Stratos Wanderserver

Dr. Christian Böšing CEO Strato AG, will die Kapazitäten des Anbieters in den nächsten Jahren noch weiter steigern. Quelle: obs/Strato AG

Der Strato-Technikvorstand Christian Müller öffnet eine Stahltür, warnt vor einer Stufe hinter der Tür und zeigt auf die Lebensversicherung seines Berliner Rechenzentrums. In dem Raum stehen zwei von insgesamt sechs Dieselgeneratoren. Bei einem Stromausfall liefern sie innerhalb weniger Minuten die Energie für das Rechenzentrum. Der Ort ist geheim, der Zugang vielfach gesichert und die Mitarbeiter verschwiegen. Bei einem Rundgang durch das Rechenzentrum von Strato erfährt und sieht der Besucher in erster Linie Dinge, über die er nicht reden und schon gar nicht schreiben darf.

Aber unbestritten und offensichtlich ist – der Anbieter dedizierter Server, Internet-Lösungen und Online-Speicher baut um.

Denn allein im dritten Quartal 2013 habe Strato – verglichen mit dem Vorjahreszeitraum – etwa 80 Prozent mehr Neukunden hinzugewonnen, erklärt ein stolzer Vorstandvorsitzender Dr. Christian Böing hinter sieben verschlossenen Türen an einem unbekannten Ort. Deshalb sei es jetzt an der Zeit, die Kapazitäten deutlich auszubauen. Ziel sei es, auch in Zukunft ausreichend Server und Festplatten zur Verfügung zu stellen. Strato plane in den nächsten fünf Jahren Platz und Infrastruktur zu schaffen, um die Zahl derzeit rund 55.000 Server um etwa dreißig Prozent erhöhen zu können – das bedeutet dreißig Prozent mehr Bedarf an Energie und dreißig Prozent mehr Kühlung.

So haben die Techniker die letzten Monate damit verbracht, alte Stromverteiler, Transformatoren, Leitungen und Klimageräte auszubauen und durch neue Komponenten zu ersetzen; parallel dazu hat der Stromversorger eine zweite Leitung vom Umspannwerk zum Rechenzentrum gelegt.

Zwischen Verteilerraum und Servern hat Strato die unterbrechungsfreie Stromversorgung ausgebaut, für die Überbrückung von kurzen Stromausfällen ständen laut Müller insgesamt 3.500 Batterien bereit. Auch die zwei Generatoren, die Müller zu Beginn der Führung gezeigt hat, seien neu angeschafft. Hier stehen nach dem Umbau 8000 Kilowatt Generatorenleistung zur Verfügung.

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Müller sagt, dass erst der erste Schritt eines mehrjährigen Projektes geschafft sei. Nachdem die Techniker die Infrastruktur neu aufgebaut hatten, ziehen sie jetzt mit den Servern um. In einem von mehreren etwa 800 Quadratmeter großen Serverräumen erklärt Müller, wie Strato Jahr für Jahr jeweils einen dieser Räume leer räumt, umbaut und dann neu einrichtet: Sobald diese Bauarbeiten abgeschlossen sind, ziehen jeweils die Server von einem der alten in den neu ausgebauten Serverraum um.

Für die Strato-Mitarbeiter bedeutet dies Nachtschichten. Denn erst wenn es im deutschen Teil des Internets so gegen zwei Uhr ruhig wird, kabeln die Techniker die Serverschränke ab, verladen sie auf einen “Gabelhubwagen” und schieben sie einige Meter weiter in ihr neues Zuhause.

Wenig später sind die Server wieder online. “Anders als die Server zieht der Online-Speicher nur virtuell um”, so Müller weiter. “Das heißt wir tragen keine Server, sondern kopieren die Daten aus dem einen Serverraum in den anderen.” Insgesamt kopiere Strato 2,4 Petabyte Daten innerhalb des Gebäudes. Sind die einen Festplatten leer, schieben die Mitarbeiter die Racks in den neuen Serverraum und nehmen sie dort wieder in Betrieb.

“Wenn wir in fünf Jahren die Bauarbeiten abgeschlossen haben, werden wir sicher schon mit der Planung der nächsten Erweiterung beginnen”, glaubt Müller und bringt die Besucher durch Stahltüren hinaus ins Freie. Schwarze Kleinbusse stehen bereit, die die Gäste zurück ins Berliner Zentrum chauffieren.

Martin Schindler

Martin Schindler schreibt nicht nur über die SAPs und IBMs dieser Welt, sondern hat auch eine Schwäche für ungewöhnliche und unterhaltsame Themen aus der Welt der IT.

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