SOC durch KI-Tools zukunftsfähig machen

Es ist höchste Zeit für eine SOC-Modernisierung, sagt Gastautor Christian Borst von Vectra AI.

SOCs sind in der traditionellen Form  oft nicht in der Lage, mit den heutigen raffinierten und vielfältigen Bedrohungen umzugehen – nicht zuletzt aufgrund des Einsatzes generativer Künstlicher Intelligenz (KI) durch Cyberkriminelle. Die Modernisierung der SOCs erfordert eine Neubewertung und Anpassung der bestehenden Strukturen und Prozesse. Dies beinhaltet eine stärkere Integration von fortgeschrittenen Technologien wie KI und automatisierten Analysetools, die durch eine verbesserte Datengrundlage eine schnellere und effektivere Reaktion auf Bedrohungen ermöglichen.

Einführung von Extended Detection and Response

Eine der Schlüsselkomponenten der SOC-Modernisierung ist die Einführung von Extended Detection and Response (XDR) Lösungen. XDR erweitert die herkömmlichen Sicherheitsansätze, indem es eine umfassendere und tiefere Analyse der Sicherheitsdaten aus verschiedenen Quellen ermöglicht. Dies führt zu einer verbesserten Erkennung von Bedrohungen und einer effizienteren Reaktionsfähigkeit.

Der Einsatz moderner Technologien ist entscheidend für die Transformation von SOCs. Innovative Lösungen wie KI und hier speziell maschinelles Lernen (ML) ermöglichen es, große Datenmengen in Echtzeit zu analysieren, Muster zu erkennen und schneller auf Bedrohungen zu reagieren. Eine KI-gestützte Automatisierung hilft nicht nur bei der Effizienzsteigerung im Tagesgeschäft der IT-Abteilung, sondern auch bei der Reduzierung von Falschmeldungen, was eine gezieltere und schnellere Reaktion auf tatsächliche Bedrohungen ermöglicht.

Insbesondere das hohe Aufkommen von Fehlalarmen ist ein oft übersehener Aspekt der täglichen Arbeit von Cybersecurity Spezialisten. Diese nach und nach abzuarbeiten, macht nicht selten 80 Prozent der Arbeitslast dieser raren Spezialisten aus und trägt maßgeblich zu Erschöpfungs-erscheinungen bis hin zum Burnout bei. Eine KI-basierte Lösung zu implementieren, die sich bereits im Vorfeld um das „Ausmisten“ der False Positives kümmert, ist daher eine wichtige Maßnahme für das psychische Wohlbefinden und die langfristige Bindung der dringend benötigten Fachkräfte.

Anpassung an regulatorische Anforderungen – NIS-2

Die EU ist für ihre strengen Datenschutz- und Sicherheitsvorschriften bekannt. Nun müssen ihre Mitgliedsländer auch die neuen Anforderungen der NIS-2-Richtlinie in die Modernisierung von SOCs integrieren. Diese Gesetzesnovelle erweitert die Sicherheits- und Melderegeln auf zusätzliche Sektoren und verstärkt die nationalen Aufsichtspflichten.

Eine flexible SOC-Architektur ist daher unerlässlich, um nicht nur schnell auf legislative Änderungen reagieren zu können, sondern auch um die erweiterten Anforderungen der NIS-2-Richtlinie in Bezug auf Sicherheitsmaßnahmen, Berichtspflichten und die Vorbereitung auf grenzüberschreitende Cyberbedrohungen zu erfüllen. Dies bedeutet, dass SOCs eine proaktive Rolle bei der Identifizierung von Risiken und der Umsetzung von angemessenen Sicherheitsprotokollen spielen müssen, um die Resilienz gegenüber Cyberangriffen zu stärken und die bald inkrafttretenden nationalen Richtlinien und Gesetze zu erfüllen.

Integration von präventiven unf reaktiven Maßnahmen

Individuelle Sicherheitskonzepte sind in einer digitalisierten und stark heterogenen Branchenlandschaft unerlässlich, da jedes Unternehmen einzigartige Risiken und Anforderungen aufweist. Die Effektivität eines modernen SOC wird durch dessen Fähigkeit definiert, maßgeschneiderte Lösungen zu bieten, die nicht nur die einzigartigen Gegebenheiten jeder Branche, sondern auch die spezifischen Sicherheitsbedürfnisse und das Risikomanagementprofil jedes Kunden berücksichtigen.

Ein holistischer Ansatz umfasst die Entwicklung von Sicherheitsstrategien, die sowohl präventive als auch reaktive Maßnahmen integrieren und sich nahtlos in die Unternehmensprozesse einfügen. Dieses Modell sollte adaptiv gestaltet sein, um sich dynamisch an veränderte Bedrohungsszenarien und Geschäftsbedingungen anzupassen und gleichzeitig die Compliance mit aktuellen Datenschutzstandards zu gewährleisten.

Nahtlose Integration neuer Technologien

Eine Schlüsselstrategie liegt in der Ausbildung und Weiterentwicklung des Personals. Angesichts des Fachkräftemangels im Bereich der Cybersicherheit ist es entscheidend, in die Schulung bestehender Mitarbeiter zu investieren und gleichzeitig neue Talente anzuziehen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die nahtlose Integration neuer Technologien in bestehende Systeme. Unternehmen sollten einen schrittweisen Ansatz verfolgen, um Störungen im Betrieb zu minimieren und dadurch die Akzeptanz in der firmeneigenen Belegschaft zu fördern. Dies beinhaltet auch die Auswahl von Technologien, die mit der bestehenden IT-Infrastruktur kompatibel sind, sich in der Folge leicht in diese integrieren lassen und gleichzeitig Zukunftssicherheit bieten.

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Die Einhaltung von Datenschutz und Compliance ist ebenfalls von zentraler Bedeutung. Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre modernisierten SOCs den strengen Datenschutzgesetzen innerhalb der Europäischen Union entsprechen. Dies erfordert eine sorgfältige Planung und Implementierung von Datenschutzmaßnahmen in allen Phasen der SOC-Modernisierung.

 

Christian Borst

ist CTO EMEA bei Vectra AI.