Management im Wandel: so verändert sich gerade die Arbeitswelt

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Human Ressource Management (HRM) und Human Capital Management (HCM) beim Mittelstand ein Cloud-Thema. (Bild: Shutterstock)

Um in einer Post-COVID-19-Wirtschaft erfolgreich zu sein, sollten Organisationen die vielfältigen Möglichkeiten neuer Technologien bestmöglich mit den menschlichen Fähigkeiten verzahnen. Aber auch neue Führungsqualitäten der Manager sind notwendig.

Die Neugestaltung der Arbeitswelt der Zukunft beginnt bereits damit, wie Unternehmen die Arbeit im Homeoffice organisieren. So zeigt eine Untersuchung der Boston Consulting Group, dass bereits vor dem Ausbruch von COVID-19 zwei Trends die Arbeitswelt tiefgreifend verändert haben. Zum einen ist dies die Durchdringung von neuen Technologien und die Nutzung von Daten an den Arbeitsplätzen, beides tief integriert in zentrale Geschäftsprozesse. Zum anderen haben sich Erwartungen der Bewerber an die Ausstattung der Arbeitsplätze sowie an neue Jobs verändert – ebenso wie die Fähigkeiten, die Unternehmen heute von neuen Mitarbeitern erwarten.

Sampath Sowmyanarayan, der Autor dieses Gastbeitrags, ist President Global Enterprise bei Verizon Business (Bild: Verizon).
Sampath Sowmyanarayan diskutiert in diesem Fachbeitrag wie sich Organisationen in Zukunft aufstellen sollten, welche Möglichkeiten neue Technologien dafür bieten und warum Manager gerade jetzt Führungsstärke zeigen müssen (Bild: Verizon).

Manager müssen daher innovative Technologien so einsetzen, dass damit auch die Arbeit im Homeoffice unterstützt wird. Gleichzeitig sollten sie berücksichtigen, dass ihre Organisation in Zukunft wesentlich flexibler aufgestellt sein muss. Damit dies gelingt, sind die folgenden drei Maßnahmen notwendig: Erstens die Einführung einer agilen Arbeitsweise, die eine verbesserte Zusammenarbeit und schnellere Entscheidungsfindung ermöglicht. Zweitens sind Mitarbeiter mit neuen Kompetenzen notwendig, die dann Veränderungen vorantreiben. Drittens müssen Arbeitgeber neue Orte für das Arbeiten schaffen sowie flexible Modelle anbieten, die das Arbeiten im Büro und im Homeoffice gleichermaßen ermöglichen.

Erste Schritte

Die konkrete Umsetzung beginnt mit der Auswahl der generell benötigten Technologien sowie einer Plattform für das Datenmanagement. Noch wichtiger ist es jedoch zu analysieren, wie unternehmensweit die Interaktion zwischen Menschen und Maschinen sowie zwischen den Mitarbeitern erfolgt. Bei der Analyse hilft die Fragestellung nach dem Wer, Wie und Wo.

Mit der Frage nach dem „Wer“ wird geklärt, welche Mitarbeiter mit welchen Schlüsselfähigkeiten für die Veränderungen im Unternehmen benötigt werden. Da Organisationen Technologien auf neue Weisen nutzen wollen, müssen sie auch ihre Bewerber neu bewerten. So sollten neue und künftig benötigte Fähigkeiten im Vordergrund stehen. Die Herausforderung besteht darin, diese Talente zu finden sowie das Gleichgewicht zwischen dem Erwerb neuer Kompetenzen durch zusätzliche Mitarbeiter sowie einer Weiterqualifizierung und Umschulung der vorhandenen Mitarbeiter zu halten.

So spielt auch die sogenannte Gig Economy eine wichtige Rolle: sie kann dabei helfen, bestehende Strukturen aufzubrechen und weitreichend zu verändern. Bei diesem Arbeitsmodell werden zeitlich befristete Aufträge flexibel und kurzfristig über Internet-Plattformen an Arbeitssuchende vergeben. Beispiele sind Essenslieferanten oder Juicer, die das Aufladen von Elektroscootern in Großstädten übernehmen.

Beim „Wie“ geht es darum, wie Unternehmen sich auf Veränderungen vorbereiten können, zum Beispiel indem sie agil arbeiten, die Zusammenarbeit in den Mittelpunkt stellen und in der Lage sind, bei wichtigen Themen schnell eine Entscheidung zu treffen. Bei einer dezentralisierten Arbeitsweise besteht der Schlüssel zum Erfolg darin, Mitarbeiter durch Technologien zu verbinden, anstatt sich auf formale Berichtshierarchien, starre Stellenbeschreibungen und etablierte Prozesse zu verlassen.

Die Frage nach dem „Wo“ klärt, wie Organisationen mit neuen Standortmodellen umgehen, also ob Mitarbeiter im Homeoffice oder im Büro arbeiten sollen. Wichtig ist zu beachten, dass sich die bisherigen physischen Arbeitsorte in hybride virtuelle und physische Modelle weiterentwickeln werden, da flexible Arbeitsmodelle derzeit immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die Herausforderung liegt darin, dass viele Manager an bürobasierte Arbeitsmodelle gewöhnt sind und diese neue Flexibilität ein großes Umdenken benötigt. Allerdings zeigt sich, dass Arbeitnehmer die Möglichkeit flexibel zu arbeiten sehr schätzen.

Mit Kopf, Herz und Händen führen

Die wichtigste Überlegung für den Arbeitsplatz von morgen ist die Frage, wie ein menschlicher Führungsstil sowie die Mitarbeiter im Mittelpunkt der Geschäftstätigkeit verbleiben können. Auch in Zukunft sollten Menschen die Entscheidungen treffen können, die Geschäftsabläufe betreffen, anstatt sich nur von Algorithmen führen zu lassen. Technologie ist zwar wichtig, aber der Mensch muss weiterhin an erster Stelle stehen. Er muss Variablen und Metriken kontrollieren, alle automatisierten Eingriffe übernehmen können und vor allem ethische und moralische Fragen mithilfe von Erfahrungen und logischem Denken bewältigen.

Für die Führungskräfte wird es bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes der Zukunft darauf ankommen, dass sich ihre Mitarbeiter in den Prozess eingebunden fühlen. Dies wird den zukünftigen Geschäftserfolg maßgeblich mitbestimmen. Deshalb wird für Manager Führungsstärke noch wichtiger werden: Sie müssen ein Gleichgewicht halten zwischen zukunftsorientiertem Optimismus und einer realistischen Einschätzung dessen, was ihre Mitarbeiter von neuen Arbeitsmodellen erwarten können.

Mitarbeiter wünschen sich von Führungskräften Empathie, Zuversicht und wirkungsvolles Handeln. Daher ist es für Manager wichtig, dass sie über alle Entwicklungen auf dem Laufenden sind und zudem innerhalb der Organisation gesehen und gehört werden. Vorgesetzte müssen zudem zeigen, dass sie mit Herz und Seele die Belegschaft unterstützen. Dies gilt vor allem in einer Zeit, in der Interaktionen nur noch virtuell stattfinden.

Führungskompetenz ist gefragt

Bei der Unternehmensführung gibt es drei auf den Menschen ausgerichtete und ineinandergreifende Säulen: „Den Kopf, das Herz und die Hände“. Der Kopf entwirft ein Bild der Zukunft, fokussiert sich auf die großen Herausforderungen und sucht Antworten auf die Fragen zur Strategie und Vision des Unternehmens. Mit dem Herzen werden die Mitarbeiter inspiriert und gefördert. Hier geht es um den Zweck des Unternehmens, seine Werte und seine Kultur. Die Hände übernehmen die Ausführung und ermöglichen Innovationen durch geschicktes Handeln. Hierbei ist zu klären, mit welchem Bündel an Maßnahmen die Ziele erreicht werden können.

Jetzt ist die Zeit zum Handeln

Viele Organisationen haben zwar bereits eine starke Veränderung hinter sich – die COVID-19-Pandemie gibt Führungskräften jedoch nun die Chance, gezielt über die Fundamente ihrer Organisation nachzudenken und diese, falls notwendig, neu aufzusetzen. Manager sollten sich fragen, was die Stärken ihres Kerngeschäfts sind, wo die Ziele verfehlt wurden, welche neuen Verfahren und Abläufe benötigt werden und ob Entscheidungen und Handlungen aktuell noch zum Zweck des Unternehmens passen. Für Führungskräfte kommt es jetzt darauf an, die Theorie in die Praxis umzusetzen: Wie lassen sich neu definierte Grundpfeiler des Unternehmens darstellen, aktivieren und nach der Krise in die Organisation so einbetten, dass der wirtschaftliche Aufschwung gelingt. Wer diese Transformation konsequent vorantreibt und dabei die Mitarbeiter in den Mittelpunkt stellt, ist für den künftigen Unternehmenserfolg bestens ausgerüstet.

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