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Wer werden nach der Pandemie die Gewinner der Wirtschaft sein?

Nur wenige Industrien können es vermeiden, reformiert, umstrukturiert oder abgebaut zu werden. Stattdessen werden Agilität, Skalierbarkeit und Automatisierung die Schlagworte dieser neuen Wirtschaftsära. Und diejenigen, die bereits jetzt über diese Fähigkeiten verfügen, werden am Ende die Gewinner sein.

Staatliche Konjunkturpakete sorgen für Liquidität auf dem Markt und halten die Wirtschaft in ausreichendem Maße über Wasser – Ziel ist es, die Rezession schnellstmöglich zu überwinden, sobald die Lockdowns in den verschiedenen Ländern aufgehoben werden. Dennoch sind die besser kapitalisierten, größeren Unternehmen gegenüber kleineren Betreibern, die möglicherweise Schwierigkeiten haben, im Vorteil.


Mohit Joshi, der Autor dieses Blogbeitrags, ist President & Head, Financial Services, Insurance, Healthcare and Life Sciences bei Infosys Limited (Bild: Infosys).

Es wäre jedoch eine zu starke Vereinfachung, diese neue Ära etwa als „groß“ gegen „klein“ zu charakterisieren. Die Trophäen des letzten Jahrzehnts, in denen FinTechs und Digital Natives gegen große Banken und Verbrauchermarken antreten mussten, scheinen mittlerweile fast veraltet.

Tatsächlich könnte man die heutige Zeit als den ersten wirklichen Test der „Digital First“ Business-Mantras sehen, die wir nach der Jahrtausendwende noch gefeiert haben. COVID-19 wird eine Wiedergeburt vieler Industrien erzwingen: Wir verbringen mehr Zeit zu Hause und müssen Dinge wie Verbrauch, Versorgung, Interaktion und Produktivität neu bewerten und erfinden – das Resultat sind wahrhafte Paradigmenwechsel und steht im Gegensatz zu normalen Trends, die sich mit der Zeit beschleunigen oder verlangsamen.

So beschleunigt sich beispielsweise die Verlagerung von Barzahlungen auf digitale Zahlungen deutlich: In diesem Jahr haben beispielsweise 31 Länder die Grenzen für kontaktlose Zahlungen aufgehoben, um Social Distancing-Maßnahmen zu unterstützen. In Großbritannien ging die Nutzung von Geldautomaten bereits zwischen sechs und 14 Prozent pro Jahr zurück – angesichts der Krise reduzierte sich die Nutzung nun um mehr als die Hälfte. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf verschiedene Bereiche, unter anderem auf die Widerstandsfähigkeit der Zahlungsformen, die Generationenlücke, die Geschäftsmodelle der Banken und auf die Gesellschaft.

Am Arbeitsplatz sehen wir bereits eine Überladung des „Bring your own device (BYOD)“-Trends im Bereich der Geschäftstechnologie. Um über Distanz hinweg zusammenzuarbeiten oder zu sozialisieren, setzen immer mehr Anwender auf Tools wie Zoom, Slack, Microsoft Teams und sogar die Houseparty-App – pro Minute kommen so Millionen von persönlichen und geschäftlichen Interaktionen zustande.

Unternehmen, die ihre Lösungen so konzipiert haben, dass sie das volle Potenzial von Cloud Computing ausschöpfen, spüren den Druck weniger. Beispielsweise bieten die Cloud Unternehmen einen einfachen Zugang zu digitalen Zahlungsmethoden. Darüber hinaus hat die Technologie Firmen in die Lage versetzt, weiter zu arbeiten, denn die Mitarbeiter im Remote-Office zu Hause konnten schnell und sicher auf Geschäftsanwendungen zugreifen. Die Cloud bietet aber auch finanzielle Flexibilität: Organisationen, die eine verlangsamte Geschäftsentwicklung erleben, können die Technologiekosten von Geschäftsbereichen, die vor Herausforderungen stehen, dynamisch anpassen.

Darüber hinaus müssen sich die Lieferketten in Echtzeit neu konfigurieren. Da die Nachfrage nach persönlicher Schutzausrüstung (PSA), Beatmungsgeräten und anderen Medikamenten sprunghaft ansteigt, müssen Hersteller umrüsten und sich neu erfinden. So wandte sich beispielsweise Royal Mint der Produktion medizinischer Visiere zu, während Dyson und viele andere Hersteller, große und kleine, Beatmungsgeräte oder PSA fertigten.
Während große Lebensmitteleinzelhändler Mühe haben, die Schlangen verärgerter Kunden zu bewältigen, haben sich clevere lokale Restaurants schnell in Einzelhändler verwandelt und ihre Restaurant-Lieferketten wieder auf den Endverbraucher ausgerichtet.

Diese Kombination von skalierbaren und agilen Fähigkeiten ist es, die den kurz- und mittelfristigen Erfolg von Firmen, ob groß oder klein, bestimmen wird. Längerfristig wird der Wandel jedoch grundlegender sein müssen. Widerstandsfähigkeit, kombiniert mit Agilität, muss der neue Schwerpunkt der Führungsriegen sein, wenn wir diese Krise bewältigt haben.

Um langfristige Widerstandsfähigkeit zu schaffen, benötigen unsere Lieferketten Unterstützung durch Robotic Process Automation (RPA) und künstlicher Intelligenz (KI). Diese Technologien reduzieren manuelle Eingriffe und verschiedene Übertragungsrisiken – gleichzeitig wird vermieden, dass Menschen sich bei der gemeinsamen Arbeit von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen müssen. Darüber hinaus ermöglichen sie, die Produktion als Reaktion auf eine plötzliche Nachfrage zu skalieren und zu verkleinern.

Tatsächlich könnten staatliche Interventionen diesen Trend unbeabsichtigt beschleunigt haben. Die fiskalischen Stimuli vieler Länder laufen auf das bisher größte Experiment mit dem Universellen Grundeinkommen (Universal Basic Income / UBI) hinaus. Das UBI wird von vielen als eine Voraussetzung für eine erfolgreiche KI-getriebene Wirtschaft angesehen – indem es Unternehmen in die Lage versetzt, Menschen potenziell zu ersetzen, ohne deren Wohlergehen zu beeinträchtigen.

Die Krise wird eine Menge veralteter Praktiken ausmerzen – und dies vielleicht in einem ganz anderen Ausmaß als wir momentan denken. Wir werden immer reisen, essen gehen, uns unterhalten lassen und persönliche Erfahrungen machen wollen. Aber all diese Aktivitäten verändern sich mit der Zeit, eventuell werden sie gar von ganz anderen Marken und Mitteln durchgeführt, als wir es bisher gewohnt waren.

Wir werden aus dieser Zeit als globale Gesellschaft gestärkt, weiser und vernetzter hervorgehen. Widerstandsfähigkeit wird bei jeder Strategie im Vordergrund stehen, doch die Agilität gewährleistet die Wettbewerbsfähigkeit und die Fähigkeit, auf Unerwartetes zu reagieren. Um dies zu erreichen, werden die Unternehmen neu bewerten müssen, wo sie stark und wo sie flexibel sein müssen.

Anja Schmoll-Trautmann

Anja Schmoll-Trautmann berichtet seit 2001 vorrangig für ZDNet.de über aktuelle Entwicklungen im Bereich Consumer Electronics, Mobile und Peripherie. Seit 2012 beschäftigt sie sich auch für silicon.de immer wieder mit Business-Hardware, Digitalisierung und Markttrends.

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