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Vom Spielzeug zum Werkzeug

Neulich musste ich den Installateur rufen, um einen neuen Wasseranschluss legen zu lassen. An sich keine große Sache. Doch dann wurde der neue Anschluss plötzlich aufschlussreich. Und zwar auf ganz andere Weise, als ich gedacht hätte. Denn als er fertig war, zückte der Mann nicht etwa sein Klemmbrett, um sich die Arbeit bestätigen zu lassen. Stattdessen holte er seinen Tablet hervor, gab schnell ein paar Dinge ein und ließ mich dann elektronisch unterschreiben. Ich war echt baff. Es war doch gefühlt erst gestern, dass wir alle die ersten iPads noch als nette Gadgets für Manager belächelt hatten. Und jetzt stand da mein Installateur und sagte auf meine erstaunte Nachfrage: „Ich spare mir dadurch jeden Tag mehr als eine Stunde Bürokram nach der Arbeit.“

Business „mit Touch“

Spätestens da wird klar: Wir befinden uns gerade in einer viele größeren Umwälzung, als wir noch vor kurzem für möglich gehalten hätten. Nicht mehr nur die Führungsebene und Sales verlassen sich auf Smartphone & Co. Das mobile Büro mit Touchscreen hat heute alle Ebenen, Fach- und Tätigkeitsbereiche erobert. Was mit Notebooks und WLAN langsam begann und mit Blackberry und Smartphones Fahrt aufnahm und hat mit den Tablets nun Hyperraum-Geschwindigkeit erreicht.

Einer kürzlich veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung PwC zufolge laufen Smartphones und Tablet Computer dem Personal Computer bei der Nutzung von Informationen und Unterhaltung aus dem Internet in Kürze den Rang ab: Demnach werden bis Ende 2017 etwa 54 Prozent der Inhalte über mobile Breitbandnetze empfangen und 51 Prozent über das Festnetz.

In die gleiche Richtung geht eine Studie von Alfresco, derzufolge Tablets die Geschäftswelt im Sturm erobert haben. 59 Prozent der befragten Unternehmen aus den Bereichen IT, Finanzen, Gesundheitswesen, Behörden, Schulen und Universitäten gaben an, in ihrer Institution kämen Tablets häufig oder gar ständig zum Einsatz. Jeder Dritte nimmt ihn statt des Computers mit auf Geschäftsreise. Damit wird der Laptop zunehmend an den Schreibtisch verbannt. Entsprechend hat sich der Absatz von Tablets im Jahr 2012 mehr als verdoppelt – Tendenz weiter steigend.

Software für Büro-Nomaden

Immer mehr Arbeitnehmer entwickeln sich von ehemals sesshaften Büro-Arbeitern zu Mobile-Office-Nomaden. Jene, die immer schon viel unterwegs waren, wie Außendienst oder Wartungsmitarbeiter, kehren kaum mehr ins Büro zurück oder haben gar keinen festen Arbeitsplatz mehr. Aber auch klassische Kopfarbeiter mit viel „Innendienst“ lösen sich mehr und mehr vom Schreibtisch und sind auf dem Arbeitsweg oder im Home Office ebenso produktiv wie im Unternehmen. Das moderne Office wird immer unabhängiger von der physischen Anwesenheit. Es ist kein fester Ort mehr, sondern ist dort, wo sich das entsprechende Endgerät und sein Besitzer befinden. Das ist mal das Smartphone, mal das Tablet und weiterhin immer wieder auch der stationär verkabelte Laptop oder Computer.
Was folgt daraus für „uns in der IT“? Wir müssen uns alle auf eine ganz neue Vielfalt von Endgeräten einstellen – egal, ob Software-Hersteller oder Anwenderunternehmen. Als Software-Anbieter müssen wir dafür sorgen, dass Anwendungen selbstverständlich auf allen Bildschirmgrößen und mit allen Bedienoberflächen zur Verfügung stehen und produktiv zu bedienen sind. Oberflächen müssen universeller und intelligenter werden und sich von selbst dem jeweiligen Endgerät anpassen. Und selbstverständlich ist es nötig, dass egal von welchem Gerät aus gearbeitet wird, alles immer „in Sync“ bleibt.

Das stellt hohe Anforderungen an die darunter liegende Systemarchitektur, um Inhalt nicht unnötig zu replizieren und Änderungen für andere Team-Mitglieder sofort verfügbar zu machen.
Doch auch dieVerantwortlichen in den Unternehmen, insbesondere den CIOs, fällt damit eine große Verpflichtung zu. Wenn sie auf Dauer den Anschluss nicht verpassen wollen, müssen sie jetzt Vorbereitungen treffen, um mit den Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter Schritt zu halten. Nur so werden sie am Ende in der Lage sein, deren Produktivität und Zufriedenheit sowie die eigenen Sicherheitsbedürfnisse im mobilen Geschäftsalltag in Einklang zu bringen. Die gute Nachricht dabei ist: Die Mehrheit der Initiativen, Tablets im Unternehmen produktiv einzusetzen, geht bereits heute von der IT-Abteilung aus. Diejenigen, die die Entwicklung des Tablets vom Spielzeug zum Werkzeug jetzt mitgehen, stellen die Weichen für zukünftigen Erfolg.

Martin Schindler

Martin Schindler schreibt nicht nur über die SAPs und IBMs dieser Welt, sondern hat auch eine Schwäche für ungewöhnliche und unterhaltsame Themen aus der Welt der IT.

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