Social-Business-Realität: Luxus, den wir uns leisten

Aktuell arbeite ich in einem sehr umfassenden Qualifizierungsprojekt mit. Es gilt eine große Anzahl von Mitarbeitern für eine neu geschaffene Software zu schulen. Ziel dieser Webanwendung ist, dass alle beteiligten gemeinsam die Daten in einem System verwalten. Unabhängig wo und für welchen Betrieb sie arbeiten. Mindestens fünf verschieden Benutzergruppen in ebenso vielen unterschiedlichen Bereichen sollen die Anwendung in ihrem Arbeitsgebiet einsetzen. Am Ende haben alle Anwender Zugriff auf die Daten, können sehen wie der aktuelle Stand ist und können für ihren Bereich die notwendigen Auswertungen durchführen. Bis hierher nichts Neues und schon seit sehr vielen Jahren gängiger Standard in der IT.

Bei Prozessdaten jeglicher Art ist diese gemeinsame Arbeitsform mittlerweile selbstverständlich. Bei den notwendigen Auswertungen auch. Ebenso bei den daraus erstellten Berichten und Schriftstücken. Aber wenn es um die Kommunikation im Allgemeinen oder aber auch in diesem speziellen Umfeld geht, verabschieden sich alle Beteiligten wieder und gehen zurück in ihre lokale Inbox. Wie selbstverständlich nehmen die Akteure es hin, dass sie an dieser Stelle nicht mehr gemeinsam arbeiten. Sie verwenden sehr viel Arbeitszeit damit, ihre eigene Ablage aufzubauen. Auch erdulden sie es, dass ihnen wichtige Informationen nicht vorliegen, obwohl es eigentlich in ihrem Aufgabengebiet liegt. Nur wusste das zu diesem Zeitpunkt wohl der Absender der E-Mail nicht. Und wahrscheinlich haben sie sich in all den Jahren daran gewöhnt, viel Zeit mit suchen zu verbringen oder alternativ komplett auf bestimmte Informationen zu verzichten.

Ich halte das für einen großen Luxus in unserer Zeit. Warum wird auf der einen Seite viel Geld investiert, damit nicht jeder seine eigenen Kalkulationen pflegt. Auf der anderen Seite verzichten viele auf eine deutliche Verbesserung ihrer Kommunikation im Unternehmen. Noch immer gibt es eine große Unkenntnis in Betrieben darüber, dass man schon seit über 20 Jahren zum Beispiel mit Hilfe eines Forums oder ähnlichem gemeinsam erfolgreich (!) kommunizieren kann. Auch ist weiterhin vielen unbekannt, dass es schon über zehn Jahre Blogs und Wikis gibt, die man für den gemeinsamen Austausch oder das Erarbeiten von Informationen benutzen kann. Von Enterprise 2.0 oder sozialen Plattformen braucht man in diesen Kreisen erst gar nicht anfangen.

Als “Experte” in diesem Gebiet liest man – so die Gefahr – vor allem die Artikel, die die tollsten Produkte und Lösungen zeigen oder man hört von Kollegen oder bei Vorträgen die großartigsten Erfolgsgeschichten. Und gelangt zu der Überzeugung, dass das für alle bereits selbstverständlich Werkzeuge sind.

Durch viele Gespräche in den letzten Wochen, den Diskussionen auf der CeBIT und aktuellen Projekten merke ich, dass das Thema sicherlich weit verbreitet ist und viele Unternehmen sich damit auseinandersetzten. Aber es gibt noch immer eine sehr verbreitete Unkenntnis,

  • über die verfügbaren technischen Möglichkeiten, die den Unternehmen aktuell zur Verfügung stehen und
  • über die Chancen (und natürlich auch eventuellen Risiken bzw. den garantiert auftretenden Veränderungen), die sich bei einem Einsatz ergeben.

Während einige Unternehmen bereits erfolgreich den Weg einer gemeinsamen Kommunikation eingeschlagen haben, gibt es noch immer bei vielen Firmen eine große Unwissenheit über die Chancen und Möglichkeiten einer moderne Unternehmenskommunikation.

Wie gesagt, ich halte das für Luxus.

Redaktion

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