Die Digitalisierung jetzt selbst in die Hand nehmen

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Digitalisierung (Bild: Shutterstock)

In Deutschland sollte die Digitalisierung überall zur Chefsache werden – auch in der öffentlichen Verwaltung. Wie sich das genau in Zahlen ausdrückt, war lange unklar. Es hat bis zum Februar 2020 gedauert, bis die Große Koalition konkrete Zahlen liefern konnte: Demnach werden im Jahr 2020 rund 3,84 Milliarden Euro für Digitalvorhaben verwendet. Im Vorjahr lag die Summe auf vergleichbarem Niveau.

Reichen diese Investitionen aber tatsächlich aus, um Deutschland zu digitalisieren und die Wirtschaft dabei zu unterstützen, ihre Rolle als führende Industrienation beizubehalten? Bereits im Jahr 2019 zeigte eine Umfrage der ESCP Business School Berlin, dass 86 Prozent der befragten Teilnehmer die Unterstützung der Bundesregierung beim Digitalisierungsprozess für nicht ausreichend hielten. Auch die deutsche Wirtschaft scheint nicht so recht in Fahrt zu kommen: Die zögerliche Haltung wird zum Beispiel in der neuen Studie „IT-Trends 2020“ von Capgemini sichtbar. Demnach kommt die Implementierung von Technologien wie Machine Learning, Predictive Analytics oder Bilderkennung nur langsam voran. Größtes Problem ist der Mangel an geeigneten Mitarbeitern, aber auch Bedenken rund um die IT-Sicherheit spielen eine Rolle.

Tom Becker, der Autor dieses Gastbeitrags, ist General Manager Central & Eastern Europe bei Alteryx. (Bild: Alteryx)
Tom Becker, der Autor dieses Gastbeitrags, ist General Manager Central & Eastern Europe bei Alteryx. (Bild: Alteryx)

Dagegen zeigt der aktuelle Digital-Index der Initiative D21, dass viele Bürger die Bedeutung der Digitalisierung erkannt haben. So sind drei Viertel der Befragten der Meinung, dass die Gesellschaft in fünf Jahren ohne das Internet kaum noch auskommen wird. Ebenso halten sie Grundkenntnisse zur Digitalisierung für eine notwendige Voraussetzung für Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Nun liegt es jedoch nicht am Staat alleine, die Modernisierung in Deutschland voranzutreiben. Für Unternehmen ist es zwingend notwendig, Daten als einen Wirtschaftsfaktor zu betrachten und die eigene digitale Transformation zu beschleunigen. In vielen kleinen oder mittelständischen Betrieben fehlt jedoch häufig noch die zündende Idee für eine erste Initiative zur Digitalisierung. In der Praxis hat sich gezeigt, dass ein Blick auf die eigenen Daten der Schlüssel zum Erfolg ist. Der Software-Anbieter Splunk berichtet in seinem „Dark Data Report“, dass über 55 Prozent der in Unternehmen vorhandenen Daten ungenutzt sind oder dass ihre Existenz gar nicht bekannt ist. Wer sich also auf die Suche nach diesen Daten macht, hat gute Chancen, damit ein erstes Digitalprojekt erfolgreich zu starten.

Digitalisierung (Bild: Shutterstock)

Sind die Daten identifiziert, folgt schon die nächste Herausforderung: Immer neue interne und externe Datenquellen überfluten die Mitarbeiter mit Informationen. Es entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage; die Nachfrage nach Antworten übersteigt das Angebot an Menschen – oder das vermeintliche Angebot an Menschen, die in der Lage sind, diese Antworten zu liefern. Dieses Ungleichgewicht lässt komplexe Fragen unbeantwortet, talentierte Mitarbeiter werden im eigenen Unternehmen übersehen und Budget bleibt ungenutzt liegen, während die gesamte Organisation weiterhin vor der Aufgabe einer Transformation steht.

Nicht jedes Unternehmen kann sich aber einen Data Scientist leisten – sofern dieser überhaupt auf dem Arbeitsmarkt zu finden ist. Der ITK-Branchenverband Bitkom zählte im November 2019 in einer Umfrage rund 124.000 offene IT-Stellen. Zugleich erwarten zwei Drittel der Unternehmen, dass sich der IT-Fachkräftemangel in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird.

Kein Unternehmen muss die digitale Transformation auf unbestimmte Zeit verschieben. Damit der Start in die Digitalisierung gelingt, sollten Manager einen Ansatz wählen, der die Nutzung von Daten, Data Analytics und Data Science demokratisiert. Datentransparenz allein reicht jedoch nicht aus: Organisationen müssen mehr Mitarbeiter in die Lage versetzen, ihre Datenkompetenz zu erhöhen und schnell mit Self-Service-Tools zu arbeiten. Diese sind speziell dafür konzipiert, dass Anwender aus den Fachbereichen mit nur geringem Support der IT-Abteilung Zugriff auf die für sie benötigten Datenquellen erhalten, um damit umfangreiche Datenanalysen zu starten.

Fazit

Wer heute immer noch keine Digitalprojekte am Laufen hat, sollte sich schnellstens ein Pilotprojekt suchen. Den wie die bereits erwähnte Capgemini-Studie „IT-Trends 2020“ zeigt, investieren immer mehr Unternehmen in die Digitalisierung. Demnach könnte im Jahr 2020 mehr als ein Drittel des IT-Budgets in Digitalisierungsmaßnahmen fließen. Im Vorjahr war es noch knapp ein Viertel. Konzerne ab 1 Milliarde Euro Jahresumsatz geben sogar bis zu 45 Prozent ihres gesamten IT-Budgets dafür aus. Die bekannte Aussage „wer bremst, verliert“ hat hier im übertragenen Sinn durchaus ihre Berechtigung.

Soll die Transformation erfolgreich sein, wird die kollektive Intelligenz einzelner Menschen benötigt, die jedoch ihre Kräfte bündeln müssen, um Wirkung zu erzielen. Lösungen für Self-Service-Analytics ermöglichen es mehr Mitarbeitern relevante Entscheidungen im Sinne der Geschäftsstrategie zu treffen; bislang waren hierfür Data Science-Spezialisten notwendig. So können fachliche Mitarbeiter unbekannte Datenschätze heben, während gleichzeitig die Datenkompetenz innerhalb des gesamten Unternehmens steigt.

Quellen:
Aussage Bundesregierung zur Digitalisierung
Digitalreport 2020, ESCP Business School Berlin
Handelsblatt, Digitalausgaben der Bundesregierung
Digitalisierung in Deutschland, Initiative D21
Splunk, Dark Data

Autor
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Alteryx
Tom Becker ist General Manager Central & Eastern Europe bei Alteryx, einem der führenden Anbieter von Datenanalysesoftware. Neben seiner beruflichen Tätigkeit beschäftigt er sich als Redner und Autor mit den Auswirkungen der Digitalisierung und hält an Universitäten Vorträge. Um die Digitalisierung an die Schulen zu bringen, veranstaltete er einen Programmier-Workshops für Grundschulkinder. Tom Becker studierte Wirtschaft an der Universität Nürnberg-Erlangen und ist Mitglied bei Mensa in Deutschland e.V.
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