5 Workarounds für Magento 2: Geht nicht, gibt’s nicht!

E-CommerceMarketing

Unter den zahlreichen E-Commerce-Systemen am Markt zählt Magento zu den variabelsten. Aber selbst ein nahezu perfektes Shopsystem kann nicht alle Anforderungen erfüllen – denn das E-Commerce-Business ist viel zu schnelllebig und wandelt sich ständig.

Trotzdem lässt sich mit dem nötigen Know-how und dem richtigen Dienstleister jede Anforderung lösen. Die nachfolgende Übersicht zeigt fünf konkrete Problemstellungen in Magento und deren Lösung.

Anforderung 1: Single Sign On

Häufig möchten Unternehmen ihren Mitarbeitern und Kunden die Möglichkeit für einen zentralen Login – einen sogenannten Single Sign On (SSO) – bieten. So kann sich ein Nutzer mit nur einem Login bei verschiedenen Diensten anmelden, ohne dabei mehrere Accounts in verschiedenen Softwares zu benötigen. Out oft he box wird dieser Ansatz von Magento nicht unterstützt, stattdessen ist nur die eigene Benutzerverwaltung in der Datenbank möglich.

Lösung: Diese Anforderung lässt sich mittels Standards wie dem Lightweight Directory Access Protocol (LDAP) oder Security Assertion Markup Language (SAML) und dezentralen Authentifizierungssystemen wie OpenID lösen.
Diese SSO-Lösungen sind auch mit Produkten aus der SAP- und Microsoft-Welt kompatibel, da hierbei marktübliche Standards verwendet werden.

Anforderung 2: Kundenindividuelle Live-Preise

Häufig werden im B2B-Commerce die Preise nicht nur durch Produkt und Menge bestimmt – Einfluss haben auch Faktoren wie Kunden, Rahmenverträge, oder geographische Parameter (unterschiedliche lokale Steuern). Unter diesen Rahmenbedingungen kann es häufig zu mehreren Problemen kommen, wenn die Preise live ausgegeben werden sollen. Zum Beispiel wenn Server oder der Datenverkehr zu langsam ist, um die Preise wirklich live – also mit wenigen Sekunden Verzögerung – zu generieren.

Lösung: Die Preisberechnungslogik in Magento kann durch hoch performante REST-API-Anfragen ersetzt werden. So bleibt das ERP-System das führende System und die Preislogik muss nicht mehrfach entwickelt und gepflegt werden. Des Weiteren können mittels einer modernen NoSQL-Datenbanktechnologie „Preis-Produkt-Kunde“-Beziehungen als Dokumente abgelegt werden. Dadurch sind Live-Abfragen möglich, die nicht jedes Mal auf das ERP-Kernsystem zugreifen müssen.

Anforderung 3: Keine IoT-Integration

Internet of Things (IoT) ist eine Funktion, die ab Werk nicht in Magento integriert ist. Unter IoT werden intelligente Geräte eingeordnet, die – basierend auf einer konsistenten Internetverbindung – selbstständig Handlungen ausführen. Zum Beispiel ein Drucker, der bei einer fast leeren Patrone automatisch Nachschub bestellt. Die Nachfrage zu einer IoT-Funktion im E-Commerce-System wird besonders von Kunden aus dem B2B-Umfeld gestellt.

Lösung: Mittels einer Magento-Extension ist es möglich, eine Kompatibilität mit den Protokollen HTTP, XMPP, CoAPP und MQTT nachzurüsten. Hiermit können dann spezifische IoT-Adapter programmiert werden. Eine Baumaschine könnte so beispielsweise ihre Betriebsstunden an den Server melden, wo das Wartungsintervall berechnet wird. Pünktlich zum Bedarfszeitpunkt werden dann die benötigten Ersatzteile und Werkzeuge geliefert.

Anforderung 4: OCI Punchout

Ein Feature, das ausschließlich im B2B-Umfeld verwendet wird, ist der OCI Punchout. Dabei handelt es sich um einen Standard zum Austausch von Katalogdaten. Diese Methode ist mittlerweile so etabliert, dass ein sehr großer Teil des Umsatzes im B2B über OCI Punchouts läuft. Magento bietet allerdings standartmäßig keine Möglichkeit, die E-Commerce-Plattform für automatische Einkäufe durch andere Systeme zu öffnen und deshalb ist ein OCI Punchout zunächst nicht möglich.

Lösung: Abhilfe schafft ein Open Catalog Interface (OCI) Modul, das den Austausch von Katalogdatensätzen zwischen ERP-Systemen und Magento ermöglicht. Durch dieses Modul findet der Kauf nicht mehr zwingend im Webshop statt. Die Produktdaten und alle benötigten Informationen landen stattdessen im ERP-System des Endkunden und können dort mit dem entsprechenden Kundenlager verknüpft werden – und zwar mittels Bestellungen oder Vorbuchungen. So können die Kunden des Shopbetreibers die Bestände des Onlineshops wie ihre eigenen Bestände im ERP-System behandeln.

Anforderung 5: Produktdatenmanagement

Die Produktdatenqualität ist einer der entscheidenden Faktoren für den Erfolg im E-Commerce. Deshalb sollte ein System für Produktdatenmanagement bzw. ein Product Information Management System (PIM-System) eingesetzt werden, um vollständige und qualifizierte Produktdaten zu bekommen. Magento kann Produktinformationen zwar verwalten, aber dies ist nicht vergleichbar mit der Leistung eines PIMs.

Lösung: Hier empfiehlt sich der Einsatz eines dedizierten PIM-Systems und die Unterstützung eines Dienstleisters, der den Shopbetreiber bei der Evaluation und der Installation des PIMS unterstützt – zusätzlich zum Betrieb der E-Commerce-Plattform.

Fazit

Diese Anforderungsbeispiele unterstellen dem E-Commerce-System Magento keinesfalls Leistungsmängel – ganz im Gegenteil: Es wird deutlich, dass es bei der Wahl des richtigen E-Commerce-Systems nicht auf den Funktionsumfang ankommt, sondern auf die Kompatibilität mit Erweiterungen. Und hierbei kann Magento gut punkten. Ziel dieses Beitrags ist es aufzuzeigen, dass mit Magento definitiv jede Anforderung realisierbar ist. Ergänzt durch die das Know-how eines professionellen Dienstleisters, steht einer E-Commerce-Plattform, die exakt auf alle Wünsche und Anforderungen abgestimmt ist, nichts mehr im Weg.

Autor
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Ralf Lieser kommt ursprünglich aus der Software-Entwicklung, daher ist seine Rolle bei netz98 zweigeteilt. Zum einen hat er die „Head of“ Position des Technologie Managements inne. Zum anderen unterstützt er als Technologie Consultant die netz98-Kunden im Aufbau von Systemarchitekturen, digitalen Infrastrukturen in der Cloud und beim Zusammenfügen von Systemen und Workflows. Er konstruiert für Kunden Cloud-Lösungen, welche die Digitale Transformation unterstützen und hält regelmäßig Vorträge auf Fachkongressen.
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