Intransparenter Umgang mit privaten Daten: Autohersteller riskieren Vertrauen ihrer Kunden

Die Studie „Datenschutz in der Automobilbranche: große Erwartungen, geringes Vertrauen“ von Veritas ist der Fragen nachgegangen, welche Erwartungen Verbraucher in Deutschland an Automobilhersteller haben, wenn es um den Schutz und die Weitergabe ihrer privaten Daten geht.

Die Ergebnisse zeigen, dass 86 Prozent der Verbraucher von den Automobilherstellern angemessene Maßnahmen zum Schutz ihrer persönlichen Daten erwartet. Fast drei Viertel gaben an, im Falle eines Lecks oder einer Datenschutzverletzung mit Blick auf ihre personenbezogenen Informationen einen Wechsel der Automarke in Betracht zu ziehen.

Eine im September veröffentlichte Untersuchung der Mozilla Foundation deckte bereits auf, in welchem Ausmaß 25 der weltweit führenden Automarken private, zum Teil äußerst sensibleDaten sammeln und weitergeben. Der Bericht zeigte weiter, dass 17 der 25 überprüften Hersteller in jüngster Vergangenheit von einem Datenschutzvorfall betroffen waren. Keine der Marken wurde in der Studie als zufriedenstellend bewertet, wenn es um den Schutz und den sorgsamen Umgang mit privaten Daten geht.

Wenig Vertrauen in Automobilhersteller

84 Prozent der Verbraucher wünschen sich jedoch Klarheit darüber, wo und wie die von ihrem Fahrzeug erfassten Daten gespeichert werden. Weniger als die Hälfte (43 Prozent) ist jedoch der Ansicht, dass die Automobilhersteller eine einfache Möglichkeit bieten, ihre Daten direkt im Fahrzeug oder online zu löschen. Das widerspricht den Anforderungen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

Letztendlich hat fast die Hälfte der Befragten kein Vertrauen in die Automobilhersteller, wenn es um ihre privaten Daten geht. Jeder Dritte ist sogar der Meinung, dass die Automobilhersteller die DSGVO nicht einhalten – und das, obwohl sie für alle Unternehmen und Behörden auf europäischem Boden gilt.

In punkto sicherer Datenspeicherung sind die Befragten kaum zuversichtlicher. Nur etwas mehr als die Hälfte ist der Ansicht, dass ihre privaten Daten in ihren Fahrzeugen sicher gespeichert sind. Werden die Daten in der Cloud oder auf den Servern der Hersteller gespeichert, haben die Verbraucher ebenso wenig Vertrauen. Den Ergebnissen der Mozilla Foundation zufolge gibt es dafür allen Grund: Die Verschlüsselung von Borddaten, eine grundlegende Praxis im Bereich Cybersicherheit, konnte bei keinem der untersuchten Hersteller bestätigt werden. Das lässt Zweifel an deren Zuverlässigkeit aufkommen.

Verbraucher nur teilweise aufgeklärt

Die befragten Verbraucher scheinen sich über dieSituation nur begrenzt im Klaren zu sein: Drei von vier Befragten geben an, dass sie sich der legitimen Datenerfassung bewusst sind, also der Speicherung von Daten, die zum Nutzen der Fahrerassistenzsysteme benötigt werden. Dazu zählen Informationen, mit denen sich die Fahrzeugentwicklung sowie das Entertainment an Bord verbessern lassen. Weniger als die Hälfte ist dagegen der Erhebung und Speicherung sensiblerer Daten gewahr, die für die Anwender nicht unmittelbar von Nutzen sind. Dazu zählen beispielsweise Geolokalisierung, Gesundheitsdaten oder private Bilder.

Wenn es um die Weitergabe und den Verkauf von Daten geht, sind Verbraucher sogar erschreckend schlecht informiert: Nur 43 Prozent wissen, dass die Autohersteller ihre privaten Daten an öffentliche Einrichtungen oder Strafverfolgungsbehörden weitergeben dürfen. Genau so viele sind sich der Tatsache bewusst, dass Automobilhersteller diese Daten auch an andere private Unternehmen weitergeben oder verkaufen können.

Persönliche Daten werden weitergegeben

Laut Untersuchung der Mozilla Foundation merkt jedoch „eine überraschend hohe Anzahl von 56 Prozent der Automobilhersteller an, Daten ‚auf Anfrage‘ an die Regierung oder Strafverfolgungsbehörden weitergeben zu können. Hierfür ist nicht etwa eine richterliche Anordnung erforderlich – eine simple ‚informelle Anfrage‘ genügt.“ Weiter gaben „84 Prozent der Automarken im Mozilla Foundation Test an, persönliche Daten weitergeben zu können – an Dienstleister, Datenbroker und andere Unternehmen, über die wir wenig bis gar nichts wissen. Noch schlimmer: Drei Viertel der Marken sagen, dass sie persönliche Daten verkaufen können.“

Roger Homrich

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