Innovation in der Fabrik – Vier Szenarien für 2023

Laut einer aktuellen Gartner-Umfrage sehen mehr als ein Drittel der CIOs in der Fertigungsindustrie Wachstum als oberste Priorität für ihre Unternehmen an. Doch in der Fabrik konzentriert man sich eher auf die Gegenwart. Die Unternehmen müssen schließlich ihre Aufträge im Auge behalten und dafür sorgen, dass der Betrieb effizient läuft.

Doch die Frage bleibt: Wie werden Unternehmen in Zukunft mit technologischen Disruptionen und sich ändernden Rahmenbedingungen umgehen? Bei der Beantwortung spielt der CIO eine entscheidende Rolle.

Frank Ridder, der Autor dieses Beitrags, ist Managing Vice President bei Gartner Research und leitet ein globales Analysten-Team im Industrie- und Fertigungsbereich. Neben der Leitung des globalen Research-Teams unterstützt er Organisationen in den Bereichen Industrie 4.0, Digitalisierung sowie bei Fragen rund um das Sourcing von IT-Services. Herr Ridder ist ein führender Autor zu Multisourcing-Kompetenzen, Industrie 4.0 und Cloud Sourcing, wofür er den Gartner „Thought Leadership Award“ 2012 gewann.

Wir sehen Entwicklungen, die die Fertigungsindustrie bis 2023 verändern werden – zum Beispiel der zunehmende Fokus auf individualisierte Produkte und „Losgröße eins“-Strategien. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt in die eigene Zukunft zu blicken.

Gartner hat für das Jahr 2023 vier Innovations-Szenarien für Hersteller entwickelt. Diese sollen CIOs bei der Entscheidung zu unterstützen, ob sie ihre Organisationen jetzt verändern sollten und wie sie IT-Initiativen planen und durchführen können.

Jede Fabrik ist anders. Deshalb gibt es keine “guten” oder “schlechten” Szenarien. Jedes Szenario ist auf einen bestimmten Typ von Fertigunsgbetrieb zugeschnitten und mit seinen eigenen Vorteilen und Risiken verbunden. Außerdem kann es eine Mischung aus Szenarien und parallele Szenarien geben, die sich in verschiedenen Unternehmensbereichen abspielen.

  1. Systematisches Szenario: Beschützt das Franchise
  2. Unternehmen in diesem Szenario sehen sich in der Regel mit einheitlichen Kundenanforderungen konfrontiert und bevorzugen eine strukturierte Vorgehensweise bei Veränderungen. Sie sind etabliert, verfügen über bekannte Marken und haben eine starke Marktpräsenz. Beides soll auf jeden Fall bewahrt werden. CIOs mit Innovationsabsichten müssen sich mit langen Planungszyklen und hohen finanzielle Hürden für Technologieinvestitionen auseinandersetzen.

  3. Opportunistisches Szenario: Die richtigen Dinge besser und schneller tun
  4. Auch opportunistische Hersteller arbeiten mit einheitlichen Kundenanforderungen, aber ihr Veränderungsansatz ist viel fließender. Im Jahr 2023 werden sie versuchen, einen einheitlichen Markt zu segmentieren, um mehr Absatzmöglichkeiten zu schaffen und ihren Marktanteil zu erhöhen. CIOs finden ein offenes Ohr für neue Ideen und niedrige ROI-Hürden, müssen aber kostenbewusst bleiben, um die Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden.

  5. Experimentelles Szenario: Innovation mit Daten vorantreiben
  6. Im Jahr 2023 werden die Hersteller in diesem Szenario über ein großes Portfolio an modularen, wertorientierten Produkten und Dienstleistungen verfügen, die sie ohne wesentliche Prozessänderungen oder Qualitätseinbußen einfach und schnell ändern oder verbessern können. Ihr Erfolg basiert auf Data & Analytics und sie sind stark auf Daten angewiesen, um Entscheidungen zu treffen und neue Trends zu identifizieren. Die Führungskräfte wissen, dass sie innovativ sein müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der CIO ist mehr als willkommen in kleinem Umfang Innovationen anzustoßen und die Investitionen zu steigern, wenn das Projekt erste positive Ergebnisse erzielt.

  7. Uneingeschränktes Szenario: Wegbereiter für neue Branchen
  8. Ein uneingeschränktes Unternehmen ist nicht unstrukturiert. Da es aufgrund der Nachfrage der Kunden nach einzigartigen Produkten einen flüssigeren Ansatz für Veränderungen verfolgt, konzentriert es sich sehr stark auf die Etablierung eines Rufs als Pionier und Innovator. Uneingeschränkte Hersteller sind bereit, Risiken einzugehen, um ihre Marke zu etablieren. Der CIO muss seinen Beitrag leisten, indem er sich auf Technologien konzentriert, die die logistische Effizienz steigern.

Kai Schmerer

Kai Schmerer ist Redaktionsdirektor bei NetMediaEurope in Deutschland. Er begann 2000 als Mitglied der Redaktion bei der silicon.de-Schwesterpublikation ZDNet und ist seit 2008 deren Chefredakteur.

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