Betrug in Zeiten von Corona – wenn Kriminelle schwierige Situationen ausnutzen

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Malware (Bild: Shutterstock/Blue Island)

Social Engineering und Phishing nehmen in diesen Tagen stark zu. Da Cyber-Betrugsversuche in den meisten Fällen sehr schwer erkennbar sind, gilt es, besonders wachsam zu sein. Worauf man in diesen Zeiten besonders achten sollte, um sich möglichst gut davor zu schützen, erklärt Jörg Reuter in diesem Gastbeitrag.

So wenig direkter zwischenmenschlicher Kontakt außerhalb der unmittelbaren Familie wie nur irgendwie möglich – „Social Distancing“ ist das Gebot der Stunde. Um dennoch mit Freunden, Verwandten, Kollegen, Kunden und Geschäftspartnern in Kontakt zu bleiben, alles Notwendige für den Haushalt zu besorgen, Kinder- und Angehörigenbetreuung, Schule sowie Arbeitsleben möglichst aufrecht zu erhalten, sind wir aktuell mehr denn je auf digitale Kommunikationskanäle und IT-Infrastrukturen angewiesen. Die Herausforderungen sind groß, dazu kommt die Ungewissheit, wie es mit und nach der Pandemie weitergeht. Leider machen sich diese schwierige Situation und die teilweise verbreitete Panik auch zunehmend Betrüger zu Nutze.

Jörg Reuter, der Autor dieses Gastbeitrags, ist Pre-Sales Fraud Consultant bei FICO. Bild: FICO)
Jörg Reuter, der Autor dieses Gastbeitrags, ist Pre-Sales Fraud Consultant bei FICO. Bild: FICO)

Social Engineering und Phishing nimmt in diesen Tagen stark zu. Kriminelle geben sich beispielsweise im Internet als Vertreter legitimer Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation WHO oder lokaler Gesundheitsämter aus. So wollen sie Bürger oder Firmenangestellte dazu bringen, auf Links zu klicken oder Anhänge zu öffnen, die Malware installieren und vertrauliche Informationen stehlen – mit der Absicht, darüber letztlich an Geld zu kommen. Gerade auch die staatlichen Hilfen, die eigentlich für wirtschaftlich geschädigte Unternehmen oder Selbständige bestimmt sind, versuchen Kriminelle, sich so zu erschleichen.

Da Cyber-Betrugsversuche in den meisten Fällen sehr schwer erkennbar sind, gilt es, besonders wachsam zu sein. Worauf sollte man in diesen Zeiten also besonders achten, um sich möglichst gut davor zu schützen?

• Bei Links und Anhängen Vorsicht walten lassen: Auf keinen Fall sollten Links oder Dateien von unbekannten Personen beziehungsweise Mail-Adressen einfach geöffnet werden. Selbst wenn der Absender augenscheinlich seriös wirkt, sollten Anwender in solchen Fällen immer erst den Firmen- oder Behördennamen googeln. Denn gerade in der gegenwärtigen Situation werden auf den Webseiten oder telefonisch Informationen zur Pandemie ebenfalls geteilt. Sie brauchen die Links oder Anhänge so erst gar nicht zu öffnen.

• Regelmäßigen Kontakt zu Angehörigen und Kollegen halten: Wenn das eigene Umfeld weiß, wie man sich in Bezug auf Corona verhält, ist die Gefahr geringer, Opfer von Social Engineering zu werden. Denn dann ist leichter erkennbar, ob jemand wirklich die Person ist, die er oder sie ausgibt, zu sein, und ob eine Nachricht wirklich von dem- oder derjenigen kommt.

• Die Nachrichten verfolgen: Wichtig ist auch, über die aktuellen Geschehnisse auf dem Laufenden zu bleiben. Denn Kriminelle nutzen aktuell gerne gefälschte Spendenaufrufe oder vermeintliche Sonderangebote für Desinfektionsmittel und Schutzmasken, um schnell an Geld zu kommen. Hier gilt auch der nächste Tipp.

• Online-Shopping mit gesundem Menschenverstand: Sollten Zweifel an der Legitimität eines Online-Händlers bestehen (vor allem im Zusammenhang mit Angeboten von Schutzmasken, Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung), hilft in den meisten Fällen, dessen Namen zusammen mit dem Wort „Betrug“ zu googeln. Ebenfalls gilt es, nur auf möglichst sichere Zahlungsmethoden zu vertrauen – also PayPal und Kreditkarte. Denn im Gegensatz zu einem Kauf auf Vorkasse bekommen Sie hier Ihr Geld im Betrugsfall in der Regel zurück. Und generell sollte beim Online-Shopping möglichst auf Händler vertraut werden, mit denen man bereits gute Erfahrungen gemacht hat.

Betrüger setzen in Zeiten wie diesen vor allem auch darauf, ein falsches Gefühl der Dringlichkeit und Eile zu erzeugen und ihr Gegenüber so zu verunsichern, dass gar nicht mehr wirklich nachgefragt, sondern ohne groß nachzudenken gehandelt wird. Daher sollten Verbraucher und Entscheider in Unternehmen jedes Angebot, bei dem ein enormer Zeitdruck aufgebaut wird, besonders genau prüfen und sich nicht zu schnellen Entscheidungen hinreißen lassen. Nur so lässt sich nicht nur die Corona- sondern auch die Betrugskurve abflachen.

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