SAP HANA als “single source of truth”

SAP hat sich auf der Sapphire in Orlando deutlich zu zwei Vorbildern bekannt: Apple in Sachen Design und Google in Sachen Geschwindigkeit. Die Technologie, mit der der deutsche Softwareanbieter Tempo in sein Portfolio bringen will, ist HANA.

Die In-Memory-Datenbank ist nach wie vor einer der Stars in SAPs Produktprogramm. Daten lassen sich mit dieser Technologie extrem schnell verarbeiten. Unter anderem nutzt inzwischen die McLaren Group HANA. Im Kerngeschäft, dem Formel-1-Rennsport, hat McLaren Telemetriesysteme entwickelt, die Daten aus den Autos verarbeiten, welche mithilfe von Sensoren erfasst werden. Auf Basis von SAPs Datenbank können diese Informationen in Echtzeit analysiert werden.

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Die Anwendungsmöglichkeiten für HANA will SAP kontinuierlich ausbauen. “HANA für alle”, hat schließlich Snabe bereits in Madrid als Leitmotiv verkündet. Nachdem das Netweaver Business Warehouse mittlerweile auf der HANA-Appliance läuft, soll die Technologie künftig als Plattform für eine ganze Reihe von neuen Anwendungen dienen. Dazu zählen sowohl Cloud- als auch On-Premise-Applikationen.

Zu den neuen Lösungen auf Basis von HANA gehört zum Beispiel eine Anwendung für Sales and Operations Planning. Laut SAP können Unternehmen damit bei Schwankungen in der Nachfrage ihre Fertigungs-, Beschaffungs- und Logistikpläne schnell anpassen. Im Angebot sind auch eine Lösung für Liquiditätsprognosen sowie –analysen sowie eine Applikation, um Planungsprozesse zu beschleunigen.

Bill McDermott. Bild: SAP.

HANA steht im Mittelpunkt der SAP-Strategie. “Wir sind zur Zeit der am schnellsten wachsende Datenbankanbieter der Welt”, erklärt Co-CEO Bill McDermott. “Und ich halte es für realistisch, dass wir 2015 die Nummer 2 im Datenbankmarkt sein werden.”

Die “single source of truth” soll HANA irgendwann in den Unternehmen sein – also die einzig relevante zentrale Datenquelle. Das heißt aber auch, dass neben sämtlichen SAP-Anwendungen auch die Applikationen anderer Anbieter auf HANA laufen sollen. Dafür bauen die Walldorfer ihre Datenbank als Entwicklungsplattform für Drittanwendungen aus.

Neben analytischen Informationen werden dann auch transaktionale Daten mithilfe von HANA verarbeitet. Entsprechende Anwendungsfälle gebe es bereits jetzt, sagt Ingo Brenckmann, Senior Development Manager bei SAP. Im transaktionalen Bereich sehen Experten spaltenorientierte Datenbanken wie etwa HANA jedoch im Nachteil gegenüber zeilenbasierenden Systemen, weil zum Beispiel das Einfügen von Daten aufwändiger ist. Dem hält Brenckmann entgegen: “SAP hat die HANA-Technologie stark weiter entwickelt, um die Nachteile aufzuheben.”

Neben transaktionalen Daten wird HANA wohl bald auch fähig sein, mit unstrukturierten Informationen umzugehen, wie sie etwa in Dokumenten oder E-Mails vorliegen. Die Datenmanagement-Lösungen SAP Data Services und SAP Information Steward enthalten Funktionen für die Textverarbeitung. Mithilfe linguistischer Analyse lassen sich Dokumente analysieren. Durch das Service Pack Stack 4 können entsprechende Anwendungen mit HANA umgesetzt werden.

Unter “HANA für alle” versteht SAP aber nicht nur die Erweiterung von Aufgaben, die sich mit der Datenbank erledigen lassen. Der Slogan bezieht sich auch auf die unterschiedlichen Unternehmensgrößen. So weist Brenckmann darauf hin, dass mit “HANA Edge” auch eine Version für Mittelständler bereit steht. Gleichzeitig räumt er ein, dass SAP diese Zielgruppe noch nicht dem Maße erreicht habe, wie sich das die Verantwortlichen in Walldorf vorstellen. “HANA wird in erster Linie immer noch als eine teure Lösung gesehen”, so Brenckmann.

Er schiebt das vor allem auf die Berichterstattung über HANA, die sich besonders auf die Kosten für die Lösung konzentriere. Aber immerhin: Laut SAP gibt es schon deutsche Anwender aus diesem Bereich. Öffentlich präsentiert werden diese jedoch noch nicht.

Neben Cloud Computing und In-Memory gibt es derzeit noch einen weiteren Schwerpunkt in der SAP-Strategie: Mobility. In Orlando stellte der deutsche Softwerker denn auch eine Reihe neuer mobiler Apps vor. Dazu zählen unter anderem Mini-Anwendungen für den Personalbereich, den Vertrieb und mobile Commerce. Für das letztgenannte Einsatzfeld wurde die Lösung Sybase 365 entwickelt. Dies ist eine Kundenbeziehungs- und Handelsplattform für Unternehmen aus den Branchen Telekommunikation, Banken, Versorgung, Handel und Verbrauchsgüter. Deren Kunden können dank der SAP-Lösung mit ihren Mobilgeräten bezahlen oder andere Finanzgeschäfte erledigen.

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