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Industrie 4.0: Querdenker und überraschende Allianzen

Auch knapp ein Jahr nach meinem Antritt als Geschäftsführer von SAP Deutschland ist kaum ein Thema bei unseren Kunden so präsent wie die vierte industrielle Revolution. Doch wie weit ist die deutsche Industrie bei diesem für sie so wegweisenden Thema? In den Bereichen Automobil- und Fertigungsindustrie, aus denen ich ursprünglich komme, gibt es bereits eine ganze Reihe beeindruckender Projekte. Und doch sind die Potentiale noch längst nicht ausgeschöpft. So gaben in einer weltweiten Befragung von SAP und Oxford Economics nur drei Prozent der Führungskräfte an, dass sie eine unternehmensweite Digitalisierung erreicht haben.

Die “Digital Factory” auf der Hannover Messe 2017. (Bild: Hannover Messe)

Eine Investition, die sich auszahlt

Eine ganzheitliche digitale Gesamtstrategie über die reine Maschinenebene hinaus ist aber unerlässlich, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Unternehmen müssen vielmehr die komplette Wertschöpfungskette bis hin zum Endkunden und den gesamten Produktlebenszyklus betrachten. Damit einher geht die Fähigkeit, konkurrenzfähige digitale Dienste in einem starken Geschäftsnetzwerk anbieten zu können.

Vor der Wertschöpfung steht natürlich zuerst die Investition. Von Kunden höre ich daher des Öfteren die Frage nach dem Return on Investment. Hier lohnt es sich, langfristig zu denken: Gerade in wettbewerbsintensiven Bereichen mit hohem Margen- und Kostendruck zahlen sich Investitionen in die Industrie 4.0 auf lange Sicht aus, da Profilierung durch Innovation einen gewinnenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz darstellt. Erfolgsfaktoren sind hier vor allem aufmerksamkeitsstarke Projekte sowie überraschende Produkte und Services.

Marktplatz der Innovationen

Zur Entwicklung solcher innovativen Lösungen hilft es, einmal quer zu denken, kreativ zu werden und sich mit anderen Branchen zu verbünden. Ein anschauliches Beispiel bei der bedarfsorientierten Fertigung liefert UPS. So setzt das Logistikunternehmen zusammen mit einem 3D-Druck-Dienstleister auf ein Shared-Services-Modell zur Fertigung von Prototypen und kritischen Ersatzteilen für Geschäftskunden, sodass diese auf Abruf produziert und sofort verschickt werden können.

Solche branchenübergreifenden, kooperativen Geschäftsmodelle setzen sichere Möglichkeiten zur Vernetzung voraus. Auf cloudbasierten Kollaborationsplattformen wie SAP Distributed Manufacturing können Produkthersteller, Kunden, Anbieter von 3D-Druckern, Dienstleister aus der additiven Fertigung oder der Logistik künftig ihre Bedarfe, fachlichen Kernkompetenzen und damit einhergehenden Services anbieten und in Geschäftstransaktionen zusammenführen – so entsteht ein neuer Marktplatz der Innovationen.

Auch die Digitalisierung der Service- und Aftermarket-Prozesse wird maßgeblich von branchen- und rollenübergreifenden Kooperationen profitieren. Mit SAP Leonardo Asset Intelligence Network beispielsweise bieten wir den beteiligten Stakeholdern auch in diesem Bereich ein sicheres Umfeld, das Maschinenbauer, Komponentenhersteller, Maschinenbetreiber, technische Dienstleister oder Serviceingenieure zusammenbringt.

Routinen überwinden

Wenn sich Geschäftsmodelle wesentlich verändern und neue Ansätze entstehen, ist eine exakte Investitionsrechnung vorab schwierig. Schließlich müssen sich digitalisierte Dienstleistungen und neue Geschäftsmodelle genauso wie ihre Marktakzeptanz erst entwickeln. Design-Thinking-Workshops bieten hier eine wirksame Möglichkeit, mit neuen Methoden Zukunftsoptionen zu erarbeiten und zu bewerten. Cloudbasierte Lösungen erlauben es Unternehmen, mit verhältnismäßig geringen Anfangsinvestitionen Neues zu kreieren. Neben solch neuen Herangehensweisen an Projekte sind auch Förderprogramme wie der SAP IoT Startup Accelerator von zentraler Bedeutung. Hier können Startups zusammen mit Kunden und erfahrenden Entwicklern kreativ werden, Bestehendes in Frage stellen und gemeinsam Innovationen schaffen.

Vertrauen in die professionelle Cloud

Was das Management von Daten betrifft, so müssen sich die Unternehmen der Industrie 4.0 den Realitäten der Shared-Economy stellen. Die Angst vor einem Verlust von Know-how ist jedoch unbegründet: Firmen können ihre Daten teilen und trotzdem “souverän” bleiben. Möglich macht dies eine professionell gemanagte Cloud mit klaren Regelungen über Nutzungs- und Eigentumsrechte unter Partnern. Cloud-Plattform-Anbieter wie SAP sind hierbei als Treuhänder von Kundendaten zu verstehen und sorgen dafür, dass Kunden sich nicht um die Infrastruktur und den sicheren Betrieb ihrer digitalen Service-Plattformen kümmern zu müssen. So können sie sich voll auf ihre neuen digitalen Geschäftsmodelle konzentrieren.

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Martin Schindler

Martin Schindler schreibt nicht nur über die SAPs und IBMs dieser Welt, sondern hat auch eine Schwäche für ungewöhnliche und unterhaltsame Themen aus der Welt der IT.

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