Der steinige Weg in die fahrerlose Zukunft

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(Bild: Mobileye)

Warum das erste autonome Fahrzeug voraussichtlich ein Robotaxi sein wird, erklärt Professor Amnon Shashua, CEO und CTO von Mobileye, einer Tochtergesellschaft von Intel.

Das Thema Autonomes Fahren steht bei sämtlichen Automobilherstellern und vielen Technologieunternehmen hoch im Kurs. Partnerschaften werden geschlossen, Studien in Auftrag gegeben und Tests durchgeführt. Grund genug, sich zu fragen, was die Zukunft in puncto fahrerlose Mobilität bringen mag. Wie lange wird es dauern, bis die Gesellschaft der Technik ihr Vertrauen schenkt? Kann ein einzelnes Unternehmen die nötigen technologischen Investments tätigen? Was ist wichtiger: gesetzliche Regulierungen oder einheitliche Standards auf Herstellerseite?

Klare Antworten auf diese Fragen gibt es derzeit nicht. Dennoch möchte ich Ihnen erklären, an welchem Punkt auf der Reise hin zu einer fahrerlosen Zukunft Intel und Mobileye stehen und was wir in den nächsten Jahren vorhaben.

Drei Phasen auf dem Weg zum autonomen PKW

1. Unfallvermeidung durch Fahrerassistenzsysteme
2. Robotaxis zur Erprobung autonomer Fahrzeuge im Alltag
3. Serienproduktion autonomer PKWs

Häufig kommt es zu Verkehrsunfällen, weil der Fahrer abgelenkt ist. Mit ADAS (Advanced Driver Assistance Systems)-Technologien hat der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug, während das System lediglich bei Bedarf eingreift und den Fahrer in kritischen Situationen warnt. Auf der Skala der Society of Automotive Engineers (SAE) ist das als Level 0-2 definiert. Die eingesetzten Systeme sollen die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls auf ein Minimum reduzieren. 22 Prozent der Fahrzeuge sind schon heute mit ADAS-Technologien ausgestattet – bis 2025 sollen es bereits 75 Prozent sein.

Professor Amnon Shashua ist CEO und CTO von Mobileye, einer Tochtergesellschaft von Intel (Bild: Mobileye)
Professor Amnon Shashua ist CEO und CTO von Mobileye, einer Tochtergesellschaft von Intel (Bild: Mobileye)

Auf die verstärkte Nutzung von Fahrerassistenzsystemen folgen auf dem Weg zur autonomen Mobilität zwei essentielle Phasen: zunächst der Einsatz von Robotaxis, danach die Serienproduktion autonomer PKWs. Viele Unternehmen haben mittlerweile erkannt, dass diese beiden Entwicklungen nicht parallel zueinander verlaufen können.

Die Serienproduktion autonom gesteuerter Fahrzeuge (Level 4-5 laut der Definition der SAE) kann erst beginnen, wenn die Industrie den Einsatz von Robotaxis ausreichend erprobt und verbessert hat. Dabei sind drei Faktoren entscheidend: Kosten, gesetzliche Vorgaben und Kartierungen. Es hat sich als herausfordernd erwiesen, alle Faktoren gleichzeitig zu optimieren. Mittlerweile hat die Branche erkannt, dass Robotaxis die ideale Vorstufe auf dem Weg hin zu vollautonomen Autos sind.

So viel kostet autonomes Fahren heute

Die Kosten für ein selbstfahrendes System (Self-Driving System, SDS) mit allen benötigten Kameras, Sensoren und hoch-performanten Rechnern im Hintergrund liegen heute bei mehreren zehntausend US-Dollar. In absehbarer Zeit wird das auch so bleiben. Dieses Kostenniveau ist für einen fahrerlosen Taxi-Service akzeptabel, für PKWs in der Serienproduktion jedoch viel zu teuer. Die Kosten für SDS sollten nicht mehr als ein paar tausend Dollar betragen – einen Bruchteil der derzeitigen Kosten –, bevor die Technik den Weg in die PKW-Serienproduktion finden kann.

Gesetzliche Vorgaben sind das A und O

Zeitgemäße Regulierungen und Gesetze sind essentiell für das Autonome Fahren. Dennoch wird diesem Bereich viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Unternehmen, die sich intensiv mit der Entwicklung von SDS befassen, wissen, dass dies eine größten Hürden ist. Allmählich erkennt die Automobilindustrie, dass das Autonome Fahren warten muss, bis gesetzliche Regulierungen nachziehen und den Vorsprung einholen, den die Technologie derzeit innehat. Auch hier stellen Robotaxis die perfekte Zwischenstufe dar: Die Entwicklung von Regularien für eine Flotte von Robotaxis ist weitaus weniger komplex als für Autos von Privatpersonen. So kann man etwa Lizenzen für Flottenbetreiber an festgelegte Szenarien und Regionen binden. Darüber lässt sich eine umfassende Dokumentationspflicht anordnen. Im Gegensatz dazu erfordert die Zulassung privat genutzter, autonomer PKWs eine vollständige und damit langwierige Überarbeitung der umfassenden, für Fahrzeuge und Fahrer geltenden Gesetze und Vorschriften.

Kartierung als Datenbasis autonomer Fahrzeuge

Präzise, hochauflösende Karten sind eine der Grundlagen für das Autonome Fahren. Die Herausforderung liegt hier einerseits in der Erstellung, andererseits in der kontinuierlichen Aktualisierung der Karten, welche zwingend erforderlich ist. Für die uns vorschwebende fahrerlose Zukunft muss die ganze Welt präzise kartiert sein. Robotaxis, die in klar definierten Zonen fahren, können jedoch auch ohne solch umfangreiche Kartierung eingesetzt werden.

Betrachtet man die drei Faktoren Kosten, gesetzliche Vorgaben und Kartierung zusammen, wird deutlich, warum der Einsatz von Robotaxis im Moment viel eher im Bereich des Möglichen liegt, als der autonomer PKWs.

Fahrerassistenzsysteme sind die Technologie der Stunde

Im Moment konzentriert sich die Automobilindustrie verstärkt auf Angebote im Bereich von Level 2. Dank Fahrerassistenzsystemen, bei dem die Fahrer immer noch die volle Kontrolle über ihr Fahrzeug haben und lediglich Unterstützung durch die Technik erhalten, können bereits viele Sicherheitsvorteile erzielt werden, die man sich vom Autonomen Fahren erwartet. Die Faktoren Kosten, gesetzliche Vorgaben und Kartierung stellen hier keine Einschränkungen dar.

Gleichzeitig überwinden Automobilhersteller durch die Weiterentwicklung von Robotaxi-Services genau diejenigen Hürden, die einer fahrerlosen Zukunft heute noch im Wege stehen: fehlende Regularien, überhöhte Kosten und unzureichende Kartierung. Sobald die Robotaxi-Technologie ausreichend erprobt ist, kann sich die Automobilindustrie der nächsten Phase widmen.

Unsere Strategie für autonome Mobilität

Vor diesem Hintergrund konzentrieren sich Intel und Mobileye auf den effizientesten Weg, um langfristig Autonomie im Bereich von PKWs zu erreichen. Unsere Strategie stützt sich auf vier Schwerpunkte:

1. Fahrerassistenzsysteme weiter vorantreiben

Derzeit sind bereits mehr als 34 Millionen Fahrzeuge mit unseren Fahrerassistenzsystemen ausgestattet. ADAS rettet nicht nur Leben, sondern hilft uns gleichzeitig, die technologische Grundlage für vollautonome Fahrzeuge zu validieren. Diese Validierung erfolgt, indem unsere Technologien jedes Jahr in mehrere neue Produktionsprogramme von Automobilherstellern integriert werden. Dort werden sie strengen Sicherheitstests unterzogen. Zu guter Letzt liefern uns die Systeme den finanziellen „Treibstoff“, um stetig in Forschung und Entwicklung im Bereich Autonomes Fahren investieren zu können.

2. Entwicklung eines SDS auf Basis von Kameras

Unser Ziel ist es, ein zuverlässiges selbstfahrendes System zu entwerfen, welches ausschließlich mit Kameras arbeitet. So können wir zukünftig den Einsatz von Sensoren reduzieren und somit auch die Gesamtkosten wesentlich senken.

3. Ausbau von REM für bessere Kartierung

Das Road Experience Management (REM)™ von Mobileye ist eine End-to-End-Lösung zur Kartierung für vollautonomes Fahren, die auf Crowdsourcing basiert. Durch Verträge mit verschiedenen Automobilherstellern erwarten wir, bis 2025 Daten von 25 Millionen Fahrzeugen zu erhalten. Damit schaffen wir eine wichtige Grundlage im Hinblick auf die fahrerlose Zukunft.

4. Bewältigung regulatorischer Hürden mit RSS

Unser Responsibility-Sensitive Safety (RSS)-Modell stellt einen Ansatz zur Etablierung sicherer Standards dar. RSS ist ein formales, mathematisches Modell, das spezifische und messbare Parameter für das menschliche Konzept von Verantwortung und Vorsicht beschreibt und diese Größen auf das Verhalten selbstfahrender Autos überträgt.

Schritt für Schritt in die autonome Zukunft

Intel und Mobileye konzentrieren sich zunächst auf die einzigartige Chance, die Robotaxi-Services zur Weiterentwicklung für das Autonome Fahren bieten. Wir entwickeln die notwendigen Technologien – von der Begrüßung der Passagiere über die Versorgung des Fahrzeugs mit Rechenpower bis hin zur Überwachung der Flotte. Mit diesem Ansatz können wir ein Maximum an elementaren Erkenntnissen aus dieser Phase ziehen. Auf Basis des erlangten Wissens werden wir ausgereifte Lösungen zur Verfügung stellen, sobald die Zeit der Serienproduktion autonomer PKWs gekommen ist. Noch liegt ein langer Weg vor uns. Doch bereits heute retten ADAS-Systeme von Mobileye Leben und unterstützen Fahrer im täglichen Verkehrschaos. Wir sind überzeugt, dass wir auf dem weiteren Weg – gemeinsam mit der tatkräftigen Unterstützung unserer Partner – noch viele bedeutsame Zwischenziele erreichen werden.

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