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Microsoft macht SQL Server 2016 allgemein verfügbar

Ein gutes Jahr lang war Microsofts Datenbanklösung SQL Server 2016 als öffentliche Vorschauversion nutzbar gewesen, jetzt hat sie das Unternehmen wie angekündigt allgemein verfügbar gemacht. Die elfte Auflage liefert das wohl umfangreichste Update in der Geschichte dieser Software. Microsoft bietet SQL-Server in den Versionen “Enterprise”, “Standard”, “Express” und “Developer”.

SQL Server 2016 greift – kurz gesagt – die aktuellen Trends im Datenbankmarkt auf: In-Memory-Betrieb, NoSQL- und Dokumentenspeicherung, Hadoop-Integration für Big Data, integrierte Analytics, Maschinelles Lernen, Hybrid-Cloud-Fähigkeit, Mobile Reporting und Entdeckung von Sicherheitsvorfällen.

Neue Funktionen gibt es insbesondere im Bereich relationaler Datenspeicherung, Business Intelligence und Information Management. Komplexe Analytics-Funktionen wurden zum ersten Mal direkt in die Datenbank integriert. Microsoft gleicht dadurch auch den Funktionsumfang wieder an den des Cloud-Ablegers Azure SQL Database an.

Microsoft hat im relationalen Bereich In-Memory OLTP optimiert. Damit fallen die starken Einschränkungen dieser Komponente, die seit ihrer Einführung mit SQL Server 2014 galten, jetzt weg. “Hekaton” soll sich in Zukunft für eine spürbar größere Zahl an Anwendungen verwenden lassen sowie von gesteigerter Nebenläufigkeit profitieren. Vielen Entwicklern dürfte es entgegenkommen, dass die Datenbank jetzt auch das JSON-Format (JavaScript Object Notation) unterstützt. Mit Dynamic Data Masking, Row-Level Security und Always Encrypted stellt Microsoft nun Funktionen bereit, die bisher nur durch Drittanbieter-Ergänzungen realisierbar waren.

Lokale Datenbanken lassen sich mit Stretch Database mit Datenbanken in Azure zu einer Hybridlösung zusammenzuführen. Dabei werden warme und kalte Transaktionsdaten – also relativ häufig und selten genutzte – auf Microsoft Azure “dynamisch ausgedehnt”. Auf diese Weise sollen Anwender schneller an die gewünschten Daten kommen.

Die wichtigsten Neuerungen von SQL Server 2016 im Überblick (Bild: Microsoft).

Mit PolyBase gibt es im Bereich Data Warehouse jetzt eine Integration von Hadoop auch in der Mainstream-Version von SQL Server. Sie wurde bislang nur in einer Spezialversion angeboten. Stark verbessert wurde auch Columnstore. Abfragen können jetzt auch auf OLTP-Daten angewendet und Data Warehouses direkt mit OLAP-Werkzeugen abgefragt werden, ohne dass separate OLAP-Cubes nötig wären.

Der 2014 eingeführte Tabellenmodus von SQL Server Analysis Services (SSAS) wurde im Bereich Business Intelligence deutlich optimiert und die darunter liegende Sprache DAX merklich verbessert. Die verwendete Technik entspricht der in Excel, Power Pivot und Power BI. Der seit 2010 nicht mehr signifikant verbesserte SQL Server Reporting Service (SSRS) sieht nun nicht nur besser aus, sondern unterstützt auch HTML 5 und integriert für Mobile Reports Technik des 2015 übernommenen Datazen. Auch eine Teilintegration mit Power BI wurde eingebaut.

Microsoft hat, was Information Management anbelangt, vor allem das Werkzeug Extract, Transform and Load (ETL) der SQL Server Integration Services (SSIS) erweitert, beispielsweise um Hadoop-Anbindung. Auch die Master Data Services (MDS), die aus der Übernahme von Stratature 2007 stammen, wurden deutlich vorangebracht.

Die bedeutendste Neuerung im Bereich Advanced Analytics ist ohne Frage die Integration der Sprache R für statistische Analysen. Entwickler und Datenwissenschaftler können dabei die gewohnte SQL-Server-Schnittstelle für Prozeduren verwenden. “SQL Server R Services”, so die offizielle Bezeichnung, stammen aus der Übernahme von Revolution Analytics 2015.

Microsoft bietet Kunden, die von Oracle-Datenbanken zu SQL Server 2016 migrieren wollen, die notwendigen SQL Server-Lizenzen kostenlos dazu – inklusive Software Assurance. Zudem umfasst das Angebot Unterstützung bei der Migration sowie Zugriff auf die SQL Server-Essentials von Microsoft für die Oracle-Datenbankadministratorschulung.

Jetzt steht noch die angekündigte Linuxversion aus.

[mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de]

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Anja Schmoll-Trautmann

Anja Schmoll-Trautmann berichtet seit 2001 vorrangig für ZDNet.de über aktuelle Entwicklungen im Bereich Consumer Electronics, Mobile und Peripherie. Seit 2012 beschäftigt sie sich auch für silicon.de immer wieder mit Business-Hardware, Digitalisierung und Markttrends.

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