Holger Nicolay

ist Business Development Manager beim Colocation-Spezialisten Interxion.

CloudCloud-Management

Zukunft der Rechenzentren – Die Multi-Clouds kommen!

Multi-Cloud soll dazu führen, dass Unternehmen jeweils die optimale Lösung für ihre jeweiligen Anforderungen nutzen. Doch damit steigt auch die Komplexität. Neben der Cloud-Migration setzt sich daher sukzessive eine weitere Outsourcing-Methode durch: Colocation.

Dem im Auftrag des Marktforschungsinstituts TechNavio erstelltem Report “Global Hyperscale Data Center Market 2017-2021“, wird der Markt für große Rechenzentren im Untersuchungszeitraum weltweit mit einer jährlichen Rate von 11 Prozent sinken. Einer der Hauptgründe ist die zunehmende Nutzung von Cloud-basierten Storage-Systemen durch Unternehmen.

Multi-Cloud (Bild: Shutterstock.com/bluebay)

Die explosionsartig zunehmende Datenmenge erfordert viel Speicherplatz, wobei die Anforderungen je nach Größe und Branche des Unternehmens variieren. Doch mit dem Trend zum Internet der Dinge (IoT) wird die Datenspeicherung im eigenen Rechenzentrum immer teurer. Daher haben viele Unternehmen damit begonnen, ihre Daten in Cloud Storage (STaaS) zu verschieben, indem sie Dienstanbieter wie Microsoft Azure, Amazon Web Services und die Google Cloud Platform auswählen.

Die Nachfrage hat sich aber auch aufgrund der reduzierten Kosten, der besseren Skalierbarkeit und der hohen Verfügbarkeit Cloud-basierter Storage-Infrastrukturen erhöht. Das heißt konkret: Anwender konsolidieren Rechenzentren auf Basis ihrer Cloud-First-Strategien und überführen einen immer größeren Teil der Infrastruktur in die Cloud. Immer weniger Unternehmen werden daher auf Dauer ein On-Premise-Datacenter betreiben, sondern Dienstleister wie Cloud- und Colocation-Provider mit dem Betrieb der IT-Infrastruktur beauftragen.

Kleine Unternehmen agiler als Große

Überraschend ist dabei, dass kleine und mittelständische Unternehmen oft schneller und stärker von einer Cloud-Migration profitieren. Für sie ist der Aufwand für den Betrieb eines Rechenzentrums im Verhältnis zu ihrer Größe deutlich höher. Zudem gelten sie bei gut ausgebildeten Fachkräften im Vergleich zu bekannten Konzernen als weniger attraktiv. Gegen den Fachkräftemangel bildet die Auslagerung von Prozessen, Anwendungen und Infrastrukturen in die Cloud eine probate Lösung – bei höherer Flexibilität und Skalierbarkeit.

Server im Rechenzentrum (Bild: Shutterstock/Stefan Petru Andronache)

In großen Unternehmen sprechen aber auch wirtschaftliche Gründe für eine stärkere Weiternutzung der eigenen Rechenzentren. Sie besitzen häufig einen höheren Bedarf für die Vernetzung zahlreicher Standorte. Dieser lässt sich mit Hilfe von On-Premise-Systemen zuweilen noch besser erfüllen. Zudem ist es aufgrund der hohen benötigten Kapazitäten oft günstiger für sie, die Aufgaben aus eigenen Mitteln zu erledigen.

Gleichzeitig haben viele Konzerne noch Einsparungspotenzial durch die Konsolidierung ihrer verschiedenen Rechenzentren. So hat die genannte Studie festgestellt, dass große Unternehmen dadurch bis zu 30 Prozent Kosten und 55 Prozent Energie einsparen können, während sie die Sicherheit um bis zu 35 Prozent und die Effizienz um 50 Prozent erhöhen.

Tatsächlich werden aber auch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen die eigenen Rechenzentren nicht ganz verschwinden. So erfordern zum Beispiel Compliance-Vorschriften in diversen Branchen, dass bestimmte Daten nicht aus der Hand gegeben werden. Auch aus Eigeninteresse möchten Unternehmen vertrauliche Daten oder kritische Infrastrukturen unter eigener Hoheit behalten, um möglichen Missbrauch oder Störungen durch Externe zu vermeiden. Zwar haben sich Sicherheit, Performance und Zuverlässigkeit der Cloud-Angebote inzwischen deutlich erhöht und können durchaus mit On-Premise-Rechenzentren konkurrieren, trotzdem fühlen sich vor allem mittelständische Unternehmen mit Eigenlösungen wohler. Zudem lassen sich einige selbstentwickelte Anwendungen gar nicht in die Cloud auslagern.

Vorteile und Nachteile hybrider Strategien

Die Entscheidung für oder gegen die Cloud ist aber meist keine Alles- oder Nichts-Wahl. Fast jedes Unternehmen setzt inzwischen hybride Lösungen ein, mit denen es das Beste aus beiden Welten miteinander kombiniert. In der Regel kommen bereits mehrere Clouds verschiedener Anbietern zum Einsatz. Laut der Studie “State of the Cloud” (PDF) von RightScale laufen Anwendungen im Durchschnitt auf zwei Public Clouds und zwei Private Clouds sowie testweise in zwei weiteren Clouds jeder Kategorie, so dass insgesamt acht unterschiedliche Clouds zusammenkommen.

Diese Multi-Cloud soll dazu führen, dass Unternehmen jeweils die optimale Lösung für ihre jeweiligen Anforderungen nutzen. Doch damit steigt auch die Komplexität für das Management, da jeder Anbieter sein eigenes Dashboard mitbringt. So ist es keine leichte Aufgabe, die verschiedenen IT-Umgebungen zu integrieren und zu orchestrieren, um sie effizient zu verwalten und optimal zu konfigurieren.

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Daher setzt sich gemäß 451 Research neben der Cloud-Migration sukzessive eine weitere Outsourcing-Methode durch: Colocation. Diese bietet eine perfekte Ergänzung, da Unternehmen sensible Anwendungen und Daten in einer gut geführten, robusten und sicheren Infrastruktur laufen lassen – mit strengen SLAs für Performance und Verfügbarkeit. Gleichzeitig erübrigen sich durch den Einsatz von Colocation die Komplexität und Kosten für den Betrieb eines eigenen Rechenzentrums.

Als Teil einer hybriden Strategie vereinfacht der Ansatz auch deutlich die Integration verschiedener Cloud-Plattformen. Denn Cloud-affine Colocation-Anbieter stellen private Zugänge für die großen Public Cloud Provider zur Verfügung wie Microsoft ExpressRoute und AWS Direct Connect. Dies gewährleistet hohe Performance und skalierbare Konnektivität zu verschiedenen Clouds durch eine einzige Verbindung.

Mittels Colocation können CIOs die Vorteile der Cloud unter Umgehung ihrer Nachteile nutzen. Dadurch wird das eigene Rechenzentrum quasi obsolet. Laut IDC gab es im Jahr 2015 mit weltweit 8,55 Millionen einen zahlenmäßigen Höchststand an Data Centern. Im vergangenen Jahr fiel die Zahl auf 8,4 Millionen und bis 2021 werden es laut IDC-Prognose nur noch 7,2 Millionen sein. Gleichzeitig reduziert sich die Gesamtzahl an Quadratmetern RZ-Fläche. Zudem hat IDC festgestellt, dass im Jahr 2005 noch 90 Prozent der Rechenzentren on-Premise waren, 2020 wird es nur noch die Hälfte sein. Gartner bestätigt ebenfalls den Trend, so sanken die Ausgaben für Rechenzentren im vergangenen Jahr um 0,1 Prozent.

Kein Unternehmen kann es sich heute noch leisten, durch teure und aufwändige Altsysteme behindert zu werden. Denn Flexibilität und Schnelligkeit sind heute die großen Wettbewerbsvorteile. IT-Transformation ist damit nur noch eine Frage der Zeit. Dabei können Colocation-Angebote das Beste aus on-Premise und Cloud miteinander kombinieren – und die Notwendigkeit für kostspielige und unflexible eigene Rechenzentren noch weiter reduzieren.