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Industrie 4.0 – gute Vorsätze für 2015

Das Jahr 2014 wurde stark vom digitalen Konvergenzkonzept Industrie 4.0 geprägt. In Gartners letzter Kundenumfrage im November 2014 wurde die Rolle von Industrie 4.0 als Differenzierungsfaktor für den Industriestandort Deutschland angesprochen. Ungefähr 60 Prozent der Befragten gaben an, dass diese Initiative das Potential hat, Markttransparenz und Wettbewerbsfähigkeit zu fördern. Diejenigen, die Industrie 4.0 kritisch gegenüberstehen, gaben an, dass die Integration und die Ausrichtung von Leitprinzipien des Konzepts sehr schwierig und komplex sein werden und zu hohen Kosten führen können. Das Spektrum der Antworten spiegelt die zentrale Frage der Ausrichtung von Industrie 4.0 wieder. Handelt es sich hier für Unternehmen um eine Technologieentscheidung, die die Automatisierung von bestimmten Produktionsprozessen und Infrastruktur herbeiführt oder um einen grundsätzlichen Strategiewandel?

Die Differenzierung von Industrie 4.0 zu Smart Manufacturing oder Internet der (industriellen) Dinge besteht in dem ganzheitlichen Ansatz, der neben digitalen Technologien und Dienstleistungslösungen auch Anforderungen an den demographischen Strukturwandel von Arbeitsplätzen, Unternehmenskultur und Innovations- beziehungsweise Entwicklungsgeist stellt. Absatzmärkte von morgen sind transparent in Angebot, Preis und Qualitätsmerkmalen und wachsen schnell, besonders in den Kundenansprüchen. Produkte und Lösungen im Hochtechnologiemarkt werden kundengerecht und fast “maßgeschneidert” den Kundenwünschen angepasst. Lieferketten synchronisieren sich in Echtzeit gemäß den Anforderungen von dezentralen Standorten und Zulieferern. Ist das Zukunftsmusik? Nicht wirklich.

Die Unternehmen, die bereits Ansätze von Industrie 4.0 für Fertigung als Rahmenwerk nutzen, sehen Vorteile durch den Einsatz von Echtzeitanalysen der Fertigungsprozesse und der dazugehörigen Optimierung von Geschäftsabläufen, Verbesserung der Qualitätsüberwachung, Ressourcen-Einsparungen, Auslastungseffizienzen und vorbeugenden Wartungsmaßnahmen. Die dazu notwendige Technik ist im Prinzip bei verschiedenen Technologieanbietern der Fertigungsautomatisierung, Sensorik und IoT (Internet of Things) sowie der Robotik und von Cyber-physikalischen Systemen zu finden. Deren Integration mit Steuerungssystemen für Geschäftsprozesse und der Unternehmung als “Ganzes” ist jedoch von der Unternehmensstrategie abhängig.

Diese Strategie beeinflusst die Bandbreite der Einfluss- und Einsatzbereiche von Industrie 4.0. Wo gehört die Ausführung von Industrie 4.0-Projekten hin? In die Fachbereiche oder in die Unternehmensführung? Welche Rolle nehmen die CIOs, Chief Supply Chain Officers, Leiter der Beschaffungslogistik und die geschäftsbezogenen Bereichsleiter ein? Gartner[1] sieht die Chefs bei der Einführung von Industrie 4.0 in der Pflicht. Industrie 4.0 gehört in die Unternehmensstrategie, um die vollen Potentiale auszuschöpfen und die Risiken auszugleichen.

In 2015 wird Gartner eine Research-Initiative zum Thema Industrie 4.0 beginnen, um die intellektuelle Moderation zwischen den Funktionen IT, Fachbereichen und Strategie sowie den dazugehörigen technischen Komponenten mit den Geschäftsprozessen zu ermöglichen. Dazu wird am 19. Februar 2015 ein Executive Workshop mit dem Titel Industrie 4.0 & Lieferkettensichtbarkeit in den Gartner-Räumlichkeiten in Frankfurt stattfinden, der die Wettbewerbsvorteile und technischen Faktoren aufzeigen wird, um intelligente Wertschöpfungsnetze zu erzeugen. Diese werden für jeden Industriezweig und den öffentlichen Sektor variieren, und nur so wird eine mehrschichtige und prioritätengetriebenen Strategiebetrachtung zum Erfolg führen. Ein guter Vorsatz für 2015!

[1] Gartner: Industrie 4.0 – The ten Things the CIO Needs to Know. Futher information can be found on Gartner.com.

Martin Schindler

Martin Schindler schreibt nicht nur über die SAPs und IBMs dieser Welt, sondern hat auch eine Schwäche für ungewöhnliche und unterhaltsame Themen aus der Welt der IT.

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