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Schlafwandeln durch Big Data-Land

“Daten sind das neue Öl.”, interessanterweise kommt dieses Zitat von einer EU-Politikerin (Meglena Kuneva) aus dem Jahr 2009, lange bevor Big Data in aller Munde war. Es wäre also genug Zeit für die deutsche Industrie geblieben, sich auf das neue Öl einzustellen. Als Gartner Analyst bekomme ich im Moment viele Anfragen zu den Themen Big Data, Hadoop & Hadoop-Security. Geografisch gesehen, sind nur sehr wenige Anfragen davon aus Deutschland oder der EU und es wird langsam Zeit sich zu fragen, woran das liegt.

Hypothese eins: “Big Data ist ein Hype”: Dagegen spricht, dass das World Economic Forum sich schon 2010 und 2011 mit dem Wert von Daten für die Betriebs- und Volkswirtschaft beschäftigt hat und alle Ergebnisse bisher darauf hindeuten, dass Daten innerhalb kurzer Zeit zu einer eigenen Asset-Klasse werden, die sich in der Unternehmensbilanz mit einem Wert in Euro beziffern lässt – genauso wie Immobilien, Produktionsgüter oder Patente.

Hypothese zwei: “Kapuzenpullis gegen Ingenieure”: Big Data und die verwendeten Technologien und Paradigmen bedeuten nicht zuletzt einen Generationenwechsel. Traditionelle relationalee Datenbanken wurden von Ingenieuren in Anzügen verkauft und administriert. Wissenschaftler, Architekten und Consultants, die sich an Theoreme hielten und sich ihre ganze Karriere lang so verhalten haben, als wäre das CAP-Theorem Gott gegeben. Big Data wurde aber nicht von Ingenieuren erfunden. Big Data ist eine Domäne der Kapuzenpullis, der pfiffigen Studenten, die sich nichts einreden lassen. Dieser Menschentyp implementiert gerne einmal Lösungen in Unternehmen, die gegen alle Theoreme und Vertriebskanäle verstoßen – vorausgesetzt das Unternehmen spart damit Millionen ein. Doch Deutschland ist ein Land der Bodenständigkeit und der Ingenieure.

Hypothese drei: “Ich verwende kein Big Data”: Big ist relativ. An Universitäten und in der Industrie spricht man häufig über 3V-Daten: Volume, Variety und Velocity. Big Data besitzt jede Komponente der 3Vs, aber nicht jedes Big Data hat jedes V im gleichen Maß.

Big Data beinhaltet alle Daten, die eine Herausforderung für traditionelle Technologien darstellen – manchmal weil das Volumen so groß ist und manchmal, weil Big Data wie die sprichwörtlichen Kraut und Rüben strukturiert ist. Manchmal aber auch, weil es schnelle Datenströme sind. Jedes Unternehmen beinhaltet mindestens eine der Dimensionen und kann folglich von den neuen Technologien profitieren. Abgesehen davon gibt es einige europäische Konzerne (z.B. eine Supermarktkette aus UK mit ihrer Loyality Card), die zumindest schon einmal mit Big Data in den Schlagzeilen waren. Generell besitzen viele Sektoren interessante und potentiell wertvolle (personenbezogene) Daten. Daten, die umso wertvoller werden, je öfter man sie teilen kann (sprich: an Dritte weiterverkaufen). Die Datenschutzbedenken sind zugegebenermaßen gegenwärtig ungelöst.

Liebe CEOs, CIOs und CISOs, etwas mehr Interesse und Kreativität bitte! Man kann beispielsweise zweigleisig fahren: Zum einen so weiter machen wie bisher und Ansätze finden, wie und wo man von den neuen Technologien profitieren kann – auch wenn man der Philosophie (oder den Paradigmen) dahinter nur zur Hälfte folgt. Zum anderen muss man sich darüber klar werden, dass die neuen Technologien nicht zum Ziel haben, traditionelle IT (ERP, Softwareentwicklung etc.) zu emulieren, sondern neue Anwendungen zu ermöglichen. Insbesondere digitale Anwendungen. Gartner nennt das den “Nexus of Forces“. Viele Unternehmen haben derzeit Probleme damit, an dem Traum wie die Informationsgesellschaft 2.0 aussehen könnte oder soll, weiterzuträumen und mitzubauen. Liebe CEOs, CIOs und CISOs, ihr seid damit also nicht allein. Keiner kennt die Zukunft und oft ist es gut, einfach nur schnell auf das reagieren zu können, was einem über den Weg läuft. Aber um reagieren zu können, muss man trainiert sein und genau wissen was läuft. Schlafwandler stolpern.

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Redaktion

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