Microsoft ist Open-Source-Anbieter

Die ‘Open Source Initiative’ (OSI) hat zwei Microsoft-Lizenzen in den Katalog der offiziellen Open-Source-Lizenzen aufgenommen.

Redmond hatte die ‘Microsoft Public License’ (MPL) und die ‘Microsoft Reciprocal License’ (MRL) im Juli bei der OSI zur Bewertung eingereicht.

Die MPL und die MRL sind zwei der drei Lizenzen, die Microsoft in der so genannten Shared Source Initiative anbietet. Die restriktivste dieser Lizenzen – die ‘Microsoft Reference License’ – wurde der OSI nicht vorgelegt.

Am freiesten ist die MPL. MPL-Lizenznehmer können den Code modifizieren sowie zu kommerziellen und nicht-kommerziellen Zwecken verwenden. Die MRL empfiehlt Microsoft besonders für Projekte in Teamarbeit. Auch diese Lizenz erlaubt die Modifikation und die Vermarktung des Codes zu kommerziellen und nicht-kommerziellen Zwecken.

Nach ausführlichen Beratungen kam die OSI jetzt zu dem Schluss, dass beide Lizenzen mit der Open Source Definition kompatibel sind. Nach die OSI ihren Segen erteilte, gehören die MPL und die MRL zur gleichen Lizenzkategorie wie die GNU General Public License und die Mozilla Public License.

Microsoft kann sich jetzt offiziell Open-Source-Anbieter nennen – falls das Unternehmen das möchte. Die Entscheidung sei eine “enorme Lernerfahrung für Microsoft”, hieß es von Bill Hilf, Microsoft General Manager Windows Server Marketing. Microsoft freue sich darauf, weiterhin in der Open Source Community mitzuarbeiten.
 
Die OSI hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Eric S. Raymond, Mitbegründer und Mitglied der OSI, hatte öffentlich mit dem Gedanken gespielt, Microsoft durch die Open-Source-Prüfung fallen zu lassen.

Hintergrund ist das Streben des Konzerns, das eigene Dokumentenformat ‘Office Open XML’ (OOXML) zum ISO-Standard zu machen. Microsofts Verhalten in dieser Sache sei “ungeheuerlich”, schrieb Raymond in einem Blogeintrag. OOXML diene dazu, Microsofts Monopol zu sichern. Die Art und Weise, wie das Unternehmen seinen Vorschlag durch den Prozess der Standardisierung “ramme”, verletzte die Richtlinien der ISO.

Raymond drohte Microsoft mit Konsequenzen. Im OSI-Bewertungsprozess gehe es zwar um die Sache. Angesichts des Verhaltens von Microsoft in Sachen OOXML sei er allerdings fast soweit, der OSI zu empfehlen, dem Hersteller die Anerkennung zu verweigern.

Nach Angaben von Michael Tiemann, Präsident der OSI und Mitarbeiter von Red Hat, war Raymond nicht der einzige Open-Source-Aktivist, der Microsofts Ansinnen kritisch gegenüberstand. In der Community habe es Vorbehalte gegeben, Lizenzen eines Anbieters zu akzeptieren, der Open Source traditionell ablehnt.

So haben Open-Source-Aktivisten die OSI in 400 E-Mails dazu aufgefordert, die Microsoft-Lizenzen nicht anzunehmen. “Am Ende haben die Lizenzen jedoch für sich gesprochen”, sagte Tiemann dem Branchendienst Infoworld. Die OSI habe die Lizenzen im üblichen Verfahren bewertet. “Beide entsprechen der Open-Source-Definition.”

In der Community gebe es jetzt Befürchtungen, dass Microsoft in Code, der unter einer OSI-Lizenz steht, patentierte Techniken einbettet, dies dann Open Source nennt und dafür Lizenzgebühren verlangt. Falls Microsoft so etwas wirklich vorhabe, sollte sich das Unternehmen dies lieber zweimal überlegen, sagte Tiemann.

“Dann dürften weitaus mehr als 400 E-Mails kommen.” Jetzt müsse man zunächst einmal sehen, ob außer Microsoft auch andere Unternehmen Code unter der MPL und der MRL lizenzieren.