Merkel soll Infineon mit Russland verkuppeln

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Russlands Präsident Dmitrij Medwedew träumt von einem eigenen Silicon Valley. Für vier Milliarden Dollar lässt er derzeit vor den Toren Moskaus die “Stadt der Zukunft” bauen – mit reichlich Platz für Infineon-Technologien. Jetzt soll Bundeskanzlerin Angela Merkel helfen, den russischen Traum vom Einstieg bei Infineon wahr werden zu lassen.

Im Kanzleramt hält man sich bedeckt. Die Kanzlerin habe sich lediglich positiv zu einer deutsch-russischen Zusammenarbeit in diesem Sektor geäußert, will die Nachrichtenagentur Reuters erfahren haben. Moskau und Sistema schweigen.

Bleiben die Fragen, warum sich der russische Mischkonzern ausgerechnet für Infineon so hartnäckig begeistert – und warum er auf der anderen Seite so hartnäckig abgewiesen wird.

Kurz gesagt, betrachtet Infineon einen möglichen Sistema-Einstieg als Sicherheitsrisiko. Die Sistema-Tochter RTI Systems hat unter anderem Russlands Verteidigungsministerium und den Geheimdienst ganz oben auf der Kundenliste. Infineon wiederrum stellt auch Sicherheitstechnik für deutsche Behörden her. Diese Mixtur lässt die Verantwortlichen in Deutschland seit Jahren zaudern.

Russland seinerseits würde von einem Technologie-Update aus Deutschland entscheidend profitieren. Die landeseigene Chipindustrie hinkt der weltweiten Konkurrenz hinterher. Das Knowhow aus München könnte zudem auch für den Aufbau eines eigenen Navigationssatelliten-Netzes genutzt werden.

Russlands Präsident Medwedew zog derweil vergangene Woche nach Kalifornien weiter, um im Original-Silicon-Valley für sein ‘Smart Russia’ zu werben. Trotz intensiven Gesprächen hatte er am Ende lediglich die Zusage von Cisco für eine Milliarden-Investition im Gepäck. Von Apple-Chef Steve Jobs bekam Medwedew lediglich ein iPhone geschenkt. Weil aber russische Staatsbedienstete Geschenke ab einem Wert von 100 Dollar abgeben müssen, darf Medwedew das iPhone wohl nicht behalten. Russlands Annährung an die westliche IT-Branche ist alles andere als leicht.

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