanne Merswolken: Eine der größten Herausforderungen bei der Implementierung von smapOne ist die Erreichbarkeit und Motivation der Mitarbeitenden in einem großen Unternehmen wie Dachser. Es ist uns wichtig, die Mitarbeitenden so an das Thema heranzuführen, dass sie Freude an der Entwicklung digitaler Lösungen haben und gleichzeitig unsere Unternehmensrichtlinien kennen und beachten.

Um diese Herausforderung zu meistern, nutzen wir das starke Engagement der Unternehmensleitung und informieren auf zahlreichen internen Veranstaltungen über die Plattform und unsere Mission. Zudem haben wir neben der Möglichkeit für Mitarbeitende, eigene Apps zu erstellen, auch zentral entwickelte und bereitgestellte Apps in den täglichen Arbeitsablauf integriert. Dadurch wird smapOne und No Code zunehmend Teil des Arbeitsalltags.

Zusätzlich bieten wir umfassende Schulungen und haben eine exklusive Community-Plattform für unsere Kreatoren eingerichtet. Diese Plattform fördert den Wissensaustausch und stellt sicher, dass alle Mitarbeitenden über denselben Wissensstand verfügen.

Welche spezifischen Einsparungen und Effizienzsteigerungen konnte Dachser durch Citizen Development realisieren?

Thomas Schwarz: Bei Dachser nutzen bereits 1.250 Mitarbeitende die No-Code-Plattform smapOne. Täglich werden rund 50 neue Apps, sogenannte smaps, erstellt, um die zuvor manuellen Prozesse zu digitalisieren. Je nach Komplexität dauert die Entwicklung einer solchen smap zwischen 30 Minuten und einigen Stunden.

Seit der Nutzung der No-Code-Plattform sind die Abläufe bei Dachser deutlich effizienter geworden, und auch der Verbrauch von Ressourcen hat sich stark verringert. Satte 7,1 Millionen Seiten Papier konnte das Logistikunternehmen seither einsparen, was dem Energieäquivalent von 147.621 kWh Strom oder 396.773 Litern Wasser entspricht. Diese Einsparungen sind sowohl aus Kostensicht als auch aus Umweltaspekten ein deutlicher Gewinn.

Können Sie genauer erläutern, wie die Governance durch das zentrale Audit-Team gewährleistet wird und welche Schritte Dachser dabei unternommen hat, um sicherzustellen, dass alle entwickelten Apps den Anforderungen an Informationssicherheit und Datenschutz entsprechen?

Thomas Schwarz: Bei der Skalierung von No-Code-Projekten ist ein gewisses Maß an Governance notwendig, um eine Schatten-IT zu vermeiden und Unternehmensrichtlinien sowie Datenschutzstandards zu gewährleisten. Zudem hilft IT-Governance dabei, Citizen Development und die strategische Ausrichtung des Unternehmens in Einklang zu bringen. Dafür ist die Entwicklung von Richtlinien und Prozessen zur Unterstützung der No-Code-Lösungen, die den Geschäftsanforderungen entsprechen, hilfreich. Das kann App-Reviews, Schulungen, Prozess-Definitionen sowie Tools für IT-Sicherheit und Compliance umfassen.

Im Fall von Dachser wurde ein zentrales Audit-Team für die smaps eingerichtet. Dieses Team kümmert sich um die wichtigen Bereiche wie Informationssicherheit und Datenschutz. Darüber hinaus ist es für die Schulung der Citizen-Developer-Community zuständig, vermeidet redundante Anwendungen, achtet auf die Qualität der Apps und stellt sicher, dass diese jederzeit den Datenschutzvorgaben entsprechen. So lassen sich die Vorteile von No Code voll ausschöpfen, während gleichzeitig die Sicherheit und Effizienz der IT-Prozesse gewährleistet wird.

Wie lief die europaweite Implementierung von smapOne in den verschiedenen Niederlassungen?

Jeanne Merswolken: Eine der größten Hürden für die Implementierung ist die Sprache, sowohl in der Plattform selbst, aber auch im Rahmen von Trainings und Dokumentationen. Darüber hinaus ist die individuelle Motivation der Mitarbeitenden und Niederlassungen ein ausschlaggebendes Kriterium für den Erfolg und die Nutzung von smapOne, da unser Konzept dezentral aufgestellt ist.

Hürden sind aber zum Überwinden da und deshalb haben auch schon viele Erfolge zu verbuchen. Zum einen das intrinsische Interesse und Motivation von Ländern, die Digitalisierung mit No Code voranzutreiben. Zuletzt haben wir Interesse aus Spanien, den Niederlanden und Italien gemeldet bekommen. Als weiteren Erfolg würde ich auch den regionalen Austausch innerhalb der Länder zu bereits bestehenden Lösungen nennen. Dies praktizieren besonders unsere polnischen Kollegen.

Diese Erfolge zeigen, dass die Implementierung von smapOne in unseren europäischen Niederlassungen gut vorankommt und positive Auswirkungen auf die Digitalisierung in unserem Unternehmen hat.

Wie hat die No-Code-Lösung die Effizienz und Innovationskraft innerhalb des Unternehmens konkret beeinflusst?

Jeanne Merswolken: Die Einführung der No-Code-Lösung hat die Effizienz und Innovationskraft im Unternehmen maßgeblich gesteigert. Mit der Technologie sind unsere Mitarbeitenden in der Lage, eigenständig digitale Anwendungen zu erstellen, ohne auf umfangreiche Programmierkenntnisse angewiesen zu sein. Dadurch können sie selbst schnell und flexibel Digitalisierungspotenziale in ihren Arbeitsbereichen identifizieren und umsetzen.

Diese Autonomie führt zu einem erhöhten Engagement und fördert die Innovationskraft der Mitarbeitenden. Sie können kreative Lösungen entwickeln, die unmittelbar ihre Arbeit und die Prozesse im Unternehmen verbessern. Sie sind die Experten, die täglich mit den Prozessen und damit verbundenen Herausforderungen konfrontiert sind. Dadurch sind sie bedeutende Wissensträger für die digitale Transformation. Die Befähigung hat nicht nur positive Auswirkungen auf die individuelle Produktivität, sondern bietet auch Möglichkeiten zur Optimierung unternehmensweiter Abläufe.

Wie läuft die Implementierung der Apps ab?

Jeanne Merswolken: Um das für die gesamte Organisation zu nutzten, wird jede erstellte digitale Anwendung zentral geprüft. Das soll zum einen sicherzustellen, dass sie den Unternehmensstandards entspricht und zum anderen Potenziale für eine breitere Implementierung im gesamten Unternehmen identifizieren. Dies ermöglicht es uns, erfolgreiche Lösungen zu nutzen und so die Effizienz und Innovationskraft insgesamt zu steigern.

Je nach den spezifischen Anforderungen des jeweiligen Prozesses wird entschieden, ob die Lösung in der No-Code-Umgebung verbleibt oder als Grundlage für eine umfassendere systemische Implementierung dient. Diese Flexibilität ermöglicht es uns, schnell auf neue Anforderungen zu reagieren und kontinuierlich innovative Lösungen zu entwickeln.

Roger Homrich

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