Deutschlands größter Autoverwerter LRP setzt auf Catena-X

Lohnt es sich ein Auto anzukaufen? Wie rentabel ist die Verwertung? Eine Frage, die sich die Mitarbeitenden von LRP Autorecycling tausende Mal im Jahr stellen. Für eine verlässliche Einschätzung benötigen sie genaue Informationen darüber, welche Komponenten und Materialien im Fahrzeug verbaut sind. Eine Information, die es heute auf Knopfdruck noch nicht gibt. Diese Transparenz in der Wertschöpfungskette zu schaffen, ist eines der Ziele des Catena-X Automotive Network, in dem Unternehmen der gesamten Wertschöpfungskette miteinander vernetzt sind. Damit Unternehmen an das Datenökosystem „andocken“ können, müssen die verschiedenen IT-Systeme untereinander kompatibel sein.

Was ist im Auto drin ?

Warum ist Transparenz in der Wertschöpfungskette so wichtig? Es gibt wenige Produkte, die so individuell zusammengestellt sind wie ein Auto. Ein Neuwagen besteht aus einer fast einzigartigen Kombination aus Komponenten. Die Mitarbeitenden der LRP, Deutschlands größtem Autoverwerter, sehen nicht auf den ersten Blick, welche Teile und Materialien in einem Altwagen verbaut sind. Das macht es beim Recycling umso komplizierter. Ist der Ausbau und Verkauf einzelner Komponenten wirtschaftlich? Oder macht nur eine Entsorgung Sinn? Bislang basiert diese Entscheidung auf selbsterstellten Listen und Informationen aus einer Vielzahl verschiedener Datenbanken.

Hier kommt der Mehrwert des Catena-X Datenökosystems zum Tragen: In dem neutralen Netzwerk finden Anwender wie die LRP, standardisierte und vertrauenswürdige Daten mit Informationen entlang der gesamten automobilen Wertschöpfungskette – von der ersten Schraube bis zum kompletten Fahrzeug.

Standardisierung für mehr Transparenz

Bei jedem individuell konfigurierten Fahrzeug werden die Bauteile individuell aus dem Lieferantenökosystem des Automobilbauers bereitgestellt. Jeder dieser Lieferanten nutzt seine eigenen Prozesse und IT-Systeme. Die Daten aus diesen unterschiedlichen Systemen sind häufig untereinander nicht kompatibel. Komponenten und Bauteile haben verschiedene, unternehmens-individuelle Kennungen in unterschiedlichen Datenformaten. Ziel von Catena-X ist, dass die Bereitstellung der Daten zukünftig über gemeinsam definierte, standardisierte Schnittstellen erfolgt. Eine Integrationslösung von T‑Systems ermöglicht es Unternehmen, Daten aus ihren Systemen zu extrahieren und diese dann auf Plattformen wie Catena-X bereitzustellen.

Mithilfe eines speziell für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) entwickelten Moduls stellt T‑Systems eine Lösung bereit, um Warenwirtschaftssysteme von Unternehmen zukünftig an die Catena-X Infrastruktur anzubinden. So werden die benötigten Austausch-Daten der LRP-Autorecycling dann automatisiert an die Catena-X Datenmodelle angepasst und an die Plattform übergeben. Umgekehrt fließen die Daten wiederum interoperabel zum Warenwirtschaftssystem zurück. Über die Catena-X Plattform wird es künftig möglich sein, auf die Daten der Mitgliedsunternehmen in standardisierter Form zuzugreifen. Wer auf welche Daten wie zugreifen kann, ist genauestens geregelt. Stichwort: Datensouveränität.

Digitaler Zwilling als Datenverwalter

Bei der Umsetzung helfen „digitale Zwillinge“. Digitale Kopien jedes einzelnen Fahrzeugs oder seiner Komponenten. Ein vollständiges, virtuelles Abbild der Lieferkette ergibt sich jedoch erst, wenn Daten aus verschiedenen Unternehmen zusammenfließen. Die über digitale Zwillinge bereitgestellten Informationen der jeweiligen Zulieferer und anderer Stakeholder in der Lieferkette können durch das Catena-X Datenökosystem zusammengeführt werden. Erst dann wird transparent, welcher Zulieferer welches Bauteil produziert hat. Woher er die Teile und Rohstoffe bezogen hat. Welche Reparaturen im Laufe der Zeit durchgeführt wurden. Und welche Teile neu verbaut wurden.

Technisch sieht die Lösung in Zukunft vor, dass auf jeder Wertschöpfungsstufe der Produktion ein „Datencontainer“ entsteht. Diese „Container“ werden zentral im Datenökosystem registriert. Die Vorgaben des Datenökosystems regeln den Austausch der Daten. Die eigentlichen Daten verbleiben in den Systemen ihrer Besitzer. Für die Mitarbeitenden der LRP bedeutet dies: sie erhalten nur Zugriff auf die Information, welche Komponenten verbaut oder welche Schadstoffe in Bauteilen enthalten sind. So ist die Datensouveränität für alle Beteiligten gewährleistet. Der aufwendige, manuelle Abgleich mit verschiedenen Datenquellen entfällt. Auf Basis dieser Daten kann LRP deutlich fundierter darüber entscheiden, ob der Ankauf eines Fahrzeuges für sie von Interesse ist. Durch eine einfache Anpassung der Konfiguration kann die Lösung auch für weitere Unternehmen und ihre IT-Systeme genutzt werden.

Roger Homrich

Recent Posts

KI als Pairing-Partner in der Software-Entwicklung

Pair Programming ist eine verbreitete Methode in der Softwareentwicklung mit vielen positiven Effekten, erklärt Daniel…

4 Tagen ago

Confare #ImpactChallenge 2024 – jetzt einreichen und nominieren

Mit der #ImpactChallenge holt die IT-Plattform Confare IT-Verantwortliche auf die Bühne, die einen besonderen Impact…

4 Tagen ago

Ransomware: Zahlen oder nicht zahlen?

Sollen Unternehmen mit den Ransomware-Angreifern verhandeln und das geforderte Lösegeld zahlen?

4 Tagen ago

KI-gestützter Cobot automatisiert Sichtprüfung

Die manuelle Qualitätsprüfung von Industrieprodukten ist ermüdend und strengt an.  Eine neue Fraunhofer-Lösung will Abhilfe…

5 Tagen ago

Digitalisierungsberufe: Bis 2027 fehlen 128.000 Fachkräfte

Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, in welchen Digitalisierungsberufen bis 2027 die meisten…

5 Tagen ago

Angriffe auf Automobilbranche nehmen zu

Digitalisierung und Vernetzung der Fahrzeuge, Elektromobilität und autonomes Fahren bieten zahlreiche Angriffspunkte.

5 Tagen ago