Die größten Fehler in IoT-Projekten

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Der Markt ist unübersichtlich, praktische Erfahrungen in den Unternehmen sind kaum vorhanden: IoT-Projekte starten oft hektisch und enden öfter im Chaos als dass sie gelingen. Jan Rodig, CEO des IoT-Dienstleisters tresmo berichtet aus seiner Erfahrung, wo die größten Stolpersteine liegen und wie sie sich umgehen lassen.

Laut einer Studie von Cisco scheitern drei von vier IoT-Projekten. Dabei lassen sich viele Fehlentscheidungen vermeiden, wenn man einige grundlegende Aspekte beachtet und sich genügend Zeit für eine sorgfältige Konzeption nimmt. Wir stellen typische Fehler vor, die häufig zu langwierigen Verzögerungen, hohen Mehrkosten oder sogar einem Scheitern von IoT-Vorhaben führen.

Investitionsrechnung vs. Digitalisierung

Traditionell investieren die meisten Unternehmen erst dann in die Entwicklung eines neuen Produktes oder Services, wenn auf Basis einer Wirtschaftlichkeitsrechnung eine bestimmte Amortisationsdauer oder ein angemessener Return on Investment (ROI) beziehungsweise Net Present Value (NPV) kalkuliert werden kann. So gehen auch aktuell viele Vorstände und Geschäftsführer an Digitalisierungsvorhaben heran: Kein Projektstart ohne entsprechenden Business Case. Das Problem: Controlling-Ansätze, die im 20. Jahrhundert vor dem Hintergrund einer größtenteils linearen, stetigen technologischen Entwicklung geschaffen wurden, eignen sich nicht notwendigerweise auch uneingeschränkt für den exponentiellen technologischen Fortschritt des 21. Jahrhunderts.

Jan Rodig, CEO, tresmo--- Als CEO des IoT-Dienstleisters tresmo verantwortet Jan Rodig die Beratung zu IoT-Innovationen und -Geschäftsmodellen sowie die technische Implementierung von IoT-Vorhaben für zahlreiche mittelständische und international agierende Industrieunternehmen wie VORWERK, Viessmann und TRUMPF Werkzeugmaschinen. Jan Rodig ist Mitautor des Fachbuchs Industrie 4.0 – Potenziale erkennen und umsetzen, Keynote-Speaker und Mitglied der Arbeitsgruppe Forschung & Innovation der Initiative Plattform Industrie 4.0.
Jan Rodig, CEO des IoT-Dienstleisters tresmo, hat bereits zahlreiche mittelständische und international agierende Industrieunternehmen wie VORWERK, Viessmann oder TRUMPF Werkzeugmaschinen bei IoT-Initiativen begleitet. (Bild: tresmo) 

Natürlich müssen auch digitale IoT-Produkt- und Serviceinnovationen wirtschaftliche Ziele erfüllen, keine Frage. Jedoch sind entsprechende Projekte zur Entwicklung digitaler Innovationen – insbesondere wenn diese radikaler Natur sein sollen – in frühen Projektphasen von einem hohen Grad an Unsicherheit geprägt, vor allem hinsichtlich Zielkundendefinition, Problemverständnis, Akzeptanz und Monetarisierbarkeit der geplanten Lösungen.

Die Antwort des Innovationsmanagements in den vergangenen Jahren darauf war ein Paradigmenwechsel: Methoden, Ansätze und Frameworks wie beispielsweise Design Thinking, Lean Startup, Design Sprints oder Scrum, die trotz dieser Unsicherheit einvernünftiges Verhältnis von Aufwand und Nutzen erlauben, hielten in den Unternehmen Einzug. Ihr Ziel: Schnelles Lernen unter Unsicherheit nah am Kunden statt linearer, langwieriger Prozesse. Entsprechend steil ist jedoch auch der Ideenfunnel – vieles wird wieder relativ zeitig verworfen (bewusstes “frühes Scheitern”).

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Das erfordert neben dem oft zitierten Kulturwandel (“neue Fehlerkultur”) und modernen Organisationsformen insbesondere zunächst einmal ein Budget für frühe Innovationsphasen, bevor deren Ergebnisse in weiteren Schritten mit Investitionsrechenverfahren weiter validiert und gefiltert werden können. Wird zu früh ein Business Case verlangt, kann ein effektiver Innovationsprozess schlicht nicht beginnen. Der Schlüssel zum erfolgreichen Einsatz von Wirtschaftlichkeitskalkulationen im Rahmen von Digitalisierungsprojekten liegt also im richtigen Zeitpunkt ihres Einsatzes.

Zuviel Whiteboard, zu weit weg vom Kunden

Eng verknüpft damit ist ein weiteres Problem, welches häufig auftaucht. Die Definition der zu entwickelnden IoT-Lösungen und ihrer Features sowie der Informationsarchitektur ist ein wichtiger Prozess. Basiert dieser rein auf der Strategie des Unternehmens, dem Bauchgefühls der Entscheider oder der technologischen Möglichkeiten, sind Fehlentwicklungen “am Kunden vorbei” vorprogrammiert. So werden oft Lösungen für Probleme entwickelt, die nicht kundenrelevant sind, oder es entstehen zu komplizierte Anwendungen, die mit dicken Handbüchern ausgeliefert werden müssen.

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Vordergründig ist eine hohe Kundenorientierung häufig sogar vorhanden: Der Vertrieb wird gebeten, die Probleme der Kunden mit den Produkten des Unternehmens zu beschreiben und Marktforscher befragen Kunden sowie Zielkunden. Das Problem: So entstehen keine digitalen “Killer-Apps”, oder zumindest nur zufällig. Dabei sind die wesentlichen “Zutaten” für die Schaffung erfolgreicher digitaler Lösungen bereits lange bekannt:

  • Schaffung eines tiefen Verständnisses über die Situation, die Prozesse und die Schmerzpunkte der Zielkunden – zunächst losgelöst von den Produkten des eigenen Unternehmens.
  • Entwicklung einer großen Zahl möglicher Lösungsansätze für die Probleme der Zielkunden mit Hilfe von lateralem Denken.
  • Ableitung und Priorisierung zentraler Hypothesen und deren systematisches Testen – so früh wie möglich direkt mit den Zielgruppen – mit Hilfe von “Smoke Tests”, agilem Design und ähnlichen Methoden.
  • Konsequent datengetriebene Weiterentwicklung der Produkte und Services mit Hilfe agiler Entwicklungsmethoden.

Fehler bei der IoT-Plattformauswahl

Die Vorteile eines agilen Vorgehens in der Entwicklung digitaler Lösungen haben sich inzwischen herumgesprochen, viele Unternehmen arbeiten mittlerweile nach Scrum oder ähnlichen Ansätzen. Während man sich damit viele Freiheiten lässt, um eine IoT-Lösung auf Basis neuer Erkenntnisse und veränderter Prioritäten sukzessive weiterzuentwickeln, kann diese Unsicherheit auch erhebliche Herausforderungen hinsichtlich der IT-Architektur und der Auswahl einer zukunftsfähigen IoT-Plattform mit sich bringen.

Eine IoT-Plattform stellt standardmäßig bereits viele grundlegende Features wie beispielsweise Connectivity, Geräteverwaltung und Datenmanagement sowie -Visualisierung bereit, die jede IoT-Lösung benötigt. Mehr als 500 IoT-Plattformen tummeln sich mittlerweile auf dem Markt, laufend kommen neue hinzu. Funktionalitäten, unterstützte Technologien und Kommunikationsprotokolle unterscheiden sich oft erheblich, ebenso die verfügbaren Schnittstellen, Authentifizierungs- und Autorisierungsmechanismen, Datenschutzbestimmungen und Preismodelle. Auch der regionale Scope der geplanten IoT-Lösung kann relevant sein, beispielsweise wenn die vernetzten Geräte in China stehen.

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Ist eine IoT-Plattform erst einmal aufwändig implementiert, explodieren oft die Kosten, wenn die gewählte Plattform den veränderten Anforderungen nicht mehr genügt und ausgetauscht werden muss – was tatsächlich nicht selten vorkommt. Daher empfiehlt sich eine systematische Anforderungsanalyse und sorgfältige Auswahl, idealerweise unter Hinzuziehung eines erfahrenen, unabhängigen Systemintegrators.

Auch wenn zu Projektbeginn naturgemäß noch nicht alle Details der zukünftigen IoT-Lösung definiert sind, gibt es etwa 80 grundlegende Parameter, die in der Regel bereits zu diesem Zeitpunkt eine sehr gute Vorauswahl erlauben. Die daraus resultierende Shortlist lässt sich pragmatisch weiter danach filtern, bei welchen Anbietern die Barrieren für einen späteren Wechsel möglichst niedrig sind. Weiterhin empfiehlt sich der Einsatz von Container-Technologien für den gesamten Technologie-Stack, um Anwendungen zu kapseln und beim Deployment und Betrieb der IoT-Lösung unabhängig zu sein. Darüber hinaus ist es ratsam eine Plattform auszuwählen, deren Preismodell “mit der Nutzung mitwächst”, so dass man bereits die Prototypen kostengünstig auf der Zielinfrastruktur entwickeln kann.

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Die digitale Aufwertung von Geräten, Maschinen und Anlagen durch IoT-Technologien ist lediglich eine neue Dimension des Wettbewerbs. Während in den vergangenen Jahrzehnten eine Differenzierung des eigenen Angebots vor allem durch physische Optimierungen – und im B2B-Bereich durch den Einsatz von Industrieautomationstechnologien – erfolgte, schafft die Vernetzung von “Hardware” nun zahlreiche neue Möglichkeiten, sich vom Wettbewerb abzuheben, nachdem die physischen Weiterentwicklungsmöglichkeiten oft schon ausgereizt sind. Dies heißt jedoch nicht, dass tatsächlich jeder aktuell hoffnungsvoll kalkulierte Business Case dafür aufgehen wird. Wie bisher auch werden neben dem Mehrwert einer neuen digitalen Funktionalität für den Kunden vor allem die Wettbewerbssituation, die Marktstruktur und im B2B-Bereich auch die Situation der Entscheider auf Kundenseite über die Zahlungsbereitschaft bestimmen.

Kurz: IoT-Features werden in vielen Fällen – insbesondere bei zahlreichen Konsumgütern aber auch in den wettbewerbsintensiven B2B-Branchen – schlicht ergänzende Standardfunktionalitäten physischer Produkte, ohne die das Angebot zukünftig im Wettbewerb keinen Bestand mehr hat. Es geht dabei also nicht zwangsläufig um zusätzliche Erlösströme, sondern oft lediglich um die Sicherstellung des mittelfristigen Überlebens. Mit großer Sicherheit wird sich jedoch auch in diesen Fällen durch das IoT die Struktur der Erlösströme ändern: Weg vom traditionellen Produktverkauf und hin zu nutzungs- und erfolgsabhängigen Modellen.

Die zu Beginn erwähnte Cisco-Studie nennt fünf wesentliche Herausforderungen, an denen IoT-Projekte zu scheitern drohen: die zu knapp kalkulierte Zeit bis zur Fertigstellung, die Qualität der Daten, die fehlende interne Expertise, die IoT-Integration und zu knappe Budgets – alle weitgehend vermeidbar durch ein systematisches Vorgehen. Der mit Abstand größte Fehler für einen Hersteller anspruchsvoller Produkte vor dem Hintergrund des IoT wird jedoch sein, gar nichts für die digitale Aufwertung seiner “Hardware” zu tun.

tresmo ist ein unabhängiger deutscher IoT-Dienstleister mit Hauptsitz in Augsburg. Gegründet 2012, entwickelt tresmo digitale Individuallösungen für mittelständische und international agierende Unternehmen wie BMW, VORWERK, WILO, Viessmann, TRUMPF Werkzeugmaschinen und VELUX. 

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