Weitere Shellshock-Angriffe auf Mail-Server in Deutschland entdeckt

Trend Micro hat weitere Angriffe auf die Bash-Lücke in Linux mit dem Namen Shellshock registriert. Ziel der Attacken sind SMTP-Server. Vor allem Deutschland, Kanada, Taiwan und die USA sind davon betroffen.

Aus einem Blog des Sicherheitsunternehmens geht hervor, dass Angreifer den Shellshock-Schadcode in die Felder Betreff, Absender, Empfänger und Kopie einer E-Mail einfügen. Der eingebettete Exploit wird nach Erreichen eines anfälligen Servers, auf dem das Simple Mail Transfer Protocol (SMTP) läuft, ausgeführt. Ein Server lädt anschließend einen IRC-Bot und startet diesen. Der Bot richtet eine Verbindung zu einem IRC-Server ein. Angreifer können auf diese Weise unterschiedliche Aktionen auf dem SMTP-Server ausführen. Somit können sie einen kompromittierten Server unter anderem für den Versand von Spam-Nachrichten nutzen.

Trend Micro stuft Server als möglicherweise anfällig ein, die den qmail Message Transfer Agent verwenden. Unter Umständen könne er Bash-Befehle ausführen. Das träfe ebenfalls auf exim MTA vor der Version 4 und Postfix unter der Verwendung von procmail zu. Für Shellshock sei Postfix zwar nicht anfällig, allerdings könne procmail Umgebungsvariablen verarbeiten und manipulierte Message-Header an andere Programme weiterleiten.

Für die Programmierung des verwendeten IRC-Bots nutzten die Kriminellen Perl. Über die Ports 666, 323 und 9999 verbindet er sich mit einem Befehlsserver. Wie Trend Micro weiter erklärt, könne er nicht nur E-Mails versenden und Dateien herunterladen, sondern auch Unix-Befehle ausführen, nach bestimmten Ports scannen und DDoS-Angriffe starten.

Systeme in Deutschland sind laut Trend Micro von 21 Prozent der analysierten Shellshock-Angriffe betroffen. Der gleiche Anteil entfällt auf Taiwan. Server in den USA und Kanada weisen einen Anteil von 16 respektive 10 Prozent auf.

IT-Administratoren sollten die von den Angreifern genutzten IP-Adressen und Domains blockieren, rät Trend Micro. Bislang seien die Zahl der betroffenen Länder sowie die Auswirkungen der Angriffe gering.

Seit Ende September ist die Sicherheitslücke in der Bourne-Again Shell (Bash) bekannt. Sie wird unter Linux, Unix und OS X verwendet. Angreifer können die als kritisch eingestufte Sicherheitslücke nutzen, um unter Umständen Shell-Befehle aus der Ferne und ohne Authentifizierung auf einem Server auszuführen. Aufgrund der hohen Verbreitung der Bourne-Again Shell wird die Schwachstelle auch mit der Open-SSL-Lücke Heartbleed verglichen.

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

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Andre Borbe

Andre ist Jahrgang 1983 und unterstützte von September 2013 bis September 2015 die Redaktion von silicon.de als Volontär. Erste Erfahrungen sammelte er als Werkstudent in den Redaktionen von GMX und web.de. Anschließend absolvierte er ein redaktionelles Praktikum bei Weka Media Publishing. Andre hat erfolgreich ein Studium in politischen Wissenschaften an der Hochschule für Politik in München abgeschlossen. Privat interessiert er sich für Sport, Filme und Computerspiele. Aber die größte Leidenschaft ist die Fotografie.

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