KI-Sprachmodelle: Deutschland will mitrechnen

Machbarkeitsstudie ermittelt Voraussetzungen für KI-Anwendungen wie beispielsweise Chatbots in Deutschland

ChatGPT bringt Technologiebegeisterte weltweit ins Staunen. Das US-amerikanische Multitalent verfasst Texte jeder Art und gibt Antworten auf komplexe Fragen. Auch in Deutschland und Europa wollen Unternehmen mit neuen und intelligenten KI-Anwendungen auf den Markt. Doch die nötigen Open-Source-Modelle, Trainingsdaten und ausreichende Recheninfrastrukturen fehlen hierzulande. Welche Voraussetzungen es braucht, um Deutschland zum Technologie-Vorreiter zu machen, errechnet die Machbarkeitsstudie „Große KI-Modelle für Deutschland“.

Die von der Initiative Large European AI Models (LEAM) vorgestellte Studie zeigt, dass mehr als 80 Prozent der befragten Experten zum Aufbau eines KI-Ökosystems sowie der Entwicklung von KI-Grundlagenmodellen auf Basis europäischer Werte raten. Aktuell stammen KI-Grundlagenmodelle, die Unternehmen zur Entwicklung von KI-Anwendungen benötigen, zum Großteil aus den USA und China. Dies stellt europäische Unternehmen vor große Herausforderungen, weil beispielsweise der Zugriff auf proprietäre Dienste erschwert ist und die Daten nicht DSGVO-konform verarbeitet werden. „Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und Abhängigkeiten zu verringern, benötigt Deutschland eigene KI-Grundlagenmodelle“, sagt Andreas Weiss, Leiter Digitale Geschäftsmodelle bei eco – Verband der Internetwirtschaft. Dazu legt die Studie der LEAM-Initiative nun ein Konzept zum Aufbau einer dedizierten KI-Supercomputing-Infrastruktur vor.

Der Bedarf für Sprachmodelle ist besonders groß

Aktuell setzen 71 Prozent der hiesigen KI-Unternehmen den Fokus auf große Sprachmodelle. Auch multimodale KI-Modelle (38%) und KI-Modelle zur Berechnung von Geschäfts- und Fertigungsprozessen (34%) sind für die Wirtschaft relevant. KI-Grundlagenmodelle bringen die nächste Entwicklung in der Erfolgsgeschichte der künstlichen Intelligenz. Rund zwei Drittel der deutschen KI-Unternehmen arbeiten bereits mit KI-Grundlagenmodellen. „In den nächsten Jahren werden noch performantere Modelle auf den Markt kommen, die mit größeren Datensätzen trainiert werden“, so Weiss.

Deutschland braucht leistungsfähige KI-Recheninfrastruktur

Eine Voraussetzung für die Entwicklung von KI-Foundation-Modellen ist der Zugang zu einer leistungsfähigen Recheninfrastruktur. Der Aufbau eines KI-Rechenzentrums ist hard- und softwaretechnisch machbar, so die Autor:innen der Studie, zu denen auch eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. gehört. Sie kalkulieren für den Aufbau und Betrieb eines solchen KI-Rechenzentrums rund 380 Millionen Euro und haben ein Modell entwickelt, dass öffentliche und privatwirtschaftliche Mittel umfasst. Freie Open Source-Modelle sowie verfügbare Daten zum Training der Algorithmen wurden von 58 Prozent der befragten Expert:innen als weitere Voraussetzungen genannt.

Die LEAM-Initiative rät dazu verschiedene Werte und Prinzipien in der Entwicklung von KI-Grundlagenmodellen zu integrieren. Dazu gehören Datenschutz und Datensicherheit, Transparenz, Fairness sowie eine hohe Datenqualität. So sollen vertrauenswürdige KI-Grundlagenmodelle geschaffen werden, die breite Anwendungsmöglichkeiten bieten.

Die Machbarkeitsstudie „Große KI-Modelle für Deutschland“ wurde durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) beauftragt. Im Austausch mit der Politik, der Wirtschaft und potenziellen Anwender:innen soll das Thema nun weiter vorangetrieben werden. Dabei empfiehlt die LEAM-Initiative die Gründung einer Projektentwicklungsgesellschaft zum Aufbau der Infrastruktur und Services.

 

Lesen Sie auch : Handwerker-Recruiting 2.0