E-Commerce-Händler könnten 2022 Milliarden Euro zu viel Umsatzsteuer zahlen

E-Commerce-Händler unterschätzen Verluste, die entstehen, wenn sie bei der Steuermeldung geltende lokale Reduzierungen und Ausnahmen nicht berücksichtigen.

Die Umsatzsteuersätze in der EU variieren. von 17 Prozent in Luxemburg bis 27 Prozent in Ungarn. Dazu kommen noch reduzierte Sätze zwischen unter 5 bis 15 Prozent. Einige EU-Länder wenden auf bestimmte Umsätze außerdem einen Nullsatz an. Welcher Satz einem Produkt zugeordnet wird, obliegt dem jeweiligen Mitgliedstaat. Anfang Dezember hat sich der Rat für Wirtschaft und Finanzen der EU, ECOFIN, außerdem für neue Freiheiten der Mitgliedstaaten bei der Anwendung reduzierter Umsatzsteuersätze ausgesprochen.

Händler unterschätzen Verluste, die auf Umsatzsteuer-Ausnahmen zurückgehen

Viele E-Commerce-Händler setzen dennoch auf für Verbraucher länderübergreifend einheitliche Produktpreise. Sie unterschätzen allerdings die Verluste, die entstehen, wenn bei der Steuermeldung geltende lokale Reduzierungen und Ausnahmen nicht berücksichtigt werden und stattdessen immer der Standardsatz an die Finanzbehörden weitergegeben wird. Eine Differenz, die das Unternehmen eigentlich seiner Marge hinzurechnen könnte.

Blieben Umsatzsteuer-Ausnahmen in 2022 unberücksichtigt, träfe den EU E-Commerce eine Überzahlung von 3,8 Milliarden Euro, so eine Schätzung des Berliner Tax Technology Spezialisten eClear. Zugrunde liegt der Berechnung der von Statista Global Consumer Survey für die EU-27 in 2022 prognostizierte E-Commerce-Umsatz von 388,371 Milliarden Euro. Sämtliche für Onlinehändler relevanten Steuersätze und -regeln führt eClear in seiner Datenbank VATRules zusammen und aktualisiert diese fortwährend.

VAT Optimiser warnt vor möglicher Umsatzsteuerüberzahlung

Unternehmen, die den Aufwand einer EU-weiten Steuersatzermittlung mit fortwährender Aktualisierung bislang höher einschätzen als ihre Vorteile, können nun kostenfrei prüfen, ob die von ihnen angebotenen Produktgruppen in anderen EU-Ländern von Reduzierungen und Ausnahmen betroffen sind. 

Zur schnellen Berechnung sind in den von eClear entwickelten VAT Optimiser lediglich die Umsätze nach Ländern einzutragen und die Produktgruppen anteilig zu gewichten. In wenigen Sekunden wird das Umsatzsteuer-Optimierungspotenzial in Euro benannt. Wer an einer Aufschlüsselung nach Ländern und Produktgruppen Interesse findet, kann sich diese per Mail zukommen lassen.

Laut VAT Optimiser könnte ein Onlinestore, der in den Niederlanden 980.000 EUR und in Belgien 750.000 EUR in der Produktgruppe Haus & Garten umsetzt, sein Ergebnis um gut 36.000 EUR verbessern. Das Ergebnis (Umsatzsteuer-Optimierungspotenzial) beschreibt die Differenz zwischen der pauschalen Anwendung von Standard-Umsatzsteuersätzen und der Anwendung der je nach Produktklasse tatsächlich geforderten Umsatzsteuersätze; letztere berücksichtigen dann alle aktuellen Ausnahmeregeln und Reduzierungen.

Hier kann der VAT Optimiser kostenfrei genutzt werden.

Beispiel: Ein Warenkorb im Wert von 240 EUR brutto, gefüllt mit Kinderkleidung und -schuhen, Buch und Gitarre, würde es in Portugal und Irland mit Anwendung der Standardsätze jeweils auf 44,88 EUR USt. bringen, die den Finanzämtern weiterzureichen sind. Hätte der Händler geltende Reduzierungen und Ausnahmen berücksichtigt, wären es nur 24,54 EUR bzw. 24,68 EUR. Und ihm blieben gut 20 EUR mehr pro Warenkorb.