Das Ende vom Anfang des digitalen Wandels

Eine interessante Prognose kam beispielsweise vom renommierten TIME Magazine, das 2015 zum Jahr erklärte, in dem die Enterprise Cloud endgültig ihren Durchbruch erlebt. Ich kann dem mit Blick auf einige aktuelle Zahlen nur zustimmen. Weltweit nutzen nicht nur 2,4 Milliarden Menschen, sondern auch mehr als 60 Prozent aller Unternehmen Cloud-basierte Dienstleistungen und bis 2017 werden 73 Prozent aller Daten in der Cloud sein. Dies zeigt eine aktuelle Studie des IT-Dienstleisters Dimension Data. Auch in Deutschland geht es trotz aller Unkenrufe mit der Cloud stetig voran, wie eine BITKOM-Befragung unterstreicht: Hier setzen bereits 44 Prozent der Unternehmen auf diese Technologie, wobei 78 Prozent der Private Cloud-Anwender und 73 Prozent der Public Cloud-Kunden damit positive Erfahrungen gemacht haben.

Und auch die Marktforscher von IDC haben in unserem Auftrag eine interessante Analyse („The Salesforce Economy“) erstellt, die den gewachsenen wirtschaftlichen Stellenwert der Cloud deutlich macht. Demnach entstehen alleine durch Salesforce und seine Partner von 2014 bis 2018 in Deutschland über 10.000 neue Arbeitsplätze und das Bruttoinlandsprodukt erhöht sich um 3,4 Milliarden Euro. Weltweit werden in diesem Zeitraum durch Salesforce Kunden und Partner laut IDC sogar mehr als 1 Million Jobs geschaffen und das Bruttoinlandsprodukt um 272 Milliarden US-Dollar gesteigert.

Die Studie erklärt dabei auch, wie die Cloud die Wirtschaft antreibt. Gemäß IDC befreit sie IT-Abteilungen von der Systemwartung und regelmäßigen Upgrades, die 71 Prozent der befragten Unternehmen stören. Diese Aufgaben bringen im Prinzip keinen Mehrwert, wenn sie perfekt ausgeführt werden, können aber bei Vernachlässigung schwerwiegende Folgen haben. Die Verlagerung solcher Routineaufgaben in die Cloud führt dazu, dass IT-Abteilungen sich wieder auf hochwertige Innovationen konzentrieren können. Dazu gehören etwa die Entwicklung neuer Apps, neuer Cloud-basierter Services oder Prozesse für neue Geschäftsbereiche, die auf dem Internet der Dinge basieren.

Cloud bringt IT vom Serverraum ins Vorstandszimmer

Die Befragten äußern bei IDC außerdem, dass die Innovationsmöglichkeiten durch die Cloud zu einer gesunden Mischung neuer Geschäftsprojekte führen. Diese reichen von kundenbezogenen Prozessen wie CRM- oder Sales-Management über betriebliche Verbesserungen im Rahmen von Demand- oder Supply-Chain-Management bis hin zu Verbesserungen der Produktivität, etwa in den Bereichen HR-Management oder Enterprise Performance Management. Der Mehrwert durch diese Innovationen ist nicht nur bemerkenswert hoch, sondern sorgt meist auch für eine organisatorische Veränderung: Er bringt sozusagen die IT aus dem Serverraum heraus in das Vorstandszimmer hinein.

IDC nennt in seiner Untersuchung zudem einige konkrete Vorteile, die Salesforce-Kunden auf Basis der Cloud erreichen. Neben einer gesteigerten Produktivität (bei 13 Prozent der Unternehmen) und geringeren Kosten (bei 28 Prozent) erzielen 58 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland gesteigerte Umsätze. Der Return on Investment wird im Durchschnitt nach 13,7 Monaten erreicht. Zusätzlich zu bekannten Vorteilen wie hoher Flexibilität und Skalierbarkeit zu geringen Kosten spricht übrigens auch nicht zuletzt der Wunsch nach größerer Datensicherheit für die Cloud. Diese Überzeugung teile ich mit dem TIME Magazine und dem in ihrem Cloud-Artikel zitierten langjährigen Windows-Chef Steven Sinofsky.

Die digitale Transformation ist in Deutschland angekommen

Die Cloud ist gemeinsam mit Mobility-, Big Data- und Analytics-Technologien ja auch einer der wichtigsten Treiber der im Moment intensiv diskutierten Digitalisierung. Schon 2014 wurde im Jahr der „Digitalen Gesellschaft“ in Deutschland intensiv darüber gesprochen, wie digitale Technologien unseren Alltag verändern. Und wie die Zukunft unserer Kommunikation, Industrie und Arbeitswelt aussieht. Zwar gibt es noch eine Menge zu tun, um gerade kleine und mittelständische Unternehmen als Motor der deutschen Wirtschaft von der Notwendigkeit und den Vorteilen der Digitalisierung zu überzeugen, man kann jedoch feststellen, dass der digitale Wandel ist auch für Unternehmen in Deutschland längst kein „Neuland” mehr ist. Immerhin 88 Prozent der Top 500-Unternehmen in Deutschland haben erste digitale Projekte gestartet. Sie sind also zumindest unterwegs in die neue, vernetzte Welt. Und damit ist Ende 2015 die erste Phase der digitalen Transformation vorbei.

Aber wie geht es weiter? Was müssen Unternehmen in der nun beginnenden 2. Phase beachten? Sie müssen auf jeden Fall schnell sein, denn Geschwindigkeit ist die entscheidende Währung im Zeitalter der Digitalisierung! Und sie müssen richtig mit Daten umgehen, die ja zu Recht schon 2013 als das neue Öl bezeichnet wurden. Daten sind nur dann interessant, wenn sie relevant sind. Und so werden sich Unternehmen von  “Systems of Record” über “Systems of Engagement” 2016 sogenannten “Systems of Intelligence” zuwenden.

Warum die intelligente Verwendung von Daten eine Schlüsselrolle in der 2. Phase der digitalen Transformation spielt

Unternehmen haben schon immer Informationen über ihre Kunden gesammelt. Die Anforderungen zur Verwendung dieser Daten und damit auch die Anforderungen an die IT-Systeme haben sich jedoch in Zeiten der digitalen Transformation fundamental gewandelt. Früher nutzten Unternehmen sogenannte “Systems of Record”, wie der Erfolgsautor Geoffrey Moore sie treffend bezeichnete. Mit diesem Begriff waren ERP-Systeme, Datenbanken und RZ-Infrastrukturen gemeint, in denen große Datenmengen und Transaktionen möglichst effizient gespeichert und verwaltet werden. Es folgte 2011 das Konzept der “Systems of Engagement”, bei dem die Interaktion und Kollaboration mit Menschen im Vordergrund steht. So kann eine Fluglinie dem Kunden nicht nur das selbstständige Einchecken bei einem Flug über ein mobiles Gerät inklusive Platzwahl ermöglichen, sondern sich mit ihm über den von ihm bevorzugten Kommunikationskanal über seine Zufriedenheit mit dem Flug und die gewünschte Prämie für die erzielten Flugmeilen austauschen. Auch das reicht jedoch heute nicht mehr aus, angesichts gestiegener Kundenerwartungen müssen Unternehmen die gewonnenen Informationen über ihre Kunden und deren Vorlieben besser für sich nutzen, dafür benötigen sie sogenannte “Systems of Intelligence”.

Diese Lösungen müssen es Unternehmen ermöglichen, existierende Daten und Informationen auf Basis von Algorithmen für die Erstellung intelligenter Voraussagen und Prognosen zu nutzen. Also beispielsweise im Service dafür sorgen, dass Kundenanfragen dem Mitarbeiter zugewiesen werden, der die größte Erfahrung mit dem Thema oder dem Kunden hat. Oder im Marketing ermöglichen, seinen Kunden individuell passende Angebote im richtigen Moment über den passenden Kanal zu machen, die für ihn interessant sein könnten. Oder wie unser Kunde Koenig & Bauer, der älteste und zweitgrößte Druckmaschinenhersteller der Welt, Fehler auf Basis von Internet of Things-Technologien schon im Voraus beheben, bevor sie zum Ausfall einer Maschine führen. Diese Beispiele zeigen, wie Unternehmen die digitalen Weichen für 2016 richtig stellen können.

(Infografik: Salesforce.com)
Martin Schindler

Martin Schindler schreibt nicht nur über die SAPs und IBMs dieser Welt, sondern hat auch eine Schwäche für ungewöhnliche und unterhaltsame Themen aus der Welt der IT.

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