Warum der Hype um Headless Commerce?

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OSF Digital (Bild: freepik.com)

Headless Commerce ist nicht einfach das neuste Buzzword, sondern ein echter Trend, der näherer Betrachtung wert ist. Was sollte man wissen, bevor man in ein Headless-Commerce-Modell investiert?

Wichtig ist zunächst eine klare Definition dessen, was Headless Commerce überhaupt ausmacht.

Konsistenz über alle Touchpoints

Heute ist es von enormer Bedeutung, dorthin zu gehen, wo die Konsumenten sind – und Strategien zu entwickeln, wie man diese Touchpoints schnell und nahtlos besetzen kann. Headless Commerce entwickelte sich als Antwort auf das Problem mangelnder Agilität vieler Unternehmen bei ihrem Bestreben, Kunden auch abseits des Desktop-Rechners zu erreichen. Kunden haben heute große Macht und klare Erwartungen, wie sie angesprochen werden wollen. Doch die Realität wird diesen Erwartungen häufig nicht gerecht. Wer nicht darauf eingeht, wird Umsätze verlieren und Schwierigkeiten haben, Kunden zu binden und zu gewinnen. Im Kern geht es darum, herausragende Kundenerlebnisse zu schaffen – wo auch immer, wann auch immer. Headless Commerce ist die treibende Kraft, mit der man immer schneller in neue Sphären vordringen kann, in denen Technologie die Customer Experience maßgeblich prägt.

Was genau ist Headless Commerce?

Headless Commerce ist eine agile Lösung, die kundenspezifische Daten und Schlüsselfunktionen sowie Informationen über Produkte, Bestellungen, Bestände und Preise des Unternehmens erweitert. Eine Headless-Commerce-Architektur trennt das Front-end mit Customer Experience und Markenpräsentation vom Back-end mit den Business-Funktionalitäten. So entsteht eine einheitliche Brand- und Shopping-Experience, die den Kunden konsistent über unterschiedliche 3rd-Party-Plattformen begleitet.

Wir können also festhalten, dass Headless Commerce neue Möglichkeiten eröffnet, Kunden ein einheitliches Marken- und Einkaufserlebnis über die verschiedenen Touchpoints zu bieten. Der Ansatz geht über den stationären Einzelhandel hinaus, um Zielgruppen dort zu treffen, wo sind sind, wo und wann auch immer. Noch vor wenigen Jahren war es die Norm, dass Kunden für Ihre Online-Einkäufe die vertrauten Websites nutzten. Doch dann setzten sich neue Technologien in der Breite durch, insbesondere Smartphones. Das verlangte nach der Entwicklung mobiler Commerce-Strategien. Weitere Innovationen sind etwa der Kauf via Social Media wie Instagram oder Voice Buying mit Endgeräten wie Alexa. All das sind Entwicklungen im Kaufverhalten, die sich in neuen Sphären jenseits des Browsers bewegen. Darüber hinaus haben sich mit der neuen Rolle der Vertriebspartner auch die Ansprüche an das In-Store-Erlebnis verändert – war früher ein einigermaßen adäquates Service-Erlebnis ausreichend, müssen heute die Erwartungen permanent übertroffen werden, inklusive personalisierter und relevanter Interaktionen mit dem Kunden.

OSF Digital (Bild: freepik.com)
OSF Digital (Bild: freepik.com)

Jeder Kunde möchte sich besonders fühlen – und darum sollte jeder Kontakt mit ihm besonders sein. Interaktionen sollten an allen Touchpoints zu seinen Bedingungen stattfinden. Wer diese Erwartungen nicht erfüllt, muss mit weniger Kundeninteraktion und mit zunehmender Abwanderung rechnen.

Die Trennung von Content und Commerce

Commerce war ursprünglich die treibende Kraft, die die Online-Shopping-Experience bestimmte – doch inzwischen ist auch Content ein wichtiges Element, um Kunden zu informieren und zu inspirieren. Ein commercezentrierter Ansatz nutzt das E-Commerce-System als Front-end mit einem Content Management System (CMS) im Back-end. Beim Content-First-Ansatz hingegen gibt es beim Front-end drei Alternativen: Es kann ein CMS sein (etwa WordPress, Sitecore oder Drupal), eine Digital Experience Plattform oder ein Single Page App-Framework wie React. Als Back-end fungiert ein Commerce-System.

An dieser Stelle kommen APIs ins Spiel. Sie ermöglichen im Back-end das Management von Logistik und Commerce und ermöglichen es, Inhalte und Artikel einfach und schnell in alle Touchpoints einzustellen, um den Kunden ein konsistentes Erlebnis zu bieten. ERPs, PIMs, OMS-Tools und Bestandsmanagement sind über APIs mit dem Commerce-System verbunden.

In Kurzform: Headless Commerce holt das Beste aus der E-Commerce-Plattform heraus, trennt die Präsentationsebene ab und erlaubt es Ihnen dadurch, ganz einfach festzulegen, wo Commerce-Aktivitäten stattfinden und welche Daten dabei erfasst und verwendet werden sollen – alles ermöglicht durch APIs.

Traditioneller Commerce vs. Headless Commerce

Traditioneller Commerce ist durch Design-Beschränkungen limitiert, die sich aus der Front-end-Entwicklung ergeben. Denn der Zeitaufwand für die Anpassung der Plattform mit dem erforderlichen Code und den entsprechenden Datenquellen kann enorm sein. Die Personalisierung ist auf Bereiche beschränkt, auf die Admins und Kunden Zugriff haben. Da das Front-end eng mit dem Back-end-Code und der Infrastruktur verbunden ist, besteht wenig Spielraum für individuelle Anpassungen. Das limitiert die Flexibilität und ist ein Hindernis bei der Weiterentwicklung der Plattform. Eine Änderung an einer Stelle muss aufwendig auch für alle anderen Touchpoints einzeln vorgenommen werden – ein zeitraubendes Verfahren zur Sicherstellung eines einheitlichen Kundenerlebnisses. Teils gibt es sogar vorgegebene Beschränkungen, was upgedatet oder editiert werden darf – die Garantie kann verfallen, es kann zu technischen Problemen kommen oder Updates lassen sich nicht mehr korrekt installieren.

Headless Commerce bedeutet: wenige bis gar keine Design-Beschränkungen für das Front-end. Dafür sorgen APIs. Sie genießen die Flexibilität, für Nutzer und Admins eine maßgeschneiderte Erfahrung zu schaffen. Dadurch, dass Änderungen schnell und einfach am Front-end vorgenommen werden können, sind Ihre Möglichkeiten unbegrenzt. Ihre Entwickler sind nicht mehr gezwungen, wegen einer kleinen Änderung – etwa dem Hinzufügen eines neuen Formularfelds im Nutzerkonto – die Datenbank anzupassen oder den Check-out-Prozess zu verändern.

Die Philosophie der Entkopplung beziehungsweise der Microservices sorgt bei einem Headless-Commerce-Modell dafür, dass sich Komplexität und Investitionen gegenüber dem traditionellen Ansatz reduzieren. Die hergebrachte Plug&Play-Technologie wird durch ein flexibles System ersetzt, das es erlaubt, ein Commerce-Portal ohne plattformspezifische Einschränkungen auszubauen. Nahezu grenzenlos sind die Möglichkeiten beim Design. Denn Headless Commerce ermöglicht es, den HTML-Service zu erstellen und dann von denjenigen APIs zu profitieren, die optimal die individuellen Anforderungen erfüllen. Man ist nicht mehr in ein monolithisches System gezwängt, sondern kann die Komponenten wählen, die am besten zu den eigenen Zielen passen. Multiple Websites lassen sich über Marken, Ländergrenzen, Sprachgrenzen und anderes hinweg ausrollen – ohne die Verzögerungen und die hohen Kosten, die bislang damit verbunden waren. Das alles hat der Andwender mit Headless Commerce in der Hand.

Fazit

Technologien wandeln sich so schnell wie Kundenerwartungen. Headless Commerce kann dabei unterstützen, sich auf das “nächste große Ding” im Commerce vorzubereiten, bevor es zu spät ist und der Wettbewerb auf die Überholspur geht. Soll ein E-Commerce-Portal aufgebaut oder ein bestehendes optimiert werden, kann ein Headless-Commerce-Ansatz gegebenenfalls der perfekte Weg sein – zu einer stabilen und flexiblen Website mit unbegrenzten Anpassungsoptionen auf der Präsentationsebene. So lassen sich Commerce und Content-Angebot ausbauen.

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E-Commerce-Implementierungs- und -Lösungsspezialist OSF Digital unterstützt Kunden bei ihrer digitalen Transformation und darüber hinaus. OSF Digital verfügt über langjährige Erfahrung und tiefgehende Expertise in B2C- und B2B-Commerce, Online-Shop-Management, Enterprise-CRM, CMS, OMS, und der Entwicklung von Cloud-Applikationen.
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